Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.03.2012

14:52 Uhr

Kampf gegen Steuerhinterzieher

Mario Montis Miracolo

VonKatharina Kort

Die Regierung von Mario Monti versucht, mit Kampagnen ein Umdenken in der Bevölkerung auszulösen. Auch für den Cappuccino gibt es jetzt plötzlich einen Kassenbon. Ein Erfahrungsbericht aus Mailand.

In Italien ab sofort auch mit Kassenbon. Reuters

In Italien ab sofort auch mit Kassenbon.

MailandEs ist ein historischer Moment: Ich stehe am Tresen des Haushaltswarenladens bei mir um die Ecke und der Familienpatriarch an der Kasse rückt mit einem kleinen weißen Zettelchen heraus, auf dem der Name des Ladens, die Steuernummer und der Betrag steht, den ich soeben dort gelassen habe: 4,90 Euro. Ein echter Kassenbon.

Aus deutscher Sicht mag das normal erscheinen, aber in Italien ist das ein kleines Wunder. In dem Haushaltswarenladen habe ich es in den sieben Jahren, die ich hier wohne, noch nie erlebt, dass der Mann an der Kasse einen Bon ausdruckt. Ich habe mich schon gefragt, ob das Geschäft bei der Steuerbehörde überhaupt gemeldet ist.

Auch in der Bar in meiner Straße bekomme ich neuerdings einen Kassenbon zum Cappuccino, und sogar auf dem Markt passiert es, dass ich das kleine weiße Zettelchen unter den Zucchini in der Tüte finde.

Was passiert in Italien? Ich erkenne meine Wahlheimat kaum wieder. Die Schattenwirtschaft wird hier je nach Studie auf ein Fünftel bis hin zu einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts beziffert. Die Regierung schätzt die entgangenen Steuern auf mehr als 100 Milliarden Euro. Schafft Mario Monti das Unmögliche, das Miracolo, und macht aus den Italienern ehrliche Steuerzahler?

Handelsblatt-Korrespondentin in Italien. Sakis Lalas für Handelsblatt

Handelsblatt-Korrespondentin in Italien.

Bekämpfung der Steuerhinterziehung, Liberalisierungen in Berufsgruppen wie Apotheker, Notare und Taxifahrer, verbraucherfreundlichere Praktiken für Banken und Versicherungen, Infrastrukturprojekte: Monti packt in wenigen Monaten so viel an, wie es sich der „Macher“ Silvio Berlusconi in zehn Jahren nicht getraut hatte. Ein Land löst sich aus seiner Erstarrung.

Vielleicht zeigen auch bald die Werbespots Wirkung, mit denen die Regierung Steuerhinterzieher im Fernsehen brandmarkt. Nach einer Dia-Show verschiedener Schmarotzer – vom Parasiten der Wiederkäuer (Dicrocoelium dendriticum) über den Fisch-Parasiten (Argulus Foliaceus) bis zum Magen-Parasiten (Giadia lamblia) - wird dort zum Schluss der Parasit der Gesellschaft (Steuerhinterzieher) vorgestellt. Es folgt die Mahnung: „Wer auf Kosten der anderen lebt, schadet allen. Die Steuerhinterziehung zu bekämpfen ist Dein Interesse. Frage immer nach Kassenbon oder Quittung!“

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.03.2012, 15:57 Uhr

Hat der nicht vielleicht noch einen Bruder der griechisch spricht?

Account gelöscht!

13.03.2012, 16:24 Uhr

Wer diesen Blödsinn glaubt soll seelig werden. Was in Italien Mentalität, Kultur und fast schon Tradition ist, kann man nicht einfach abschalten. Wer das behauptet ist doch sehr naiv. Italien wird weitermachen wie bisher, das ist Fakt.

ChriBe

13.03.2012, 16:28 Uhr

Also ich habe 2009 4 Monate in MI gelebt und habe keinen einzigen Cafè ohne Bon erhalten, teilweise wurde ich sogar ermahnt, wenn ich ihn habe liegenlassen. Die Story erscheint mir daher nicht repräsentativ, auch wenn es sicher noch den ein oder anderen "Tante Emma"-Laden in Milano gibt, der so praktiziert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×