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15.06.2015

21:33 Uhr

Kampf gegen IS

Kurden erobern nordsyrischen Grenzübergang Tell Abjad

Ende Januar konnten die Kurden die IS-Terrormiliz aus der nordsyrischen Stadt Kobane vertreiben. Jetzt erringen sie einen weiteren Sieg gegen die Dschihadisten. Der IS verliert einen wichtigen Nachschubweg.

Syrien

Kurden erobern IS-Hochburg an der türkischen Grenze

Syrien: Kurden erobern IS-Hochburg an der türkischen Grenze

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Tell AbjadSchwere Niederlage für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS): Kurdische Einheiten haben die Dschihadisten vom nordsyrischen Grenzübergang Tell Abjad vertrieben. Auch die Grenzstadt selbst hätten sie fast vollständig eingenommen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montagabend. Die Extremisten verlieren damit ihre wichtigste Nachschubroute in die Türkei. Zuvor waren bereits Tausende Menschen vor den Kämpfen in Tell Abjad in Richtung des Nachbarlandes geflohen.

Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) seien bei ihrem Vormarsch von Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) und Luftangriffen der internationalen Koalition unterstützt worden, meldeten die Menschenrechtsbeobachter. In Tell Abjad gebe es nur noch wenige kleine IS-Stellungen. Mindestens 40 Extremisten seien auf der Flucht durch Luftangriffe getötet worden.

Der IS verliert mit dem Vormarsch der Kurden die Kontrolle über einen wichtigen Teil der Grenze. Damit wird die schnellste Verbindung zwischen der IS-Hochburg Al-Rakka und der Türkei abgeschnitten. Mit der vollständigen Einnahme Tell Abjads können die Kurden zugleich die von ihnen kontrollierten Gebiete um die Stadt Kobane im Norden und die Stadt Kamischli im Nordosten des Landes vereinen. Ende Januar hatten die Kurden den IS bereits aus Kobane vertrieben.

Die syrischen Flüchtlinge und die Nachbarstaaten

Fast vier Millionen Flüchtlinge

Der syrische Bürgerkrieg hat sich zu einer humanitären Katastrophe entwickelt. Mehr als 3,8 Millionen Syrer sind ins Ausland geflohen, seit vor vier Jahren der Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad begann. Die meisten von ihnen sind in den Nachbarländern untergekommen und haben diese damit vor erhebliche Schwierigkeiten gestellt. Viele von ihnen sind nirgendwo registriert. Hier ein Überblick über die Situation. (Quelle: AP)

Libanon

1,2 Millionen Flüchtlinge sind registriert. In den oft spontan errichteten Notunterkünften werden jedoch noch zahlreiche weitere Vertriebene vermutet. Mit einer ursprünglichen Einwohnerzahl von 4,5 Millionen ist der Libanon damit nach Angaben der Vereinten Nationen das Land mit der höchsten Flüchtlingsquote der Welt. Die Regierung in Beirut hat aus Furcht um die innere Stabilität des Landes eine Reihe von Beschränkungen für Syrer verhängt. Eine der wichtigsten ist die Visumpflicht.

Jordanien

Nach offiziellen Angaben sind 625 000 Syrer nach Jordanien geflohen. Viele Flüchtlingslager stehen direkt an der Grenze zu Syrien, andere in der Nähe von Großstädten. Im größten Lager, Sataari, leben etwa 84 000 Flüchtlinge unter direkter Verwaltung der Regierung und der Vereinten Nationen.

Türkei

Der nördliche Nachbar Syriens hat 1,6 Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge registriert. Die Regierung hat 21 Flüchtlingslager errichtet, zu denen auch Schulen und medizinische Einrichtungen gehören.

Irak

Der Irak wird selbst von einem Bürgerkrieg erschüttert. Trotzdem hat er 245 000 Flüchtlinge aufgenommen. Die meisten von ihnen sind Kurden, die in die von ihren Stammesverwandten bewohnten Gegenden im Nordirak gezogen sind. Zehntausende hausen in Zeltstädten oder eilig aus dem Boden gestampften Baracken. Die Regierung der weitgehend autonomen Kurdenregion im Irak erlaubt den Flüchtlingen eine große Freizügigkeit. Einige haben Arbeit und Wohnungen in Städten gefunden.

Ägypten

Die Regierung in Kairo geht nach eigenen Angaben von 136 000 Bürgerkriegsflüchtlingen aus. Doch selbst Beamte schätzen, dass hunderttausende Syrer im Land leben, die nicht registriert sind.

Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, nach Öffnung der Grenze am Sonntagabend hätten 2800 Flüchtlinge den Übergang zur türkischen Stadt Akcakale passiert. Die Nachrichtenagentur DHA meldete sogar 4630 Flüchtlinge. Aus der Region sind in den vergangenen zwei Wochen nach Angaben von Anadolu rund 20.000 Syrer in die Türkei geflohen.

Die türkischen Behörden hatten die Grenze am Sonntagabend und dann wieder am Montag geöffnet. Zuvor hätten IS-Kämpfer Zivilisten, die in brütender Hitze an der Grenze warteten, zurück nach Tell Abjad gezwungen. Anadolu berichtete, bei den Flüchtlingen handele es sich vor allem um Turkmenen und Araber.

Die kurdischen Volksschutzeinheiten sind mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden. Die Türkei verdächtigt die YPG, bei ihrem Vormarsch Turkmenen und Araber aus deren Siedlungsgebieten zu vertreiben. Ein Bündnis von islamistischen Rebellengruppen warf den Kurden am Montag in einer Erklärung eine „ethnische Säuberung“ vor.

Die Regierung in Ankara befürchtet zudem, die Kurden könnten in Syrien einen eigenen Staat ausrufen und Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden in der Türkei befördern. In der Türkei haben nach UN-Angaben mehr als 1,7 Millionen Syrer Zuflucht gesucht.

Von

dpa

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