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04.09.2015

16:10 Uhr

Kampf gegen IS

Terroristen setzen angeblich Giftgas ein

Die Kämpfer des IS haben nicht nur chemische Kampfstoffe erbeutet. Sie verfügen auch über die Mittel, um Giftgas herzustellen. Laut einem Bericht sollen die Terroristen nun mehrfach von diesem Gebrauch gemacht haben.

Ein kurdischer Peschmerga-Kämpfer im Irak hält Wache auf einem Berg. Bei Kämpfen in dem Gebiet soll die Terrormiliz IS Chemiewaffen eingesetzt haben. AFP

Nordirak

Ein kurdischer Peschmerga-Kämpfer im Irak hält Wache auf einem Berg. Bei Kämpfen in dem Gebiet soll die Terrormiliz IS Chemiewaffen eingesetzt haben.

BerlinDie Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat einem Bericht der „Welt“ zufolge offenbar in den vergangenen Wochen in Syrien und im Nordirak mehrfach Giftgas eingesetzt. Ziel seien kurdische Sicherheitskräfte und syrische Zivilisten gewesen, berichtete die „Welt“ am Freitag vorab. Demnach gab es am 11. August im Orn Sultan Abdullah südwestlich von Erbil im Nordirak einen IS-Angriff mit Mörsergranaten auf Stellungen der kurdischen Peschmerga. Rund ein Dutzend Kämpfer habe anschließend an Verätzungen der Haut und Blasenbildung gelitten, was auf einen Einsatz von Chlor- oder Senfgas hindeute.

Die Bundeswehr, die in Erbil die Ausbildung der Peschmerga-Einheiten leitet, verfüge bislang nicht über eigene Erkenntnisse zu dem Angriff, berichtete das Blatt weiter. „Spezialisten der US-Streitkräfte sind vor Ort und prüfen“, teilte ein Bundeswehr-Sprecher demnach mit. Ein Ergebnis liege aber noch nicht vor. Bereits vor dem 11. August sei entschieden worden, Bundeswehr-Experten zur Prüfung der Gefährdungslage in die Region zu entsenden.

Glossar – der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

… gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

… von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit „Islamismus“ solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

… bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

… dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

… sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels – der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

… haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

… ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

… bedeutet wörtlich „Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz“ für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem „großen Dschihad“ als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen „inneren Schweinehundes“ und dem „kleinen Dschihad“, dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als „Gotteskrieger“ verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.

In Lageberichten der Bundeswehr wird nach Informationen der „Welt“ schon seit längerem vor Angriffen des IS mit chemischen Waffen gewarnt. Die Terroristen hätten nicht nur Giftgas erbeutet, sondern verfügten auch über „Produktionsstätten für chemische Waffeneinheiten“, heiße es in den Analysen unter Berufung auf Geheimdienstinformationen. Westliche Geheimdienste gehen nach Informationen der Zeitung bereits seit Monaten davon aus, dass die IS-Extremisten über chemische Kampfstoffe verfügen. Sie sollen zumindest teilweise aus Restbeständen der syrischen Regierung stammen.

Von

afp

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