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01.09.2015

13:45 Uhr

Kampf gegen IS

Terroristen zerstörten Baaltempel in Palmyra

Der IS hat die Regierungstruppen in Palmyra niedergekämpft und die Stadt eingenommen. Nun hat die Terrormiliz offenbar den weltberühmten Baaltempel gesprengt. Dem Unesco-Weltkulturerbe sollen weitere Altertümer folgen.

Der weltberühmte Baaltempel aus römischer Zeit bildete den größten Komplex in dem Unesco-Weltkulturerbe. ap

Historische Stätte in Palmyra

Der weltberühmte Baaltempel aus römischer Zeit bildete den größten Komplex in dem Unesco-Weltkulturerbe.

BeirutDie Zerstörung des Baaltempels durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im syrischen Palmyra ist nach Einschätzung der Vereinten Nationen aufgrund von Satellitenbildern bewiesen. Die Satelliten-Analyse von Unosat bestätige, dass das Hauptgebäude des Tempels zerstört sei, teilte die UN-Organisation in der Nacht zum Dienstag im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Dem britischen Sender BBC sagte der Manager von der UN-Agentur Unosat, Einar Bjorgo, am frühen Dienstagmorgen, die Bilder, die wir erworben haben, zeigen dass das Hauptgebäude des Tempels zerstört ist. Das gelte auch für die Säulenreihe in der Nähe.

Aktivisten hatten berichtet, die Extremisten hätten den rund 2000 Jahre alten Baaltempel gesprengt. Der IS kündigte an, weitere Tempel und andere einzigartige Altertümer in Schutt und Asche zu legen. Die Zerstörung gehe bis zum letzten Gebäude weiter, zitierte die syrische Oppositionsseite Masar Press einen Anhänger der Extremisten.

Glossar – der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

… gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

… von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit „Islamismus“ solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

… bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

… dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

… sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels – der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

… haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

… ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

… bedeutet wörtlich „Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz“ für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem „großen Dschihad“ als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen „inneren Schweinehundes“ und dem „kleinen Dschihad“, dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als „Gotteskrieger“ verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.

Der weltberühmte Baaltempel aus römischer Zeit bildet den größten Komplex in dem Unesco-Weltkulturerbe. Erst vor einer Woche hatten Aktivisten gemeldet, der IS habe in Palmyra den rund 2000 Jahre alten Tempel Baal Schamin gesprengt. Der IS hatte Palmyra Ende Mai eingenommen, nachdem zuvor Regierungstruppen niedergekämpft worden waren. Seitdem herrscht weltweit Sorge, dass die Extremisten die historischen Stätten als „Zeugnisse der Vielgötterei“ nach und nach zerstören – so wie sie es bereits im Nordirak mehrfach getan haben.

Von

dpa

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