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15.09.2015

13:51 Uhr

Kampf gegen IS in Syrien

Putin fordert erneut Schulterschluss mit dem Westen

Russland macht Druck für die Bildung einer internationalen Koalition zum Kampf gegen den Terror in Syrien. An der Lage dort gibt Wladimir Putin dem Westen die Schuld. Der Kremlchef bringt eine alte Idee ins Spiel.

Russlands Präsident hat einen früheren Vorschlag Russlands für die Schaffung eines gemeinsamen Systems der euroatlantischen Sicherheit aufgegriffen. AFP

Wladimir Putin

Russlands Präsident hat einen früheren Vorschlag Russlands für die Schaffung eines gemeinsamen Systems der euroatlantischen Sicherheit aufgegriffen.

Duschanbe/LondonDer russische Präsident Wladimir Putin hat die internationale Gemeinschaft zum gemeinsamen Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien aufgefordert. „Wir unterstützen die Regierung in Syrien in ihrem Widerstand gegen die terroristische Aggression und leisten auch weiterhin die nötige militär-technische Hilfe“, sagte Putin am Dienstag in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe. „Wir rufen andere Länder auf, sich uns anzuschließen“, sagte der Kremlchef der Agentur Interfax zufolge auf einem Gipfel der Organisation des Vertrags über Kollektive Sicherheit (OVKS). Die Lage sei „sehr ernst“.

Russland hatte sich zuletzt mehrfach dafür ausgesprochen, eine internationale Koalition im Kampf gegen den IS zu bilden. Putin will daran auch den umstrittenen syrischen Machthaber Baschar al-Assad sowie die „gesunde Opposition“ des Landes beteiligen. Assad sei zur Zusammenarbeit bereit, betonte Putin. Die USA sehen die Initiative skeptisch und warnen vor einer militärischen Unterstützung Assads.

Auch das Internationale Institut für Strategische Studien (IISS) in London warnte vor einer Zusammenarbeit mit dem Assad-Regime. Der IS sei nur zu schlagen, wenn sich der Westen Assad entgegenstellte, sagte IISS-Nahostexperte Emile Hokayem am Dienstag. „Die derzeitige Strategie ist höchst fehlerhaft“, betonte er. Um die Ausbreitung des IS zu verhindern, sei der Westen sowohl auf die Kurden als auch auf sunnitische Muslime angewiesen. „Und wenn man sunnitische Araber an Bord holen will, braucht man eine politische und militärische Lösung, um das Schicksal Assads in Angriff zu nehmen.“

Erfolge, Niederlagen und Terror des IS seit Ausrufung des „Kalifats“

IS

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ging aus einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida im Irak hervor. Ein Rückblick:

29. Juni 2014

Die sunnitischen Dschihadisten rufen in den von ihnen eroberten Gebieten in Syrien und im Irak ein „Kalifat“ aus. Erster „Kalif“ des neuen Gottesstaates sei Anführer Abu Bakr al-Bagdadi.

August 2014

8. August: Die USA fliegen erste Angriffe im Nordirak.

August: Die Enthauptung eines US-Journalisten schockt die Welt. In den folgenden Monaten verbreitet der IS im Internet weitere Videos mit der Ermordung zweier US-Bürger und zweier Briten.

19. September und Dezember 2014

19. September: Frankreich startet mit Hilfe arabischer Partnerländer erstmals Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien.

Dezember: Kurdische Soldaten beenden mit Hilfe internationaler Luftangriffe die Belagerung des Sindschar-Gebirges nahe der IS-Hochburg Mossul. Im August waren Zehntausende Angehörige der jesidischen Volksgruppe vor den Dschihadisten in die Berge geflohen.

Januar und Februar 2015

Januar 2015: Nach monatelangen Kämpfen vertreiben kurdische Kämpfer den IS aus der nordsyrischen Stadt Kobane an der türkischen Grenze.

Februar: Ein Video zeigt, wie ein gefangener jordanischer Pilot bei lebendigem Leib verbrannt wird. Zuvor hatte die Terrormiliz bereits die Tötung zweier japanischer Geiseln zur Schau gestellt.

