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12.01.2013

16:06 Uhr

Kampf gegen Rebellen

USA erwägen offenbar Hilfe für Mali

Ausnahmezustand in Mali: Regierungstruppen kämpfen mit Unterstützung französischer Soldaten gegen die islamistischen Rebellen im Norden des Landes. Auch die USA könnten bald in der Region aktiv werden.

Malische Soldaten bei einer Übung im November vergangenen Jahres. dapd

Malische Soldaten bei einer Übung im November vergangenen Jahres.

Paris/BamakoAngesichts der Lage in Mali hat der französische Präsident François Hollande für Samstagnachmittag den nationalen Verteidigungsrat einberufen. Hollande werde nicht wie geplant nach Marseille reisen, um am Auftakt zum Jahr als Europas Kulturhauptstadt 2013 teilzunehmen, teilte der Elysée-Palast mit. Thema im Rat dürfte auch die gescheiterte Befreiung einer französischen Geisel am Samstag in Somalia sein.

Frankreich unterstützt Mali aktiv mit Soldaten im Kampf gegen die vorrückenden islamistischen Rebellen. Der französische Staatspräsident François Hollande gab am Freitagabend in Paris bekannt, dass die ersten Truppen schon am Nachmittag in dem westafrikanischen Krisenland eintrafen. Die Operation werde so lang dauern wie notwendig, sagte Hollande. Der Einsatz sei am Morgen mit dem malischen Interimspräsidenten Dioncounda Traoré vereinbart worden. Traoré hatte zuvor in einem Brief an Hollande und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon um Hilfe gebeten.

Mali – Wie aus dem Musterland eine Krisenregion wurde

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Meuternde Soldaten stürzen Präsident Amadou Toumani Touré. Hintergrund sind Kämpfe zwischen Tuareg-Rebellen und Regierungstruppen im Norden des Landes.

6. April 2012

Wenige Tage später spitzt sich die Lage im Norden weiter zu. Nach einem militärischen Siegeszug erklären Tuareg-Rebellen das eroberte Gebiet für unabhängig. Der neue Staat soll Azawad heißen.

12. April 2012

Der bisherige Vorsitzende der Nationalversammlung, Dioncounda Traoré, wird als Interimspräsident vereidigt.

30. Juni 2012

Islamisten zerstören in Gao und Timbuktu jahrhundertealte Mausoleen, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Sie setzen ihr zerstörerisches Werk in den nächsten Tagen fort und lösen damit internationale Proteste aus.

15. Oktober 2012

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19. Oktober 2012

In Malis Hauptstadt Bamako diskutieren Experten, wie eine Spaltung des Landes zu verhindern wäre. Eine Militärintervention afrikanischer Staaten unter UN-Mandat wird immer wahrscheinlicher.

1. November 2012

Bei einem Besuch in Mali stellt Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) humanitäre und militärische Hilfe in Aussicht.

12. November 2012

Die westafrikanischen Staatschefs einigen sich in Nigeria auf die Entsendung von 3500 Soldaten, um den Norden gewaltsam zu befreien. Die Afrikanische Union gibt grünes Licht.

5. Dezember 2012

Die Tuareg strebten eine politische Lösung an, sagt ein Sprecher nach einem Treffen mit der Regierung Malis, an dem auch Vertreter der islamistischen Organisation Ansar Dine teilnahmen.

20. Dezember 2012

Der UN-Sicherheitsrat spricht sich einstimmig für die Entsendung von Friedenstruppen aus. Die unter afrikanischer Führung stehende Afisma-Mission solle die Regierung Malis „mit allen notwendigen Mitteln“ unterstützen, heißt es in der Resolution. Kurz darauf erklären sich Tuareg und Islamisten zum Dialog bereit. Zugleich werden in Timbuktu weitere Heiligtümer zerstört.

8. Januar 2013

Die Rebellen rücken immer weiter nach Süden vor. Einwohner berichten von Gefechten zwischen Islamisten und Armee.

10. Januar 2013

Angesichts der Offensive spricht sich der UN-Sicherheitsrat in einer Sondersitzung für eine schnelle Entsendung von internationalen Truppen aus.

11. Januar 2013

Soldaten aus Frankreich, Nigeria und dem Senegal seien in Mali eingetroffen, gibt die Regierung in Bamako bekannt. Präsident Traoré hatte in einem Brief an Frankreichs Präsidenten François Hollande und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon um Hilfe gebeten.

12. Januar 2013

Französische Kampfjets zwingen die Rebellen zum Rückzug aus der umkämpften Stadt Kona. Ein französischer Hubschrauberpilot kommt ums Leben. Quelle: dpa

Einem US-Regierungsvertreter zufolge erwägen inzwischen wohl auch die USA ein Eingreifen in dem westafrikanischen Land. Washington könnte logistische Hilfe liefern und Geheimdienstinformationen bereitstellen, hieß es. Zu den Optionen für ein US-Eingreifen in die Kämpfe in Mali zähle der Einsatz von Aufklärungsdrohnen; erwogen werde zudem, die französischen Truppen mit Geheimdienstinformationen und logistischem Beistand zu unterstützen, sagte der US-Regierungsvertreter. Zuvor hatte das Weiße Haus offiziell erklärt, die USA teilten das französische Ziel, „Terroristen einen sicheren Rückzugsort in der Region zu verwehren“.

Die USA könnten Malis Regierungstruppen mit Aufklärungsdrohnen unterstützen. dpa

Die USA könnten Malis Regierungstruppen mit Aufklärungsdrohnen unterstützen.

Bei den Kämpfen in Mali kam ein französischer Hubschrauberpilot ums Leben. Das teilte Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Samstag mit. Der Minister machte keine Angaben, ob der Helikopter bei dem Gefecht am Freitag abgeschossen worden sei. Das hatte zuvor unter anderem die „New York Times“ unter Berufung auf den US-Kommandeur für Afrika, General Carter F. Ham, berichtet.

Traoré verhängte am Freitagabend den Ausnahmezustand. In seiner Fernsehansprache forderte er von der Bevölkerung Geschlossenheit im Kampf um die Rückeroberung der von islamistischen Rebellen besetzten Landesteile. „Jeder Malier muss jetzt als Soldat der Heimat betrachtet werden und sich selbst als solchen sehen“, sagte Traoré. Zugleich wies der Staatschef Bergbauunternehmen und Nicht-Regierungsorganisationen in Mali an, ihre Lkw und Geländewagen dem Militär zur Verfügung zu stellen.

Frankreich greift in Mali Konflikt ein

Video: Frankreich greift in Mali Konflikt ein

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Kommentare (13)

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Vicario

12.01.2013, 11:50 Uhr

Und nach dem Friedens-Nobelpreis für die EU hat er ja auch einen Freibrief für Kriegeführen erhalten.....! Unfassbar !

B.Giertz

12.01.2013, 14:24 Uhr

Was soll denn der Unsinn ?

Wer die Angreifer sind, die entgegen dem Willen der Bevölkerung z.B. schon massenweise wertvolle Kulturgüter zerstört haben ist doch wohl klar oder !

Account gelöscht!

12.01.2013, 15:14 Uhr

Warum interessiert niemanden die Frage, wer hinter den "Islamisten" steckt, wer sie aufrüstet und unterhält? Hat das vielleicht mit Gaddafis Sturz zu tun? Wäre doch eigentlich erst einmal sehr wichtig zu wissen. Ich finde in keinem Artikel der Verlagspresse auch nur einen brauchbaren Hinweis. Sehr seltsam!

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