Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.12.2016

11:42 Uhr

Kampf um Aleppo

Die Schlacht ist vorbei, der Krieg geht weiter

VonPierre Heumann

Die syrische Armee jubelt: Die ehemalige Metropole Aleppo ist nahezu vollständig eingenommen. Das Assad-Regime verbucht einen wichtigen Sieg, ein Ende des Bürgerkriegs bedeutet das aber noch lange nicht. Eine Analyse.

Ein Sieg der syrischen Armee in Aleppo ist praktisch schon besiegelt. AFP; Files; Francois Guillot

Von Kämpfen zerstörtes Viertel

Ein Sieg der syrischen Armee in Aleppo ist praktisch schon besiegelt.

Tel AvivDie Rebellen sind geflohen, die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad feiern dagegen bis in die tiefe Nacht im Freudentaumel: Die Schlacht um Aleppo tritt in ihre letzte Phase. Das syrische Regime kontrolliere bereits 99 Prozent der ehemaligen Metropole, heißt es in Militärkreisen in Damaskus. Kugeln seien wie Regentropfen vom Himmel gefallen, nachdem Soldaten Freudenschüsse in den Himmel abgaben, berichtete am Dienstag ein Reuters-Reporter aus dem Westteil der Stadt.

Nachdem die von Rebellen gehaltenen Gebiete nach Regierungs- und Oppositionsangaben durch die Offensive von Sonntag und Montag um die Hälfte geschrumpft war, ließen die Bombardierungen auf Stützpunkte der Regime-Gegner durch syrische und russische Streitkräfte nach. Der Artilleriebeschuss und die Luftangriffe auf Rebellenstellungen im Osten der Großstadt hätten spürbar nachgelassen, berichtete der Reuters-Reporter weiter.

Doch bei dem Sturm auf Aleppo wendete das Regime grausamste Methoden an, um sich den Sieg zu sichern: Nach Angaben der Vereinten Nationen seien in den vergangenen Tagen mindestens 82 Zivilisten im Ostteil Aleppos durch Regierungstruppen getötet worden. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete am Montag, allein seit Sonntag seien rund 13.000 Zivilisten in die von der Regierung kontrollierten Gebiete geflohen.

Warum Aleppo im Krieg so wichtig ist

Symbolwirkung

Aleppo hat sich zum Symbol für den verheerenden Konflikt entwickelt. Die Stadt war nahezu seit Beginn der Kämpfe zwischen Regime und Rebellengruppen geteilt und ist das am schwersten umkämpfte Schlachtfeld in dem Krieg. Wer hier siegt, hat auch einen immensen psychologischen Vorteil.

Letzte Hoffnung für Rebellen

Aleppo ist die letzte Großstadt, in der Aufständische noch Gebiete kontrollieren. Damaskus und Homs sind fest in der Hand der Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Den Rebellen blieben ohne die ehemals größte Stadt des Landes nur noch einige eher ländliche Gebiete wie die Provinz Idlib.

Strategisch wichtig

Nicht zu unterschätzen ist der militärische Spielraum, den die syrische Armee bei einer Eroberung gewinnen würde. Die Schlacht um die ehemalige Handelsmetropole bindet viele Kräfte. Diese könnten sich dann auf andere Rebellengebiete des Landes konzentrieren und das Ende des Bürgerkrieges erzwingen.

Einfluss Russlands

An der Entwicklung in der nordsyrischen Stadt lässt sich der Einfluss Russlands seit seinem Kriegseintritt vor mehr als einem Jahr sowie der des Irans ablesen. Ohne diese beiden Verbündeten wäre das geschwächte Regime nicht in der Lage gewesen, die Rebellen so in die Defensive zu drängen.

Verfehlte Politik des Westens

An Aleppo zeigt sich die Schwäche und die verfehlte Politik des Westens, allen voran der USA und seiner Verbündeten. Sie ließen ein Machtvakuum im Bürgerkrieg entstehen, in das Moskau zugunsten der syrischen Regierung vorstieß - und gucken nun ohnmächtig der zivilen Katastrophe zu.

Verhandlungsbasis

Die Eroberung Aleppos würde dem Regime eine starke Verhandlungsbasis für künftige Friedensgespräche geben – falls Assad diese angesichts seines Siegeszuges überhaupt für nötig halten sollte.

Unterstützt wird das Regime von der russischen Luftwaffe und schiitischen Verbündeten. So sei es der syrischen Armee am Montag unter heftigen Luftangriffen und Artilleriebeschuss gelungen, mehrere Viertel von den Rebellen zurückzuerobern, berichtete die in England ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bezeichnet die humanitäre Lage in Aleppo indes als „katastrophal“: Es gebe kaum noch Medikamente, viele Menschen hielten sich wegen der anhaltenden Kämpfe versteckt und hätten weder Nahrung noch Wasser. Über soziale Medien dringen verzweifelte Hilferufe nach außen. Familien würden zusammenkommen und gemeinsam auf den Tod warten, heißt es zum Beispiel in einer WhatsApp-Botschaft an Journalisten.

Syrische Menschenrechtsorganisationen beschreiben Aleppo als „Schlachthaus“ – Leichen würden auf den Straße liegen. Auch die Vereinten Nationen schlagen Alarm: Der humanitäre Uno-Berater für Syrien, Jan Egland, macht Syrien und Russland für die Brutalitäten verantwortlich, die Assads Vormarsch unterstützen.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Franz Paul

13.12.2016, 11:57 Uhr

Wo ist das Problem? Die IS-Mörder sind besiegt, die Stadt kann wieder regulär versorgt werden, und schließlich wieder aufgebaut. Die "Flüchtlinge" können heimkehren und dabei helfen. Junge, starke Männer werden hier jetzt gebraucht.

Account gelöscht!

13.12.2016, 11:59 Uhr

Die Regierung von Syrien unter dem Vorsitz von Assad hat mit Hilfe von Putin und der Zurückhaltung von Trump dem Krieg und dem Leid in Aleppo ein Ende gesetzt.
Die in Deutschland gestrandeten Syrer können somit im nächsten Jahr die Heimreise antreten. Ist doch ein gutes Zeichen!

Herr Fritz Yoski

13.12.2016, 12:10 Uhr

Die vom Westen und den Saudis unterstuetzten "moderaten Rebellen|" (= Terroristen) sind vertrieben worden. Jetzt kann hoffentlich wieder Ruhe einkehren und die Fleuchtlinge koennen zum Wiederaufbau zurueck in ihre Heimat.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×