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04.12.2014

14:43 Uhr

Kampf gegen IS

Ablösung für Peschmerga in Kobane eingetroffen

Die erste Einheit der Peschmerga-Kämpfer im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) ist abgelöst worden. Das Blatt wenden konnte sie bislang nicht. Nun hat ein neuer Trupp die Grenzstadt Kobane erreicht.

Soldaten der Bundeswehr weisen kurdische Peschmerga-Kämpfer in die Handhabung des Maschinengewehres (MG3) ein. dpa

Soldaten der Bundeswehr weisen kurdische Peschmerga-Kämpfer in die Handhabung des Maschinengewehres (MG3) ein.

DiyarbakirRund einen Monat nach Ankunft der Peschmerga-Kämpfer zur Verteidigung der nordsyrischen Kurdenstadt Kobane gegen radikale Islamisten ist die erste Kampfeinheit abgelöst worden. Ein zweiter Trupp von 150 irakischen Kurden habe die Grenzstadt von der Türkei aus erreicht, verlautete am Donnerstag aus Peschmerga-Kreisen. Die erste, ebenfalls aus 150 Kämpfern bestehende Gruppe habe Kobane inzwischen verlassen und sei auf dem Weg zum Flughafen.

Die Ablösung sei bereits am Dienstagabend eingetroffen. Kobane hat strategisch zwar nur begrenzt Bedeutung. Die Stadt ist aber international zu einem Symbol für den Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) geworden, der in den vom ihm beherrschten Teilen Syriens und des Irak ein Kalifat ausgerufen hat.

Die Grenzstadt Kobane

Warum ist Kobane für Kurden so wichtig?

Die syrischen Kurden haben den Bürgerkrieg im Land zum Aufbau eigener regionaler Machtstrukturen in den mehrheitlich von ihnen bewohnten Gebieten genutzt. Nachdem sich die Truppen des Regimes von Baschar al-Assad 2012 zurückgezogen hatten, übernahmen sie die Kontrolle und gründeten später im Norden des Landes drei „autonome Kantone“. An der türkischen Grenze kontrollierten sie wichtige Enklaven: im Nordwesten um die Stadt Afrin, im Nordosten um die Städte Hasaka und Al-Kamischli sowie im Norden um Kobane. Eine Übernahme Kobanes durch die Terrormiliz IS wäre nicht nur der Verlust einer strategisch wichtigen Versorgungsroute, sondern auch psychologisch eine schwere Niederlage.

Wer sind die kurdischen Kämpfer, die sich den Dschihadisten entgegenstellen?

Die etwa 5000 Milizionäre gehören vor allem den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) an. Sie sind mit der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) verbunden. Volksschutzeinheiten und PYD stehen der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die in der Türkei verboten ist. Im Kampf gegen den IS werden offenbar auch Selbstmordattentäter eingesetzt: Kurdische Aktivisten meldeten am Wochenende, dass eine Kämpferin mit einem Selbstmordanschlag Dutzende Extremisten getötet habe. Experten gehen davon aus, dass PKK-Kämpfer die syrischen Kurden unterstützen. Die kurdischen Milizionäre in Syrien sind nicht zu verwechseln mit den kurdischen Peschmerga-Kämpfern, die im Irak gegen den IS im Einsatz sind.

Wie ist die Lage der Zivilisten vor Ort?

Nach kurdischen Angaben ist die überwiegende Mehrheit der verbliebenen Zivilisten an die türkischen Grenze in Sicherheit gebracht worden. Kobane wurde von den Volksschutzeinheiten zur „Militärzone“ erklärt. Laut türkischer Regierung sind mehr als 185 000 Menschen in die Türkei geflohen.

Warum greift die Türkei nicht ein?

Die türkische Regierung hat den Kurden in Kobane Unterstützung zugesagt, zugleich aber klargemacht, dass sie damit in unmittelbarer Zukunft keinen Einsatz von Bodentruppen meint. Zwar hat das Parlament der Regierung ein Mandat für Militäreinsätze in Syrien und im Irak für ein Jahr erteilt. Allerdings verlangt Ankara für einen Einsatz von Bodentruppen eine umfassende internationale Strategie, die auch den Sturz des Assad-Regimes in Damaskus beinhaltet. Zugleich befürchtet Ankara, dass die Kurden an der türkischen Südgrenze die Keimzelle für einen eigenen Kurden-Staat legen könnten, sollte es ihnen gelingen, die Terrormiliz IS zurückzuschlagen.

Warum schaffen es die USA und ihre Partner nicht, den IS mit Luftangriffen militärisch lahmzulegen?

Die IS-Kämpfer passen sich schnell und geschickt an die Luftschläge an. Sie verlassen Ziele, die von den USA ins Visier genommen werden und bringen Waffen und Geiseln an neue Stützpunkte. Zudem mischen sich die Kämpfer unter die Zivilbevölkerung und lassen auch viele ihrer schwarzen Flaggen wieder verschwinden. Weil Angriffe auf die IS-Infrastruktur schwieriger werden, hat sich auch das Tempo der Luftschläge verlangsamt, sagt David Schenker vom Washington Institute for Near East Policy. Die US-Regierung hat mehrfach betont, dass der IS nicht allein aus der Luft besiegt werden kann. Dem unabhängigen US-Instituts CSBA zufolge hat der Kampf bereits zwischen 780 und 930 Millionen Dollar (620 bis 740 Millionen Euro) verschlungen.

Hoffnungen der IS-Gegner, dass sich mit der Ankunft der ersten Peschmerga Anfang November das Blatt wenden könnte, haben sich bisher nicht erfüllt. Auch die von den Kurden-Kämpfern mitgebrachten schweren Waffen und die Luftangriffe der von den USA geführten Allianz gegen den IS haben das Kräfteverhältnis bisher nicht maßgeblich verändert.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Franz Paul

04.12.2014, 15:11 Uhr

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"Kobane hat strategisch zwar nur begrenzt Bedeutung" und dann "strategisch wichtige Versorgungsroute". Äh.
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