Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.10.2014

14:40 Uhr

Kampf gegen IS

„Wenn Kobane fällt, ist das eine Katastrophe“

VonGerd Höhler

Für die Kurden ist die Verteidigung der Stadt Kobane eine Frage der Ehre und ein Symbol der Selbstbehauptung. Der Kurden-Konflikt könnte eskalieren, warnt der türkische Bürgerrechtler und Ex-Terrorist Ertugrul Kürkcü.

Bombeneinschlag in Kobane: „Wenn Erdogan es zulässt, dass die Stadt an die Dschihadisten IS fällt, könnten wir das nie verzeihen“. dpa

Bombeneinschlag in Kobane: „Wenn Erdogan es zulässt, dass die Stadt an die Dschihadisten IS fällt, könnten wir das nie verzeihen“.

DiyarbakirNoch vor wenigen Monaten schien eine friedliche Lösung der Kurdenfrage in der Türkei in greifbarer Nähe. Aber jetzt droht der Konflikt wieder zu eskalieren – wegen des Kampfs um die syrische Kurdenstadt Kobane.

Feldwebel Necdet Aydogdu hatte dienstfrei am vergangenen Mittwoch, dem türkischen Nationalfeiertag. Mit seiner Frau schlenderte der 24-jährige Soldat über einen Basar in Diyarbakir. Aydogdu trug zivil. Aber er muss dennoch erkannt worden sein. Mitten im Menschengewühl näherten sich von hinten zwei maskierte Männer und schossen ihm aus nächster Nähe in den Kopf. Aydogdu starb wenig später im Dicle-Krankenhaus.

Erst vier Tage zuvor waren in der Stadt Yüksekova, wie Diyarbakir fast ausschließlich von Kurden bewohnt, drei Soldaten der türkischen Armee auf ganz ähnliche Weise ermordet worden: Drei maskierte Täter lauerten den Offizieren auf, die während eines Wochenendurlaubs in zivil durch die Stadt spazierten, und streckten sie auf offener Straße durch Kopfschüsse nieder. Die Täter konnten, wie in Diyarbakir, unerkannt entkommen.

Die kurdischen Kämpfer im Überblick

Peschmerga

Im Irak stellt sich vor allem die Peschmerga den Dschihadisten entgegen, um die kurdische Autonomieregion im Norden zu schützen. Der Name der Armee bedeutet in etwa „Jene, die dem Tod ins Auge sehen“. Die Streitkräfte gingen aus bewaffneten Einheiten insbesondere der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) und der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) im Nordirak hervor. Experten gehen von etwa 130.000 bis 200.000 Kämpfern aus. Viele unterstehen der kurdischen Regionalregierung.

YPG

In Nordsyrien kämpfen derzeit insbesondere die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) gegen die IS-Extremisten. Sie sind mit der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) verbunden und wollen ihre drei „autonomen Kantone“ schützen, die nach dem Rückzug der syrischen Regierungstruppen in den überwiegend von Kurden bewohnten Regionen errichtet wurden.

PKK

Volksschutzeinheiten und PYD stehen der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die in der Türkei verboten ist und auch in europäischen Ländern und den USA auf der Terrorliste steht. Experten gehen davon aus, dass PKK-Kämpfer die syrischen Kurden unterstützen.

Die Polizei vermutet die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK hinter den Morden. Es handelt sich wohl um eine Vergeltung für den Tod von drei PKK-Rebellen, die am 23. Oktober in der Kurdenprovinz Kars von Sicherheitskräften erschossen wurden, als sie einen Anschlag auf ein Kraftwerk verüben wollten.

Die Morde von Diyarbakir und Kars sind möglicherweise erst der Anfang. Manche sehen in den Attentaten Vorboten neuen Blutvergießens.

What's right?: Gebt den Kurden ihren Staat

What's right?

Gebt den Kurden ihren Staat

Die Welt sollte den Kurden endlich einen unabhängigen Staat ermöglichen. Der ist moralisch und historisch längst überfällig. Gegen den Terror des IS und für die Stabilität im Nahen Osten wäre das ein kluges Projekt.

Ertugrul Kürkcü sorgt sich um den Frieden: „Wir bewegen uns einen Schritt nach vorn, dann zwei Schritte zurück – unter dem Strich geht es als rückwärts“, sagt der 66-Jährige. Kürkcü, Ko-Vorsitzender der pro-kurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP), spricht von den Bemühungen um eine friedliche Lösung der Kurdenfrage in der Türkei.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×