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26.10.2014

18:45 Uhr

Kampf gegen IS

Gefechte um Kobane fordern 800 Tote

Die Kämpfe dauern schon mehr als einen Monat an, die Opferzahlen steigen in besorgniserregende Höhen: Bei den Auseinandersetzungen um die syrische Stadt Kobane fügen sich Kurden und IS-Kämpfer empfindliche Verluste zu.

Ihre Heimatstadt liegt in Trümmern, seit Tagen sehen sie nur noch Rauchschwaden aufsteigen: In die Türkei geflohene syrische Kurden beobachten die Situation in Kobane. AFP

Ihre Heimatstadt liegt in Trümmern, seit Tagen sehen sie nur noch Rauchschwaden aufsteigen: In die Türkei geflohene syrische Kurden beobachten die Situation in Kobane.

MürsitpinarDie Zahl der Opfer im Kampf um die syrische Grenzstadt Kobane steigt immer weiter. Seit Beginn der Gefechte zwischen der Terrormiliz Islamischer Staat und den kurdischen Verteidigern der Stadt vor 40 Tagen seien 815 Tote gezählt worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Am Sonntag konzentrierten sich die Kämpfe auf einen Hügel westlich der Stadt.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle waren unter den Opfern 21 kurdische Zivilisten, 302 Kämpfer der Kurden-Miliz YPG und 481 IS-Extremisten. Auch am Wochenende gingen die Kämpfe unvermindert weiter. Am Samstag hatten die IS-Kämpfer erfolglos versucht, ein kurdisches Viertel der Stadt zu erstürmen. Am Sonntag wurde vor allem um den Isaa-Hügel westlich von Kobane gekämpft, wie Kurden-Vertreter Idriss Nassan der Nachrichtenagentur AP sagte. Der Hügel liegt nahe der strategisch wichtigen Erhebung Tel Schair, die kurdische Kämpfer kürzlich zurückerobert hatten.

Die Grenzstadt Kobane

Warum ist Kobane für Kurden so wichtig?

Die syrischen Kurden haben den Bürgerkrieg im Land zum Aufbau eigener regionaler Machtstrukturen in den mehrheitlich von ihnen bewohnten Gebieten genutzt. Nachdem sich die Truppen des Regimes von Baschar al-Assad 2012 zurückgezogen hatten, übernahmen sie die Kontrolle und gründeten später im Norden des Landes drei „autonome Kantone“. An der türkischen Grenze kontrollierten sie wichtige Enklaven: im Nordwesten um die Stadt Afrin, im Nordosten um die Städte Hasaka und Al-Kamischli sowie im Norden um Kobane. Eine Übernahme Kobanes durch die Terrormiliz IS wäre nicht nur der Verlust einer strategisch wichtigen Versorgungsroute, sondern auch psychologisch eine schwere Niederlage.

Wer sind die kurdischen Kämpfer, die sich den Dschihadisten entgegenstellen?

Die etwa 5000 Milizionäre gehören vor allem den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) an. Sie sind mit der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) verbunden. Volksschutzeinheiten und PYD stehen der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die in der Türkei verboten ist. Im Kampf gegen den IS werden offenbar auch Selbstmordattentäter eingesetzt: Kurdische Aktivisten meldeten am Wochenende, dass eine Kämpferin mit einem Selbstmordanschlag Dutzende Extremisten getötet habe. Experten gehen davon aus, dass PKK-Kämpfer die syrischen Kurden unterstützen. Die kurdischen Milizionäre in Syrien sind nicht zu verwechseln mit den kurdischen Peschmerga-Kämpfern, die im Irak gegen den IS im Einsatz sind.

Wie ist die Lage der Zivilisten vor Ort?

Nach kurdischen Angaben ist die überwiegende Mehrheit der verbliebenen Zivilisten an die türkischen Grenze in Sicherheit gebracht worden. Kobane wurde von den Volksschutzeinheiten zur „Militärzone“ erklärt. Laut türkischer Regierung sind mehr als 185 000 Menschen in die Türkei geflohen.

Warum greift die Türkei nicht ein?

Die türkische Regierung hat den Kurden in Kobane Unterstützung zugesagt, zugleich aber klargemacht, dass sie damit in unmittelbarer Zukunft keinen Einsatz von Bodentruppen meint. Zwar hat das Parlament der Regierung ein Mandat für Militäreinsätze in Syrien und im Irak für ein Jahr erteilt. Allerdings verlangt Ankara für einen Einsatz von Bodentruppen eine umfassende internationale Strategie, die auch den Sturz des Assad-Regimes in Damaskus beinhaltet. Zugleich befürchtet Ankara, dass die Kurden an der türkischen Südgrenze die Keimzelle für einen eigenen Kurden-Staat legen könnten, sollte es ihnen gelingen, die Terrormiliz IS zurückzuschlagen.

Warum schaffen es die USA und ihre Partner nicht, den IS mit Luftangriffen militärisch lahmzulegen?

Die IS-Kämpfer passen sich schnell und geschickt an die Luftschläge an. Sie verlassen Ziele, die von den USA ins Visier genommen werden und bringen Waffen und Geiseln an neue Stützpunkte. Zudem mischen sich die Kämpfer unter die Zivilbevölkerung und lassen auch viele ihrer schwarzen Flaggen wieder verschwinden. Weil Angriffe auf die IS-Infrastruktur schwieriger werden, hat sich auch das Tempo der Luftschläge verlangsamt, sagt David Schenker vom Washington Institute for Near East Policy. Die US-Regierung hat mehrfach betont, dass der IS nicht allein aus der Luft besiegt werden kann. Dem unabhängigen US-Instituts CSBA zufolge hat der Kampf bereits zwischen 780 und 930 Millionen Dollar (620 bis 740 Millionen Euro) verschlungen.

Die USA und ihre Verbündeten unterstützten die Kurden am Samstag und Sonntag mit fünf Luftangriffen, wie das US-Zentralkommando mitteilte. Dabei seien sieben Fahrzeuge des IS und ein Gebäude zerstört worden.

Auch in Homs weiter im Süden kam es nach Angaben der Beobachtungsstelle zu einem Luftangriff, allerdings durch die syrische Luftwaffe. Dabei seien in der Stadt Talbise am späten Samstagabend 18 Menschen getötet worden, darunter zehn Kinder.

Von

ap

Kommentare (1)

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Herr reiner tiroch

27.10.2014, 11:32 Uhr

seit 2 Wochen liest man dass Erdogan 150-200 peschmerga kämpfer nach Kobane lassen will. für die 700 Meter dorthin sind die bis heute nicht eingetroffen. haben die sich verlaufen?

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