März und April 2015

März: Irakische Kräfte erobern die strategisch wichtige Stadt Tikrit zurück, die die Extremisten im Juni 2014 besetzt hatten.

April: IS-Kämpfer dringen in Ramadi 100 Kilometer westlich von Bagdad ein. Tausende Iraker fliehen vor dem Terror Richtung Bagdad, dürfen die Hauptstadt aber nicht betreten.

Mai und Juli 2015

Mai: Die Terrormiliz bringt Ramadi vollständig unter ihre Kontrolle. Kurden erobern IS-Gebiete in Nordsyrien.

Juni: Der IS verbreitet ein schockierendes Video über neue Hinrichtungsmethoden.

24. Juli und 6. August 2015

24. Juli: Nach einem dem IS zugeschriebenen Anschlag im türkischen Suruc fliegen türkische Kampfjets erstmals Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien. Zudem öffnet Ankara wenig später den südtürkischen Nato-Stützpunkt Incirlik für US-Luftschläge gegen den IS.

6. August: Einer US-Bilanz zufolge hat das internationale Anti-Teror-Bündnis in einem Jahr mehr als 5900 Luftschläge gegen den IS im Irak und in Syrien geflogen. Außerdem sollen 10 000 IS-Kämpfer bei Angriffen getötet worden sein.

18. und 23. August 2015

18. August: Der IS enthauptet den früheren Chef-Archäologen der irakischen Oasenstadt Palmyra. Nach US-Angaben stirbt die Nummer zwei der Terrormiliz, Hadschi Mutas, bei einem Luftangriff im Irak.

23. August: Der IS sprengt den rund 2000 Jahre alten Tempel Baal Schamin in Palmyra. Einige Tage später zerstören die Extremisten auch den Baaltempel.

September 2015

Eine weitere Koalition bildet sich.  Russland bestätigt erstmals die Präsenz von Militärexperten in Syrien. Vorher waren Bilder russischer Soldaten in Syrien in den sozialen Netzwerken aufgetaucht. Russland und Iran unterstützen Syrien im Kampf gegen den IS, aber auch gegen andere Oppositionsgruppen.

November 2015

Nach den Anschlägen von Paris vom 13. November mit mindestens 129 Toten fliegt die französische Luftwaffe verstärkt Angriffe auf die Stadt Al-Raqqa, das inoffizielle Zentrum des vom IS kontrollierten Gebiet im Irak und Syrien. Frankreich fliegt bereits seit September 2014 Luftangriffe auf IS-Stellungen.

Putin wies unterdessen Vorwürfe des Westens zurück, Russland sei wegen seiner Unterstützung für Assad mitverantwortlich für den Flüchtlingsstrom. Es seien andere, die die Lage in Syrien, im Irak, in Afghanistan und weiteren Ländern destabilisiert hätten. „Nicht wir haben dort die staatlichen Machtinstitutionen zerstört und ein Machtvakuum geschaffen, das nun die Terroristen füllen“, sagte er.

„Wenn Russland Syrien nicht unterstützen würde, dann wäre die Lage in dem Land noch schlimmer (...), und es gäbe noch mehr Flüchtlinge“, sagte Putin. Er warf den USA vor, bei ihrer Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten gezielt auf radikale Kräfte zu setzen, um unliebsame Regierungen zu stürzen.

Es gehöre zum „gesunden Menschenverstand“, bei globalen Bedrohungen wie durch den IS die Kräfte der Weltgemeinschaft zu vereinen. Dabei griff Putin einen früheren Vorschlag Russlands für die Schaffung eines gemeinsamen Systems der euroatlantischen Sicherheit auf. Auch die OVKS-Länder seien zu einer konstruktiven Zusammenarbeit bereit. In der auf Sicherheitsfragen spezialisierten Organisation kooperieren die Ex-Sowjetrepubliken Weißrussland, Tadschikistan, Kirgistan, Kasachstan und Armenien mit Russland. Die OVKS will künftig für den Einsatz in Krisengebieten gemeinsame Friedenstruppen bilden.

Von

dpa

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