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05.11.2014

15:30 Uhr

Kampf gegen IS

Verteidiger von Kobane melden Erfolge

Peschmerga aus dem Nordirak unterstützen die Kurden in Kobane gegen die IS-Terrormiliz. Ihre schwere Waffen sind offensichtlich eine Hilfe. Auch das Pentagon sieht Fortschritte im Kampf gegen die Extremisten.

Rund 150 Kämpfer aus dem Nordirak kämpfen mit schweren Waffen in Kobane, um die Verteidiger gegen den IS zu unterstützen. dpa

Rund 150 Kämpfer aus dem Nordirak kämpfen mit schweren Waffen in Kobane, um die Verteidiger gegen den IS zu unterstützen.

Kobane Die Verteidiger von Kobane haben die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach eigenen Angaben in einigen Teilen der nordsyrischen Stadt zurückgeschlagen. Im Westen Kobanes hätten sie drei kleine Orte unter Kontrolle der Extremisten eingenommen, sagte Kurden-Sprecher Idriss Nassan am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, die Kurden seien im westlichen Teil der Stadt vorgerückt.

Laut dem Kurden-Sprecher half Artilleriefeuer der Peschmerga aus dem Nordirak dabei, Nachschubwege des IS zu unterbrechen. Ende vergangener Woche waren rund 150 Kämpfer aus dem Nordirak mit schweren Waffen in der Stadt eingetroffen, um die Verteidiger gegen den IS zu unterstützen. Auch die USA und ihre arabischen Verbündeten bombardieren immer wieder IS-Stellungen in Kobane.

Die IS-Extremisten versuchen seit Wochen, die vor allem von Kurden bewohnte Stadt an der türkischen Grenze einzunehmen. Sie kontrollieren das Umland von Kobane und belagern die Stadt von drei Seiten. Die Einnahme der Stadt wäre für den IS vor allem symbolisch ein großer Erfolg, das sie selbst internationale Unterstützung für die Kurden nicht hätte stoppen können.

Die syrischen Menschenrechtsbeobachter meldeten zudem Erfolge der Kurden rund 180 Kilometer östlich von Kobane. In der Nähe der Stadt Ras al-Ain an der Grenze zur Türkei hätten sie sechs Dörfer unter IS-Herrschaft eingenommen. Das Gebiet im Nordosten Syriens liegt wie Kobane in einer Enklave unter Kontrolle von Kurden.

Das US-Verteidigungsministerium sieht nach knapp drei Monaten Luftangriffen bedeutende Fortschritte im Kampf gegen die IS-Miliz. Die ständigen Bombardierungen hätten die Extremisten erheblich geschwächt. Zudem falle es dem IS zunehmend schwer, seinen Nachschub sicherzustellen, sagte Sprecher John Kirby am Dienstag. Dennoch liege noch ein weiter Weg vor den USA und ihren Verbündeten.

Einsatz schwerer Waffen geplant

Erste Peschmerga in Kobane eingetroffen

Einsatz schwerer Waffen geplant: Erste Peschmerga in Kobane eingetroffen

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Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, warnte zugleich, IS-Kämpfer marschierten auf Aleppo zu. Das sei die Gelegenheit, um Orte wie Aleppo zu retten, sagte er dem US-Sender CNN. Die Kämpfe zwischen syrischer Armee und Rebellen hier müssten eingestellt werden, um gegen den IS vorzugehen.

Teile Aleppos stehen unter Kontrolle gemäßigterer Regimegegner. Sie sind dort zuletzt unter starken Druck der Regierungstruppen geraten. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius hatte am Dienstag zur Unterstützung der syrischen Opposition in Aleppo aufgerufen.

Die kurdischen Kämpfer im Überblick

Peschmerga

Im Irak stellt sich vor allem die Peschmerga den Dschihadisten entgegen, um die kurdische Autonomieregion im Norden zu schützen. Der Name der Armee bedeutet in etwa „Jene, die dem Tod ins Auge sehen“. Die Streitkräfte gingen aus bewaffneten Einheiten insbesondere der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) und der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) im Nordirak hervor. Experten gehen von etwa 130.000 bis 200.000 Kämpfern aus. Viele unterstehen der kurdischen Regionalregierung.

YPG

In Nordsyrien kämpfen derzeit insbesondere die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) gegen die IS-Extremisten. Sie sind mit der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) verbunden und wollen ihre drei „autonomen Kantone“ schützen, die nach dem Rückzug der syrischen Regierungstruppen in den überwiegend von Kurden bewohnten Regionen errichtet wurden.

PKK

Volksschutzeinheiten und PYD stehen der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die in der Türkei verboten ist und auch in europäischen Ländern und den USA auf der Terrorliste steht. Experten gehen davon aus, dass PKK-Kämpfer die syrischen Kurden unterstützen.

Großbritannien schickt nach einem Zeitungsbericht Offiziere nach Bagdad, um irakische Soldaten zur Bekämpfung des IS auszubilden. Die Offiziere sollten gemeinsam mit US-Soldaten die irakischen Streitkräfte beraten und trainieren, berichtete die „Times“ am Mittwoch. Auch in die kurdischen Gebiete im Norden des Landes könnten demnach Ausbilder geschickt werden.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Manfred Schreyer

05.11.2014, 16:12 Uhr

Es ist erschreckend, wie die öffentliche Meinung immer mehr dazu übergeht, den täglichen Kampf gegen die ISIS zu ignorieren. Immer weniger liest man davon in der Presse. Es tritt eine Gewöhnung ein ähnlich wie dass bei anderen Krisen (Somalia, Ebola, usw.) auch zu bemerken ist. Es ist noch lange nicht vorbei und die Menschen, die täglich ihr Leben risikieren um Freiheit zu verteidigen, haben es verdient, täglich erwähnt zu werden.

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