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24.09.2014

19:57 Uhr

Kampf gegen IS

Geisel wegen französischer Luftschläge getötet

Der Terror der IS-Milizen und ihrer Ableger greift weit über die Konfliktländer Syrien und Irak hinaus. 3000 Kilometer weiter westlich wird ein unbeteiligter französischer Tourist verschleppt und nun enthauptet.

Für ihn kam in Algerien jede Hilfe zu spät, auch 1500 Soldaten konnten ihn nicht mehr retten: Der Bergführer Hervé Gourdel wurde enthauptet. AFP

Für ihn kam in Algerien jede Hilfe zu spät, auch 1500 Soldaten konnten ihn nicht mehr retten: Der Bergführer Hervé Gourdel wurde enthauptet.

Algier/ParisDer von Dschihadisten in Algerien entführte französische Tourist ist von diesen hingerichtet worden. Das bestätigte Frankreichs Präsident François Hollande am Mittwoch bei der UN-Vollversammlung in New York. „Ich spreche mit schweren Gefühlen zu Ihnen. Einer meiner Landsleute wurde heute von Terroristen ermordet“, sagte Hollande. „Er wurde als Geisel genommen und enthauptet. Das ist Terrorismus!“ Schon Amerikaner und Briten hätten diese Barbarei erfahren müssen. „Die Terroristen vergewaltigen und sie töten. Und sie kennen keine Grenzen. Deshalb müssen wir gegen den Terrorismus kämpfen.“

Die Terrorgruppe Jund al-Chilafa, ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), veröffentlichte ein Video der Bluttat im Internet. Zunächst hatte die Dschihad-Beobachterplattform Site über das Video berichtet. Der verschleppte Franzose wurde allem Anschein nach wie bereits drei andere IS-Geiseln zuvor enthauptet.

Im Namen der IS-Terroristen waren zuvor zwei US-Journalisten und ein britischer Entwicklungshelfer ermordet worden. Davon stellten die Terroristen ebenfalls Videos mit Hinrichtungsszenen ins Internet. Mit der Ermordung des Franzosen erreicht der IS-Terror erstmals Regionen weitab des Irak oder Syriens. Algerien liegt 3000 Kilometer westlich von Syrien. Die drei bislang ermordeten Geiseln waren allesamt in dem Bürgerkriegsland verschleppt worden.

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Woher kommt die Terrormiliz?

Die Miliz ist die Nachfolge-Organisation von al-Qaida im Irak, einer radikalen Widerstandsbewegung, die sich Gebiete im Westen des Landes einverleibte, nachdem die Amerikaner den Diktator Saddam Hussein gestürzt hatten, ohne das Machtvakuum zu füllen.

Es handelt um einen Zusammenschluss von sunnitischen Dschihadisten, ehemaligen Anhängern von Saddam Hussein und von Stammesmitgliedern. Die Zahl der Kämpfer wird neuerdings auf rund 30.000 geschätzt. In ihrem Herrschaftsgebiet haben die Extremisten ein Verwaltungssystem aufgebaut, das jeden Aspekt des Alltags kontrolliert.

Welche Gebiete kontrolliert IS?

Die Terrormiliz hat Schätzungen zufolge rund ein Drittel des syrischen Staatsgebietes eingenommen. Dabei gelang es ihr, einen Korridor zwischen ihren westlichsten Eroberungen nahe Aleppo über nördliche Landstriche bis zu östlichen Landesteilen nahe der Grenze zum Irak zu schaffen.

In der Provinz Aleppo stehen unter anderem die größeren Orte Manbidsch und Al-Bab unter ihrem Kommando, dort weht die schwarze Flagge der Miliz auf Regierungsgebäuden und großen Plätzen. Da die Terrormiliz auf beiden Seiten der syrisch-irkanischen Grenze nahtlos Gebiete kontrolliert, kann sie relativ leicht Kämpfer, Waffen und Güter zwischen beiden Ländern hin- und hertransportieren.

Zuletzt stockt der Vormarsch des IS allerdings. Die Miliz verlor etwa die strategisch wichtige Stadt Tikrit, ebenso wie das über Monate umkämpfe Kobane an der türkischen Grenze.

Was ist die „Hauptstadt“ des Islamischen Staats?

Die IS erklärte Rakka, eine Stadt am Euphrat im Nordosten Syriens mit einer halben Million Einwohner, zur Hauptstadt ihres Kalifats und Sitz ihrer Machtzentrale. IS-Kämpfer aus aller Welt strömten dorthin, einige mit ihren Familien. Obwohl schon immer konservativ und unter großem Einfluss von Stämmen, war Rakka früher ein lebendiges und wirtschaftlich blühendes Zentrum.

