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29.10.2014

17:06 Uhr

Kampf gegen Steuerhinterziehung

„Das Bankgeheimnis hat ausgedient“

Wolfgang Schäuble findet im Kampf gegen Steuerhinterziehung klare Worte: „Das Bankgeheimnis in seiner alten Form hat ausgedient.“ Auf der Welt wird es zukünftig immer weniger Verstecke für Schwarzgeld geben.

Steuer-Konferenz in Berlin

Länder unterzeichnen Steuerbetrüger-Abkommen

Steuer-Konferenz in Berlin: Länder unterzeichnen Steuerbetrüger-Abkommen

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BerlinDas Bankgeheimnis wird weltweit zum Auslaufmodell. Gut 50 Länder wollen ab 2017 detaillierte Kontendaten von Ausländern automatisch austauschen und damit dem Steuerbetrug einen Riegel vorschieben. Ihre Vertreter unterzeichneten am Mittwoch bei einer internationalen Steuerkonferenz in Berlin eine entsprechende Vereinbarung.

Unterstützung und die Bereitschaft, sich zu einem späteren Zeitpunkt anzuschließen, haben mehr als ein Dutzend weiterer Staaten signalisiert - darunter die Schweiz. Basis für den automatischen Informationsaustausch über Konten und darauf verbuchte Zinsen, Dividenden und andere Einkünfte ist ein Standard, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erarbeitet hat.

Das sollten Rentner über ihre Einnahmen wissen

Minijob

Viele Ruheständler verdienen sich im Minijob etwas hinzu. Diese „geringfügige Beschäftigung“ bleibt für Arbeitnehmer steuerfrei. Die Höchstverdienstgrenze wurde 2013 von 400 auf 450 Euro im Monat angehoben.

Ehrenamt

Viele engagieren sich in Vereinen oder in Einrichtungen, die gemeinnützigen, mildtätigen, kirchlichen Zwecken dienen. Wird ihnen eine Aufwandsentschädigung gezahlt, kann sie ab 2013 bis zu einer Höhe von 2400 Euro steuerfrei bleiben („Übungsleiter-Freibetrag“).

Werkspension

Arbeitnehmer, die in Rente gehen, bekommen neben ihrer gesetzlichen Rente oftmals auch eine von ihrem ehemaligen Arbeitgeber finanzierte Werkspension. Sie wird wie Arbeitslohn behandelt. Der Arbeitgeber zieht die Lohnsteuer und die gesetzlichen Versicherungsbeiträge ab und stellt eine Lohnsteuerbescheinigung aus.

Beamtenpension

Die meisten ehemaligen Beamten mussten wegen ihrer Pensionen bisher schon Steuererklärungen abgeben. Steuerlich werden Beamtenpensionen behandelt wie Werkspensionen.

Mehrere gesetzliche Renten

Bekommt jemand mehrere Renten, wird in steuerlicher Hinsicht jede einzeln bewertet. Das gilt zum Beispiel für das Zusammentreffen der eigenen Rente einer Frau mit einer Witwenrente oder das Zusammentreffen einer Altersrente mit einer Erwerbsminderungsrente bei einem Rentnerehepaar.

Privatrente

Bezüge aus einer privaten Versicherung sind steuerpflichtig. Sie werden vom Fiskus aber „milder“ behandelt als die gesetzliche Rente, weil die früher gezahlten Rentenbeiträge meist aus bereits versteuertem Einkommen bezahlt wurden.

Zinsen

Mit Zinsen, Dividenden und anderen Kapitalerträgen bessert mancher Ruheständler seine Versorgungsbezüge auf. An Zinsen und Co. möchte auch der Fiskus teilhaben, wenn sie den Sparerpauschbetrag übersteigen.

Miete und Pacht

Wer mit vermieteten Immobilien vorgesorgt hat, kassiert neben der Rente noch Miete. Steuerpflichtig ist aber nicht die gesamte Miete, sondern der Überschuss der Mieteinnahmen über die Werbungskosten.

Quelle

„Steuererklärung 2013/2014 Rentner, Pensionäre“, Stiftung Warentest, ISBN: 978-3-86851-349-3, 14,90 Euro.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sprach von einem „wichtigen Schritt“ für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Steuerfragen. Er lud andere Länder ein, der Vereinbarung beizutreten. Zu den Folgen erklärte er zuvor in der „Bild“: „Steuerhinterziehung wird viel schwieriger.“ Und er fügte hinzu: „Das Bankgeheimnis in seiner alten Form hat ausgedient.“ Mit dem Informationsaustausch verliere es künftig auch an Sinn, Steuer-CDs mit Kontendaten von deutschen Bürgern aus anderen Ländern zu kaufen.

Unterdessen begann eine Debatte innerhalb des deutschen Regierungslagers, ob der neue Informationsaustausch nicht auch Folgen für die Besteuerung von Kapitalerträgen in Deutschland haben sollte. SPD-Politiker forderten, die Abgeltungssteuer, mit der Zinsen, Dividenden und ähnliche Einkünfte pauschal mit 25 Prozent belegt werden, zu ändern. Es sollte sichergestellt werden, dass auf solche Einkünfte wieder der persönliche Steuersatz erhoben wird.

Mit der Vereinbarung zum automatischen Informationsaustausch verlieren Steuerbetrüger in aller Welt Fluchtburgen für Geld, das sie vor ihrem heimischen Fiskus verstecken wollen. Zu den Erstunterzeichnern der Vereinbarung, mit der diese sich zur Umsetzung der neuen Regeln in nationales Recht verpflichten, zählen neben Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien auch vermeintliche Steueroasen wie Liechtenstein, Bermuda und die Cayman-Inseln.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

29.10.2014, 17:23 Uhr

Erstens gibt es immer ein paar Staaten, die dem Wettbewerb in Sachen Abgaben zugeneigt sein werden.

Zweitens fließt der Frust über zu hohe Abgaben und deren Mißverwendung durch inkompetente Politiker sodann eben in eine innere Emigration, deren Folgen für die Gesellschaft um Vieles dramatischer sein werden, als die paar abgezweigten Milliarden der immerhin noch produktiv tätigen Arbeitgeber.

Herr Peter Spiegel

29.10.2014, 18:28 Uhr

3tens gab es in Deutschland nie ein Bankgeheimnis
und 4tens, wer sein Geld noch zur Bank bringt ist..

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