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02.06.2011

15:42 Uhr

Kampf gegen Schuldenkrise

Trichet fordert ein europäisches Finanzministerium

Karlspreisträger Jean-Claude Trichet will eine Notbremse für unverbesserliche Schuldensünder in Europa. Der Präsident der Europäischen Zentralbank plädiert dafür, eine direkte Einflussmöglichkeit auf die Volkswirtschaft zu schaffen.

AachenFalls die Länder die mit finanziellen Hilfen verbundenen Auflagen nicht erfüllten, solle Europa die Möglichkeit zum Einschreiten bekommen, sagte der Preisträger beim Festakt der Verleihung in Aachen. Mit dieser Idee wolle er die Balance herstellen zwischen der Unabhängigkeit der Länder und der Abhängigkeit ihres Handelns. "Das bisher Erreichte in der Wirtschafts- und Währungsunion wurde durch die starken Institutionen der Währungsunion ermöglicht", sagte Trichet. Um allerdings die anstehenden Herausforderungen bewältigen zu können, müssten diese Institutionen mit weiteren Handlungsmöglichkeiten ausgestattet werden. Der EZB-Präsident erhielt den Karlspreis als Hüter des stabilen Euro und für seine Verdienste um Währungsunion und europäische Wettbewerbsfähigkeit, auch in schwierigen Zeiten, hieß es in der Begründung.

Der EZB-Präsident wiederholte seine Forderung nach einem verschärften Umgang mit hoch verschuldeten Euro-Ländern. In einem ersten Schritt sollten sie finanziell unterstützt werden, damit sie selbst Korrekturen vornehmen könnten, argumentierte Trichet. So könne ein Übergreifen von Krisen auf andere Länder vermieden werden.

Alle Informationen rund um den Karlspreis

Was ist der Karlspreis?

Der Internationale Karlspreis zu Aachen wird seit 1950 für besondere Verdienste um die europäische Einigung am Feiertag Christi Himmelfahrt verliehen.

Nach wem ist der Karlspreis benannt?

Die Auszeichnung ist nach Karl dem Großen (747-814) benannt, der in Frankenreich die Völker vom Ebro bis zur Elbe vereinigt hatte. Seine Pfalzkapelle, der älteste Teil des Aachener Doms, wird als Wiege Europas verstanden.

Was beinhaltet der Karlspreis?

Der Karlspreis besteht aus einer Urkunde und einer Medaille, deren Vorderseite das Bildnis Karls des Großen auf seinem Thron und das Stadtsiegel Aachens im 12. Jahrhundert zeigt. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

Wer verleiht den Karlspreis?

Das Direktorium der Karlspreisgesellschaft trifft die Auswahl der Preisträger. In der Jury sitzen unter anderem der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU), Dompropst Helmut Poqué und RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg.

Wer waren die bisherigen Preisträger?

Erster Preisträger war 1950 der Begründer der Paneuropa-Idee, Richard Graf Coudenhove-Kalergi. Weitere bekannte Ausgezeichnete sind Konrad Adenauer (1954), Winston Churchill (1956), Henry Kissinger (1987), Bill Clinton (2000) und Angela Merkel (2008). Die Bundeskanzlerin war die vierte Frau, die den renommierten Preis erhielt.

Wer wurde im vergangenen Jahr ausgezeichnet?

Preisträger 2010 war Donald Tusk. Der polnische Regierungschef wurde unter anderem für den besonderen Einsatz um die Ratifizierung des Lissaboner Vertrags durch die Republik Polen geehrt.

Falls diese Maßnahmen erfolglos blieben und ein Land nicht den geforderten Sparschritten nachkomme, regte Trichet einen direkten Einfluss der Euro-Institutionen auf die Wirtschaftspolitik des betroffenen Landes an. Wenn ein in der Krise steckendes Land durch sein Handeln anderen Mitgliedern schade, könne Europa in außergewöhnlichen Situationen auf die betroffene Volkswirtschaft durchgreifen, schlug Trichet vor. Dann könnte beispielsweise der Europäische Rat - nach einem Vorschlag der EU-Kommission in Zusammenarbeit mit der EZB - verpflichtende Wirtschaftsentscheidungen für das Land treffen. Dabei könnte es um die Ausgabenpolitik oder die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit gehen. "Mit einer solchen zweiten Stufe würden wir das derzeitige System aus Überwachung, Empfehlungen und Sanktionen grundlegend ändern", sagte Trichet.

Kommentare (43)

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Andre

02.06.2011, 13:43 Uhr

Merkel zieht uns immer tiefer in den Schuldensumpf. Gleichzeitig wird Europa entdemokratisiert. Die Staaten verlieren ihre Souveränität.

Ich sehe uns Deutsche in wenigen Jahren wie heute Griechen und Spanier in anhaltenden Demonstationen auf der Straße. Merkel verkauft uns aus - wie es auch SPD und Grünne tun würden. Keine Hoffnung auf Besserung.

realist

02.06.2011, 13:47 Uhr

jetzt drehen sie völlig durch.. sofort RAUS aus dem Euro und der gesamten EU!!

Zahlmeister

02.06.2011, 13:49 Uhr

Willkommen in Absurdistan! Das sind Gedanken, aus denen Bürgerkriege in Europa entstehen werden.

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