Heute patrouilliert rund um die Uhr die Sittenpolizei der IS – die sogenannte Hisba – durch die Straßen. Diese bewaffneten Kämpfer in langen Roben kontrollieren, ob ihre strenge Auslegung des Korans auch umgesetzt wird. Die IS hat Musik und Rauchen verboten. Frauen wurden von der Sittenpolizei angewiesen, sich zu verhüllen. Wer gegen die Scharia verstößt, läuft Gefahr, enthauptet oder ans Kreuz gehängt zu werden. Den Schulen der Stadt diktierte die Miliz kürzlich die Inhalte und strich Fächer wie Philosophie oder Chemie.

Wie stark sind die Kämpfer des IS?

Seit Anfang 2014 führt die Miliz mit den gemäßigten und vom Westen unterstützten Rebellen in Syrien einen Zermürbungskrieg. Dabei stürmen IS-Kämpfer Außenposten der Rebellen und nehmen ihnen Ort für Ort durch Gewalt und Einschüchterung ab.

Die Zahl der Kämpfer lässt sich nur schätzen. Fest steht jedoch, dass die Extremisten seit Beginn ihres Vormarsches im Irak Anfang Juni 2014 starken Zulauf bekommen haben. Der US-Geheimdienst CIA geht davon aus, dass die Gruppe in Syrien und im Irak zwischen 20.000 und 31.500 Kämpfer hat. Diese Zahl unterscheidet sich deutlich von den Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Sie schätzt die Zahl der IS-Kämpfer allein in Syrien auf rund 50.000, davon etwa 20.000 aus dem Ausland. Die Menschenrechtler stützen sich bei ihren Informationen auf ein Netz von Aktivisten in Syrien.

Welche Rohstoffe hält IS in der Hand?

Die Terrormiliz hatte im bis Herbst 2014 faktisch alle größeren Ölfelder im Osten Syriens, darunter das landesweit größte namens Omar mit einer Förderkapazität von 75.000 Barrel pro Tag erobert. Der IS nahm die Produktion teilweise auf und finanzierte sich auch über den Verkauf von Rohöl unter Marktpreisen. Das geförderte Öl werde über Mittelsmänner an die Türkei und den Irak geliefert.

Doch nach dem Verlust von Tikrit Anfang April 2015 hat die Terrororganisation auch mindestens drei Ölfelder verloren. Damit bleibt der Miliz im Irak nur noch ein einziges Ölfeld: Qayara mit einer Förderkapazität von gerade einmal 2000 Barrel am Tag. Das seien gerade noch fünf Prozent der zuvor vom IS innerhalb des Irak kontrollierten Menge.

Wie verhält sich der syrische Diktator Assad?

Syriens Präsident hat vor kurzem die Luftangriffe auf IS-Hochburgen verstärken lassen. Die Regierung öffnete die Türen für eine mögliche Kooperation mit den USA im Kampf gegen IS, sie stellte aber zugleich klar, dass jeglicher Angriff mit Damaskus abgestimmt sein müsse. Für die US-Regierung ist dies allerdings ein Problem: Sie möchte nicht an Assads Seite erscheinen, zumal sie dessen Rücktritt seit Jahren verlangt. Unter der Hand machte das Assad-Regime lange sogar Geschäfte mit den Terroristen nach dem Motto: Strom gegen Öl.

Was können die USA mit Luftschlägen ausrichten?

Jedweder Luftschlag der USA in Syrien würde sich wahrscheinlich auf Gebiete nahe der Grenze zum Irak sowie militärische Ziele wie Trainingslager in Rakka konzentrieren. Dort verfügt Assad kaum über Luftabwehr.

In jedem Fall werden sich Luftangriffe schwieriger gestalten als im Irak: Dort segnet Bagdad das Vorgehen ab, zudem verlaufen die Frontlinien deutlicher. In Syrien hingegen gibt es auf engem Raum verschiedene Fraktionen, zu denen neben IS auch der al-Qaida-Ableger Nusra-Front, die vom Westen unterstützten Rebellen der Freien Syrischen Armee und die Regierungstruppen gehören. Während die gemäßigten Rebellen US-Luftschläge fordern, lehnen die extremeren Kämpfer ein Engagement der USA ab.

In dem jüngsten, knapp fünfminütigen neuen Video ist die Geisel zwischen vier vermummten und bewaffneten Männer zu sehen. Anschließend wird auch die Enthauptung selbst gezeigt.

