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03.05.2011

12:24 Uhr

Kampf gegen Terror

Barack Obama - der einsame Sieger

VonGabor Steingart

Amerika kämpft erfolgreich gegen den Terror, Deutschland diskutiert den Rückzug aus Afghanistan und die Anti-Terror-Gesetze. Der Tag der Freude ist deshalb auch ein Tag der Scham.

US-Präsident Barack Obama nach seinem TV-Statement im Weißen Haus. Quelle: dpa

US-Präsident Barack Obama nach seinem TV-Statement im Weißen Haus.

Darf man sich über den Mord an einem Menschen freuen? Die kurze Antwort lautet: Nein. Die etwas längere Antwort: In diesem Fall ja, denn mit dem gewaltsamen Ableben von Osama Bin Laden verbindet sich die Hoffnung, der eine Tod möge viele andere Tode verhindern. Was der liebe Gott zu dem Argument sagen würde, wissen wir nicht. Aber zumindest die katholische Kirche taucht den Tyrannenmord in ein mildes Licht.

Politisch und militärisch wurde das Durchhalten der USA im Anti-Terror-Kampf jetzt belohnt. Die Weltmacht hat in Pakistan Führung gezeigt, als alle anderen Alliierten sich in die Büsche schlugen. Nicht in die kratzigen Büsche des pakistanischen Hochlandes, wohlgemerkt, denn dort sind die europäischen Verbündeten nie angekommen. Ihre Büsche waren die Rhododendren vor Kanzleramt, Downing Street No. 10 und Élysée-Palast. Den neuen Frontabschnitt im Krieg gegen den Terror – nach Afghanistan zogen Armee und CIA auch in Pakistan ein – mussten die USA schon ohne ihre Nato-Verbündeten eröffnen. „This is the war we have to win“, rief Obama bereits, als er sich um den Einzug ins Weiße Haus bewarb. Aber so euphorisch Europa ihm auch huldigte, diese Botschaft wurde überhört. Einige taten sogar überrascht, als die USA tatsächlich mit unbemannten Drohnen und einer hohen Zahl von Spezialeinsatzkräften im pakistanischen Bergland ihre Operation begannen.

US-Version: The Lonesome Winner

US-Version

The Lonesome Winner

America is successfully fighting against terror, while Europe discusses a withdrawal from Afghanistan and Germany considers limiting their anti-terror laws. The day of joy was also a day of shame. By Gabor Steingart

Die USA haben dort allein gekämpft, weshalb sie auch den Lorbeer für das Aufspüren und Ausschalten Bin Ladens nicht teilen müssen: Glückwunsch, Amerika! Dein Weltmachtgen ist intakt. Mag der Dollar schwach und die amerikanische Haushaltslage angespannt sein, das Militär ist auf Zack. Deutschland produziert die besten Autos, China die billigsten Weihnachtsmänner, Amerika aber ist der Exportweltmeister in Sachen Sicherheit. Dieses Produkt ist zwar verdammt teuer, es ist nicht immer schön anzusehen, aber es funktioniert so zuverlässig wie Ebbe und Flut.

Der amerikanische Erfolg muss uns Europäer freuen – und zugleich beschämen. Ein Kontinent, der nach Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft den USA ebenbürtig ist, besitzt erkennbar nicht den Willen, sich selbst, seine Werte und seinen Wohlstand zu verteidigen. Die Mehrzahl der Europäer, da sind die Deutschen nicht allein, weigert sich, die zentrale Erkenntnis dieses nun zehn Jahre währenden Kampfes gegen den internationalen Terrorismus anzunehmen: Dieser Krieg ist kein Krieg, wie wir ihn aus unseren Geschichtsbüchern kennen. Es gab keine Kriegserklärung, und es wird niemals eine Kapitulationsurkunde geben. Der Gegner trägt weder Helm noch Kampfanzug, er weiß nicht mal, wie man einen Panzer unfallfrei durchs Gelände bewegt. Er schnallt sich morgens einen Bombengürtel um und besucht den nächstgelegenen Marktplatz. Er lernt im Internet, wie man eine Bombe bastelt, und versucht, morgendliche Pendlerzüge in die Luft zu jagen. Dieser Krieg kann nicht gewonnen und darf dennoch nicht verloren werden. Das Ticken ist die Bombe, das Harmlose ist das Verdächtige. Unser Nichtverstehen ist der beste Komplize der Terroristen.

Kommentare (28)

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Simon

03.05.2011, 13:55 Uhr

Nun schäme ich mich für Sie, Herr Steingart.

Würde ich das HB noch ernst nehmen, wäre ich jetzt tief verärgert, aber double-speak und heuchelei, sowie Verrat an den wirtschaftlichen und politischen Interessen Deutschlands, das bin ich schon eine Weile gewohnt, auch aus Ihrem Hause.

Ich schaue nur noch hier vorbei, wenn mich die Meinung deutscher Journalisten interessiert, und das kommt selten vor....Denn Informationen (statt brainwash und Agitation) bekomme ich woanders, ohne dass sich jemand zum Oberlehrer aufspielt, der nicht mal über den Tellerrand gucken kann.....

Deutsche Presse, macht nur weiter so - interessiert eh kaum mehr einen, was Ihr da schreibt!

Und eure Agenda wird euch noch um die Ohren fliegen..

Pisco_Sour

03.05.2011, 14:00 Uhr

würden sich alle Truppen aus den betroffenen arabischen Ländern zurückziehen, so gäbe es vielleicht mehr Frieden in unserer Welt. Man sollte sich fragen wer letztlich der Aggressors ist.

Spruance

03.05.2011, 14:10 Uhr

Sehr richtig, Herr Steingart! Und dazu kommt noch, daß wird bald keine funktionierende Armee mehr haben werden. nach der Xten Kürzung bleibt nur noch ein kampfunfähiger Rest, der dann die Wünsche der Pazifisten nach Sicheerheit gefälligst zu bedienen hat. Die alte Frage: Was passiert, wenn die Jungs mit den Kalaschnikows merken, daß wir nur ein Scheckbuch haben?
Im Gegensatz zu einiogen Kommentatoren glaube ich nicht, daß die Terroristen gaanz friedlich sind, wenn wir sie nur machen lassen - die sind halt noch nicht ganz debil.

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