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11.07.2017

07:50 Uhr

Kampf gegen IS

Mossul am Tag nach der Befreiung

Nach einem erbitterten Kampf um Mossul stehen die irakischen Truppen siegreich da. Doch die Altstadt ist zu großen Teilen zerstört, Leichen unter den Trümmern noch nicht geborgen. Der Wiederaufbau dürfte Jahre dauern.

Irakische Spezialeinheiten feiern am Ufer des Tigris den Sieg über die IS-Anhänger. Jetzt beginnen die Aufräumarbeiten in der zerstörten Stadt. dpa

Gefechte in Mossul

Irakische Spezialeinheiten feiern am Ufer des Tigris den Sieg über die IS-Anhänger. Jetzt beginnen die Aufräumarbeiten in der zerstörten Stadt.

MossulNach der Rückeroberung der irakischen Stadt Mossul von der Terrormiliz Islamischer Staat ist die Krise vor Ort trotzdem nicht besiegt. Mehr als 897.000 Menschen seien im Zuge des neun Monate andauernden Kampfes aus dem Stadtgebiet und den umliegenden Dörfern vertrieben worden, teilten die Vereinten Nationen mit. Luftangriffe, Geschützgranaten und Bombenanschläge hätten Tausende Gebäude und die wichtigste Infrastruktur Mossuls zertrümmert. Der irakische Regierungschef Haidar al-Abadi gab sich am Montag dennoch stolz, als er die endgültige Übernahme der Kontrolle verkündete.

„Wir geben den völligen Sieg für den Irak und alle Iraker bekannt“, sagte Al-Abadi am Montagabend auf einer kleinen Militärbasis am Rande der bis zuletzt umkämpften Altstadt von Mossul. Der Ministerpräsident sprach von einem „großen Festtag“, der die Siege der Kämpfer und der Iraker in den vergangenen drei Jahren kröne. Der Triumph sei durch „das Blut unserer Märtyrer“ erreicht worden.

US-Präsident Donald Trump sagte, der Sieg in Mossul signalisiere, dass sich die Tage der Terrormiliz im Irak und in Syrien dem Ende neigten. Auch die US-geführte Militärkoalition beglückwünschte Al-Abadi. Es handele sich um einen Sieg gegen „einen brutalen und bösen Feind“.

Der Kampf um Mossul

Mossul

Drei Jahre nach der Einnahme Mossuls durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die irakische Armee die Metropole offensichtlich zurückerobert. Ein Rückblick.

Juni 2014

Der IS nimmt die zweitgrößte irakische Stadt mit einem Überraschungsangriff ein und errichtet in weiten Teilen des Landes ein Terrorregime.

Juli 2014

Der Anführer der Terrorgruppe, Abu Bakr al-Bagdadi, zeigt sich erstmals in der Öffentlichkeit. Er ist in einem Video bei der Freitagspredigt in der Großen Moschee in Mossul zu sehen.

August 2014

Kurdische Soldaten vertreiben mit Unterstützung der US-Luftwaffe den IS vom strategisch bedeutenden Mossul-Staudamm.

Oktober 2016

Armee, kurdische Kämpfer und verbündete Truppen starten eine Großoffensive zur Rückeroberung der letzten IS-Bastion im Irak. Die militanten Islamisten hatten in den Monaten zuvor schon wichtige Gebiete verloren.

Januar 2017

Regierungskräfte erobern den Osten der durch den Fluss Tigris geteilten Stadt im Norden des Iraks zurück.

Februar 2017

Der Sturm auf den Westen der Stadt beginnt.

Juni 2017

Die Schlacht um Mossul geht in die entscheidende Phase. IS-Kämpfer sprengen nach Angaben der irakischen Führung und der USA die Jahrhunderte alte Große Moschee.

9. Juli 2017

Die Armee bricht in den letzten Zufluchtsort des IS im Westteil Mossuls ein und feiert den Sieg über die Dschihadisten.

Dennoch warnte das Bündnis, der Kampf gegen die Extremisten gehe weiter. Zudem müssten Gebiete in Mossuls Altstadt von Sprengsätzen und möglichen versteckten IS-Kämpfern geräumt werden. Auch der irakische Kommandeur Haidar Fadhil betonte, die Truppen müssten weiterhin untergetauchte IS-Mitglieder - sogenannte Schläfer - bekämpfen und Sprengfallen entschärfen.

Zudem sind die Zerstörungen in der Stadt immens. Den Vereinten Nationen zufolge können Tausende Einwohner deshalb auch nach Ende der Kämpfe vorerst nicht zurückkehren. Zivile Rettungsteams etwa meldeten, dass rund 65 Prozent der Gebäude in der Altstadt stark beschädigt oder zerstört worden seien, in anderen westlichen Teilen sei von noch mehr Zerstörung auszugehen. Laut dem Gouverneur von Mossul soll es 50 Milliarden Dollar (43,86 Milliarden Euro) kosten, jeglichen Sprengstoff in der Stadt zu entfernen und Mossul innerhalb von fünf Jahren wieder aufzubauen.

Irak: Warum den Bewohnern Mossuls kaum zum Feiern zumute ist

Irak

Warum den Bewohnern Mossuls kaum zum Feiern zumute ist

Die irakische Regierung erklärt die Eroberung von Mossul zum großen Festtag. Doch die Bewohner der Stadt haben weiterhin kaum eine Perspektive. Ein Großteil Mossuls ist so zerstört, dass eine Rückkehr unmöglich ist.

Als der IS in den Irak gekommen sei, sei es das Ziel der Terrormiliz gewesen, alles kaputt zu machen, sagte Polizist Hisham Hatem. „Dies war mal eine schöne Stadt, Touristen kamen hierher“, beklagte Hauptmann Marwan Hadi mit Blick auf die zerstörte Altstadt. Entlang der Frontlinien seien noch immer viele Familien verschüttet. „Ich habe zwei Kinder und ihre Mutter gerettet, aber eine Tochter konnten wir nicht erreichen.“

Mossul war 2014 innerhalb von wenigen Tagen unter IS-Kontrolle geraten. Damals fielen die Extremisten über einen Großteil des Nordwestens des Landes her und riefen anschließend ein Kalifat auf dem Gebiet aus, das von den Extremisten im Irak und in Syrien gehalten wurde.

Von

ap

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