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26.08.2015

03:52 Uhr

Kampf gegen IS-Terror

Türkei soll Koalition bei Lufteinsätzen unterstützen

Der Westen hat der Türkei lange vorgeworfen, sich nicht entschlossen genug am Kampf gegen die IS-Terrormiliz in Syrien zu beteiligen. Die USA drängt zur Beteiligung an Lufteinsätzen - jetzt will Ankara handeln.

Die USA fliegen seit Wochen Luftangriffe gegen die IS - bald soll sich die Türkei der Koalition anschließen. ap

Einsatz gegen IS

Die USA fliegen seit Wochen Luftangriffe gegen die IS - bald soll sich die Türkei der Koalition anschließen.

Washington, AnkaraDie Türkei reiht sich nach US-Angaben in Kürze in die Anti-IS-Koalition ein. Gespräche zwischen den USA und der Regierung in Ankara über die vollständige Einbindung des Landes in das Bündnis gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) seien abgeschlossen worden, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Peter Cook, am Dienstag. Dazu gehöre die Eingliederung des Landes in Lufteinsätze. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavusoglu sagte, „technische Verhandlungen“ über eine Beteiligung an der Koalition seien beendet. Allerdings nannte er keine Einzelheiten, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete.

Der IS beherrscht große Teile der türkischen Nachbarländer Irak und Syrien. Ankara hatte die Terrormiliz als Nachbar lange geduldet. Sowohl im In- als auch im Ausland war dem Land eine zu passive Haltung vorgeworfen worden. Erst nach Anschlägen und Gefechten mit IS-Kämpfern änderte die Türkei ihre Strategie.

Nach zähen Verhandlungen erlaubte Ankara US-Kampfflugzeugen, von türkischem Boden aus Einsätze gegen IS-Stellungen in Syrien und im Irak zu fliegen. Durch die Nutzung des Luftwaffenstützpunktes Incirlik verkürzen sich die Flugzeiten der US-Maschinen erheblich. Ende Juli beschossen türkische Kampfflugzeuge IS-Stellungen im Norden Syriens. In diesem Zusammenhang verschärfte Ankara auch den Kampf gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, die ihrerseits Sicherheitskräfte in der Türkei angriff.

Die Organisationen der Kurden

PKK, YPG und Peschmerga

Der gewaltsame Konflikt der türkischen Regierung mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK dauert schon mehr als 30 Jahre. Dabei kamen bislang rund 40 000 Menschen ums Leben. Von 1984 an kämpfte die PKK mit Waffengewalt und Anschlägen für einen kurdischen Staat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei.

PKK

Die Arbeiterpartei Kurdistans ist in der Türkei verboten und steht dort sowie in der EU und den USA auf der Terrorliste. Ihr Hauptquartier ist in den nordirakischen Kandil-Bergen. Von 1984 an kämpfte die PKK mit Waffengewalt und Anschlägen für einen kurdischen Staat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei. PKK-Chef Abdullah Öcalan sitzt seit 1999 in Haft.
Inzwischen ist die PKK nach eigenen Angaben von der Maximalforderung eines unabhängigen Staates abgerückt. Die islamisch-konservative AKP-Regierung und die PKK bemühen sich um einen Friedensprozess. Im März 2013 erklärte die PKK eine Waffenruhe, die seit den türkischen Angriffen auf PKK-Stellungen im Nordirak praktisch beendet ist.

YPG

Die kurdischen Volksschutzeinheiten sind eng mit der PKK verbunden. Sie kämpfen im Norden Syriens und haben sich zu einem erbitterten Gegner des IS entwickelt. Zugleich sind die Kurden in Syrien der wichtigste Partner der von den USA geführten Koalition gegen die Extremisten. Mittlerweile kontrolliert die YPG die größten Teile der Grenze zur Türkei. Dort haben die syrischen Kurden in drei Kantonen Selbstverwaltungen errichtet. Andere Kurden werfen ihnen vor, sie würden die Macht monopolisieren. 

Peschmerga

Bei den Peschmerga handelt es sich um die militärischen Einheiten der irakischen Kurden. Sie waren in der Geschichte vor allem bekannt als Widerstandskämpfer in den Bergen, verwandeln sich aber seit dem IS-Vormarsch mehr und mehr in eine Armee der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak.

Die Organisationen untereinander

Die Peschmerga erhalten Waffen aus Deutschland und anderen Ländern. Bundeswehr und weitere Armeen bilden sie zudem aus. Das Verhältnis der Peschmerga zur PKK und zur YPG ist traditionell angespannt. Trotzdem unterstützten nordirakische Kurden die YPG-Kämpfer im Kampf um die nordsyrische Grenzstadt Kobane.

US-Verteidigungsminister Ashton Carter hatte Ankara vor wenigen Tagen öffentlich aufgerufen, das Engagement im Kampf gegen den IS erheblich zu verstärken. Pentagon-Sprecher Cook sagte nun: „Wir glauben, dass die Türkei bereit ist, sobald wie möglich in vollem Umfang mitzumachen.“ Erste türkische Einsätze könnten in wenigen Tagen beginnen. „Die Tatsache, dass die Türkei nun Seite an Seite mit unseren Koalitions-Flugzeugen fliegen wird, ist ein entscheidender Schritt vorwärts.“ Doch der Dialog über einen möglichst effektiven Kampf gegen den IS müsse weitergehen, mahnte er. Es gebe weitere Möglichkeiten, die Zusammenarbeit zu verstärken. Dazu gehöre auch eine Kooperation mit moderaten syrischen Oppositionskräften.

Die USA kämpfen mit einer Reihe anderer Länder gegen den IS. Sie versuchen, dessen Ausbreitung in Syrien und im Irak zu stoppen. An der Allianz gegen den IS beteiligen sich etwa 40 Staaten, aber nicht jede Nation greift dabei militärisch ein.

Von

dpa

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