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02.04.2015

19:40 Uhr

Kampf um Aden

Uniformierte gehen im Hafen an Land

In der jemenitischen Hafenstadt hat ein chinesisches Kriegsschiff für Verwirrung gesorgt: Die Uniformierten sollten Hilfsgüter bringen oder Zivilisten abholen. Al-Quaida schlug im Südosten zu.

Ein ausgebrannter Panzer in der Hafenstadt Aden. Die Stadt wird von Regierungstruppen erbittert verteidigt, Huthi-Rebellen rücken aber weiter vor. Nun sind im Hafen Soldaten unbekannter Nationalität an Land gegangen. Reuters

Krieg im Jemen

Ein ausgebrannter Panzer in der Hafenstadt Aden. Die Stadt wird von Regierungstruppen erbittert verteidigt, Huthi-Rebellen rücken aber weiter vor. Nun sind im Hafen Soldaten unbekannter Nationalität an Land gegangen.

Aden/Al-MukallaDie im Jemen vorrückenden schiitischen Huthi-Rebellen haben am Donnerstag das Zentrum der Hafenstadt Aden unter ihre Kontrolle gebracht. Wenige Stunden später wurden im Hafen mehrere Dutzend bewaffnete Uniformierte unbekannter Nationalität von einem Schiff an Land gebracht. Eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz, die mit Luftangriffen den Vormarsch der Huthi-Rebellen zu stoppen versucht, kontrolliert nach eigener Darstellung die Gewässer rund um Aden. Ein Sprecher der Rumpfregierung des aus dem Land geflohenen Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi dementierte jedoch, dass Bodentruppen eingetroffen seien.

Ein hochrangiger Hafen-Mitarbeiter sagte, dass es sich um bewaffnete Sicherheitskräfte gehandelt habe, die von einem chinesischen Schiff kamen. Dieses sollte entweder Hilfsgüter bringen oder Zivilisten abholen. Der saudi-arabische Botschafter in den USA erklärte, das Königreich habe keine Bodentruppen nach Aden geschickt. Das Land halte einen solchen Schritt aber für möglich.

Aden gilt als letzte Bastion der Anhänger von Präsident Hadi. Im Stadtzentrum gab es nach Darstellung von Anwohnern schwere Gefechte zwischen Getreuen des Präsidenten und Huthi-Rebellen.

Krieg im Jemen: Eine Chronologie

Januar 2011

Im Land beginnen, inspiriert durch den Arabischen Frühling, Massenproteste gegen Langzeitherrscher Salih. Das Regime geht mit Gewalt gegen Demonstranten vor. (Quelle: dpa)

Januar 2012

Ex-Präsident Ali Abdullah Salih gibt seine Macht an seinen Vize Abed Rabbo Mansur Hadi ab. Nach offiziellen Angaben starben in dem ein Jahr andauernden Widerstand mehr als 2000 Demonstranten.

März 2013

Ein nationaler Dialog soll den Übergang zur Demokratie ermöglichen. Mehrere politische Gruppen, darunter auch die Huthis, arbeiten an einer neuen Verfassung. Als es zu Gefechten zwischen salafistischen Gruppen und Huthis im Norden des Landes kommt, distanziert sich der Stamm Anfang 2014 vom Ergebnis der Konferenz.

September 2014

30.000 Huthi-Anhänger belagern die Hauptstadt Sanaa und übernehmen wichtige Regierungsgebäude. Im Oktober erzwingen die Rebellen von Präsident Hadi eine Regierungsumbildung, im Osten und Süden des Landes rücken sie weiter vor.

Januar 2015

Die Huthi umstellen in Sanaa den Präsidentenpalast mit Panzern. Hadi und mehrere Regierungsmitglieder werden unter Hausarrest gestellt, der Präsident bietet seinen Rücktritt an.

Februar 2015

Hadi flieht ins südjemenitische Aden und ernennt seinen Fluchtort zur neuen Hauptstadt. Die Rebellen beginnen mit ihrem Marsch gen Aden.

März 2015

Mit Hilfe von Getreuen des Ex-Präsidenten Salih erobernd die Huthis die letzten Militärbasen vor Aden. Hadi bittet seine arabischen Nachbarn um eine Intervention, er selbst taucht unter.

Unterstützt von Panzern und gepanzerten Fahrzeugen seien Hunderte Rebellen und mit ihnen verbündete Kämpfer in den Stadtteil Crater vorgerückt, berichteten Einwohner. Am Mittag hätten sie den Bezirk, in dem die Zweigstelle der Zentralbank und Gewerbeunternehmen angesiedelt sind, unter ihre Kontrolle gebracht. In den nach schweren Kämpfen am Morgen verwaisten Straßen seien Panzer und Fußstreifen unterwegs.

Die Huthi-Miliz ist mit Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh verbündet, der auch Teile der Armee auf seiner Seite hat. Seit einer Woche fliegt eine vom sunnitischen Saudi-Arabien geführte Militärallianz Luftangriffe gegen die Rebellen, um deren Vormarsch zu stoppen. Saudi-Arabien will damit eine Ausweitung des Einflussbereichs seines Erzrivalen Iran verhindern. Das schiitische Land gilt als Unterstützer der Huthi-Rebellen.

In der saudi-arabischen Grenzregion Asir wurde ein Grenzschützer nach Angaben des Innenministeriums getötet, als sein Grenzposten aus einer Bergregion im Jemen unter Beschuss geriet. Zehn weitere seien verletzt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SPA weiter. Der Grenzschützer ist – soweit bekannt – der erste Tote aufseiten Saudi-Arabiens seit Beginn der Luftangriffe der Militärallianz auf die Rebellen.

Im Jemen kommt es überall zu Kämpfen. Die meisten großen Städte sind unter Kontrolle der Rebellen, auch die Hauptstadt Sanaa. Im etwa 500 Kilometer von Aden entfernten Mukalla am Arabischen Meer stürmten mutmaßliche Kämpfer des Extremisten-Netzwerks Al-Quaida das Zentralgefängnis und befreiten nach Angaben aus Polizei- und Verwaltungskreisen etwa 150 Insassen. Darunter seien auch Al-Quaida-Angehörige. Einer von ihnen sei Chaled Batarfi, der eine Führungsperson des einflussreichen Al-Quaida-Flügels auf der arabischen Halbinsel sei.

Kampf gegen Huthi-Milizen

Tote bei Luftangriff nahe Flüchtlingslager im Jemen

Kampf gegen Huthi-Milizen: Tote bei Luftangriff nahe Flüchtlingslager im Jemen

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rtr

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