Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.08.2014

05:02 Uhr

Kampf gegen IS

USA autorisieren Aufklärungsflüge über Syrien

US-Präsident Obama soll im Kampf gegen die Terrormiliz IS Überwachungsflüge über dem syrischen Luftraum autorisiert haben. Der Schritt könnte den Weg für Luftangriffe gegen die Extremisten in Syrien ebnen.

F-16 der US Air Force. Der Jagdbomber könnte nach den Aufklärungsflügen über Syrien eingesetzt werden. AFP

F-16 der US Air Force. Der Jagdbomber könnte nach den Aufklärungsflügen über Syrien eingesetzt werden.

WashingtonDas US-Verteidigungsministerium bereitet laut dem „Wall Street Journal“ zur Planung möglicher Luftschläge gegen die Terrormiliz IS Erkundungsflüge im syrischen Luftraum vor. Dabei würden auch Drohnen (unbemannte Fluggeräte) eingesetzt, berichtete das „Wall Street Journal“ am Montag unter Berufung auf hochrangige Regierungsbeamte. Ziel sei es, mehr Informationen über die IS-Extremisten zu sammeln. Die Erkundungsflüge könnten demnach schon bald beginnen. Nach US-Medienberichten hatte Präsident Barack Obama am Wochenende solche Flüge genehmigt. Eine Genehmigung von der syrischen Regierung solle nicht eingeholt werden.

Syriens Außenminister Walid al-Muallem warnte, dass jeder Bruch der Souveränität des Landes als Aggression angesehen werde. Er erklärte in Damaskus jedoch, seine Regierung sei im Kampf gegen den Terrorismus zur Zusammenarbeit auch mit westlichen Ländern wie den USA bereit, wenn die Weltgemeinschaft „die Führung und Unabhängigkeit“ Syriens respektiere.

Obama hat nach Angaben des Weißen Hauses noch keine Entscheidung über einen Militärschlag gegen die IS-Terrormiliz in Syrien getroffen. Der Präsident würde nicht zögern, militärische Gewalt einzusetzen, um Amerikaner zu beschützen, sagte sein Sprecher Josh Earnest am Montag in Washington. Es gebe aber keine Beweise, dass IS-Extremisten einen Plan für einen Terroranschlag auf amerikanischem Boden hätten.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Das Verteidigungsministerium bereite sich auf Möglichkeiten vor, weiter gegen die Terrorgruppe vorzugehen. Earnest schränkte jedoch ein: „Man sollte nicht unbedingt zu dem Schluss kommen, dass harte Militäraktionen in Syrien notwendig sind, um näher an das Ziel heranzukommen oder es zu erreichen.“ Man verfüge auch über andere Werkzeuge als militärische. Noch in der vergangenen Woche hatten US-Militärs Luftschläge gegen die Extremisten auch in Syrien nicht ausgeschlossen, so wie sie derzeit im Irak unternommen werden.

Die Entscheidung der Bundesregierung über Waffenlieferungen für den Kampf gegen die IS-Miliz im Irak könnte sich verzögern. Vielleicht falle sie erst nach der am kommenden Montag anstehenden Sondersitzung des Bundestags, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter am Montag in Berlin.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Thomas Melber

26.08.2014, 09:32 Uhr

Hat Syrien das auch genehmigt? Immerhin handelt es sich um einen souveränen und international anerkannten Staat. Übrigens, von den sog. "Parallelregierungen" hat man lange Zeit nichts mehr gehört.

Herr Illu Minator

26.08.2014, 11:56 Uhr

Welche Anmaßung des Imperiums. Der Imperatur genehmigt Aufklärungsflüge - in Vorbereitung für mögliche Luftangriffe - nicht etwa über den USA sondern über Syrien, um Amerikaner zu schützen! Und der syrische Präsident hat hier gar nichts zu melden!

Da wollen wir mal hoffen, daß die vom Imperator in Folge genehmigten Luftschläge gegen ISIS nicht ausversehen reguläre syrische Truppen treffen werden. Man erinnere sich noch, was in Libyen das Wort "Flugverbotszone" bedeutete.

Zur Erinnerung: ISIS ist eine CIA-Schattenarmee, ausgebildet von den USA in der Türkei, Jordanien, finanziert von Golfstaaten (die Saudis haben zudem Leute geliefert - u.a. ihre Gefängnisse gelehrt) und von den USA mit militärischem Gerät ausgestattet via "moderater" Islamisten. Und natürlich neuerdings mit dem modernen US-Gerät, das ihnen die Irakische Armee (wohl auf Druck und Bestechung der Freunde in Washington, Katar und Riad) in diesem seltsamen Mossulblitzkrieg freundlicherweise kampflos und gut geölt überlassen hat, zusammen mit künftiger Kriegsfinanzierung von 500 Mio (damit niemand fragt, wo sie das Geld zu ihrer Finanzierung herhaben).

Das US-Regime spielt - wie auch in der Ukraine - ein ganz zynischen und menschenverachtendes Spiel - ganz nach dem gleichen Skript wie bei der Al-CIAda, die allerdings mittlerweile marketingmäßig verbraucht war.

Herr Wolfgang Trantow

26.08.2014, 14:20 Uhr

Und was macht unsere neueste Luftwaffe, lt. Politiker?? Schaut sie weg wie unsere Marine, oder lässt sie sich auch bestechen, wie ich vermute???

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×