Der 55-jährige Franzose war am Sonntag in einer bergigen Region bei Tizi Ouzou etwa 110 Kilometer östlich der Hauptstadt Algier gekidnappt worden. Frankreichs Präsident hatte dem algerischen Premierminister Abdelmalek Sellal volle Unterstützung zugesagt. Algerische Einheiten suchten den Franzosen am Mittwoch mit 1500 Soldaten.

Die mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verknüpfte algerische Gruppe hatte in einem am Montag veröffentlichten Video mit der Ermordung der Geisel gedroht, wenn Frankreich seine Angriffe gegen die IS-Miliz im Irak nicht einstelle. Als Frist gab sie der französischen Regierung 24 Stunden Zeit.

Paris lehnte Verhandlungen mit den Entführern mehrfach ab. „Frankreich lässt sich nicht erpressen“, hatte Regierungschef Valls gesagt. Hollande betonte in New York, sein Land werde den Kampf gegen den Terrorismus fortsetzen. „Frankreich wird niemals vor dem Terrorismus einknicken“, sagte der Staatschef. Die abscheuliche Tat der Terroristen würden seine Entschlossenheit noch verstärken, betonte Hollande. Die französischen Luftschläge im Irak würden fortgesetzt.

Auch US-Präsident Barak Obama zeigt sich am Mittwoch entschlossen. 40 Länder hätten bereits ihre Unterstützung im Kampf gegen den IS angeboten, sagte Obama vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York. „Wir handeln nicht allein.“ Die USA würden sich keiner Bedrohung beugen. „Wir werden unser militärisches Können in einer Kampagne von Luftschlägen nutzen, um IS zurückzudrängen.“ Die Geldquellen von IS würden trockengelegt und der Fluss ausländischer Kämpfer in die Region gestoppt.

Von

afp

Kommentare (7)

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Herr Jürgen Dannenberg

24.09.2014, 17:52 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr ali hatschi

24.09.2014, 18:44 Uhr

UNGLAUBLICH!!!!:-)


Al-Qaida verspricht Märtyrern Bonus-Jungfrau im Paradies, wenn sie nicht zu IS wechseln
Islamabad (dpo) - Der "War for Talent" hat begonnen: Die Terrororganisation al-Qaida stellt ihren Mitgliedern neue Benefits in Aussicht, wenn sie nicht zur Konkurrenz vom Islamischen Staat (IS) abwandern. Ab sofort können Selbstmordattentäter damit rechnen, im Paradies von einer zusätzlichen Jungfrau empfangen zu werden. Der schon seit einigen Wochen andauernde Exodus der Mitglieder zum PR-erprobten Rivalen soll so gestoppt werden.

"Wir haben es momentan mit massiven Abwerbungsversuchen seitens des IS zu tun und wollen leistungsstarke Mitarbeiter noch fester an uns binden", sagte Abdul Handschur, der Head of Human Resources von al-Qaida, am Rande einer Fachkräftemesse in Pakistan. "Daher haben wir uns für eine Erhöhung der erfolgsabhängigen Vergütung entschieden."
Machen der guten alten al-Qaida den Nachwuchs abspenstig: IS-Kämpfer
Statt von 72 würden Selbstmordattentäter im Erfolgsfall nun im Paradies von 73 begehrenswerten Jungfrauen empfangen. "Damit setzen wir ein klares Zeichen, dass uns die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter wichtig ist."
Zudem könne jeder Arbeitnehmer oder Freelancer der al-Qaida auf einem vorgedruckten Formular angeben, welche Augen- und Haarfarbe sowie Körpermaße er sich von seiner zusätzlichen Jungfrau wünsche. Das Formular werde von der al-Qaida-Führung ohne Mehrkosten bearbeitet und an die zuständigen Behörden im Jenseits weitergeleitet.
"Wir appellieren an die Vernunft unserer Mitarbeiter, sich nicht von irren Verheißungen wie einem eigenen Kalifat und anderen Träumereien blenden zu lassen, sondern bei einem seriösen Jungfrauen- und Arbeitgeber wie al-Qaida zu bleiben", so Handschur.
Sollte sich das Programm bewähren, so der Personaler, würden in Zukunft womöglich noch weitere attraktive Prämien ausgelobt. Für besonders verdiente Selbstmordattentäter sei etwa ein exklusives Meet & Greet mit Osama bin Laden im Paradies denkbar

Herr Günther Schemutat

24.09.2014, 19:00 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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