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09.12.2016

12:01 Uhr

Kampf um Aleppo

Hoffnung auf politische Lösung löst sich in Rauch auf

VonPierre Heumann

Trotz der verkündeten Feuerpause steht Aleppo weiter unter Beschuss. Der Ausgang der Schlacht wird den weiteren Verlauf des Krieges in ganz Syrien beeinflussen. Eine diplomatische Lösung wird immer unwahrscheinlicher.

Aleppo

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Tel AvivSiegt doch noch die Diplomatie? Lange tat sich gar nichts auf dem politischen Parkett. Die Lage in Aleppo wurde immer verheerender. Nun kommt zumindest etwas Bewegung in die Gespräche: Am Donnerstag kündigte Russlands Außenminister Lawrow eine Waffenruhe für den Ost-Teil der Stadt an, am Samstag nun sollen Experten in Genf Einzelheiten aushandeln. Bei den Gesprächen soll unter anderem festgelegt werden, wie die Rebellen die umkämpften Stadtteile von Aleppo verlassen können.

Laut eines Berichts des Nachrichtensenders „Al Jazeera“ erwartet Russland, dass Washington die mit den USA verbündeten Rebellen unter Druck setzt, sich zu ergeben und die von ihnen kontrollierten Gebiete zu verlassen. Die Rebellen hatten diese Woche zwar eine Waffenruhe gefordert. Doch es gebe keine Anzeichen, dass sie zur Kapitulation bereit seien, meldet Al Jazeera. Bisherige Versuche, einen Waffenstillstand zu erwirken, waren regelmäßig gescheitert.

Die internationale Anti-IS-Koalition

Welche Länder beteiligen sich?

Nachdem der IS sich im Sommer 2014 in Syrien ausbreitete, beschlossen zehn Länder auf einer Nato-Konferenz ein Bündnis gegen die Terrormiliz. Heute gehören mehr als 60 Staaten zu der Allianz, darunter neben den USA auch Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Türkei. Saudi-Arabien und andere arabische Staaten wie Jordanien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar haben sich dem Bündnis ebenfalls angeschlossen.

Quelle: dpa

Wie geht die Allianz vor?

Derzeit bekämpft die Allianz den IS vor allem in Syrien und im Irak, wenngleich sich der IS auch in Libyen festgesetzt hat. Nach eigenen Angaben hat die Koalition mehr als 12.000 Luftangriffe auf IS-Stellungen geflogen. Die USA bilden im Irak Soldaten der Armee und kurdische Kämpfer aus, Deutschland liefert Waffen und Ausrüstung für kurdische Peschmerga und leistet mit sechs Tornado-Flugzeugen Aufklärungsarbeit.

Welche Erfolge gibt es?

Die Dschihadisten sind in Syrien und im Irak massiv unter Druck geraten. Seit Beginn vergangenen Jahres hat der IS mehr als ein Drittel seines „Kalifat“ genannten Herrschaftsgebietes eingebüßt. Vor allem die Kurden haben den Extremisten mit Hilfe internationaler Luftunterstützung im Norden beider Länder große Gebiete abgenommen. Der irakischen Armee gelang es, den IS aus wichtigen Städten wie Ramadi und Falludscha zu vertreiben. Außerdem haben die Luftschläge die Ölinfrastruktur unter IS-Kontrolle stark zerstört, weshalb die Extremisten laut Analysten unter Finanzproblemen leiden. Dennoch beherrscht der IS noch große Gebiete in Syrien und im Irak.

Welche Rolle spielt die Türkei?

Um die Rolle der Türkei gibt es Streit. Die Türkei stellt seit Sommer vergangenen Jahres ihren Luftwaffenstützpunkt Incirlik der Allianz für den Luftkampf gegen den IS bereit. Ankara hilft auch bei der Ausbildung und hat nach eigenen Angaben kurdische Peschmerga bei der Großoffensive auf Mossul mit Artillerie unterstützt. Die Regierung in Bagdad lehnt eine türkische Militärpräsenz im Irak allerdings ab. Die türkische Führung wiederum weigert sich, ihre Soldaten abzuziehen.

Wann ist Mossul befreit?

Das ist schwer zu sagen, zumal die eigentlichen Kämpfe um die Stadt noch nicht begonnen haben. Bei dem Koalitionstreffen in Paris geht es jedoch schon darum, die politischen Weichen für die Zeit nach dem IS in Mossul zu stellen. Das Gesellschaftsgefüge ist fragil in Iraks zweitgrößter Stadt. Während die meisten Iraker Schiiten sind, ist die Mehrheit der Bevölkerung in Mossul sunnitisch wie der IS. Zudem lebten viele Christen dort. Der sunnitische türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte bereits, dass nach dem Ende der Kämpfe keine Schiiten mehr in der Stadt leben sollten.

Auch dieses Mal sei Skepsis angebracht, warnen Experten. Obwohl Moskau am späten Donnerstagabend überraschend eine Waffenruhe für den Ost-Teil von Aleppo verkündet hat, fallen laut Bewohnern und Rebellen weiterhin Bomben. Die humanitäre Lage ist katastrophal. Laut der syrischen Zivilschutzorganisation „Weißhelme“ kam es in den Gebieten, die von den Rebellen kontrolliert werden, allein am Donnerstag zu 140 Luftangriffen und zu einem mehr als 1200-fachen Artilleriebeschuss. Zudem seien drei Chlorbomben abgeworfen worden.

Wenn Russlands Außenminister Sergej Lawrow jetzt eine Waffenruhe für Aleppo verkündet, ist er offenbar der Meinung, dass Russland zusammen mit den Iranern genügend Tatsachen geschaffen hat, bevor der neue US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus einziehen wird. Das ist gleichzeitig auch ein Rückschlag für Assad. Der hatte kurz zuvor Forderungen nach einer Waffenruhe kategorisch zurückgewiesen, die von westlichen Regierungen gefordert worden war.

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Diese Möglichkeit „existiert praktisch nicht“, sagte er in einem Interview mit der syrischen Tageszeitung „Al-Watan“ vom Donnerstag. Er warf den USA vor, nur deshalb einen Waffenstillstand zu fordern, weil die von Washington unterstützten Rebellen „in einer schwierigen Lage“ seien.

Dass wenige Stunden später Lawrow seine Bereitschaft für Waffenstillstandsverhandlungen verkündete, zeigt laut westlichen Beobachtern, wer in Syrien über Krieg und Frieden entscheide.

Kommentare (13)

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Frau Lana Ebsel

09.12.2016, 12:39 Uhr

Die Gutmenschen-Rhetorik "Wir müssen zurückkehren zu Verhandlungen" hat jahrelang ein Ende dieses Dramas erfolgreich verhindert. Es war Zeit geworden, dass endlich jemand den Streit beendet, damit wieder Ruhe einkehrt.

Herr Hans Henseler

09.12.2016, 12:44 Uhr

Was fuer eine diplomatische Loesung und mit wem? Die einzige Loesungsmoeglichkeit ist die Terroristen plattzumachen und Frieden
wiederherzustellen. Genau wie in Mossul

Herr Hans Mayer

09.12.2016, 13:00 Uhr

Gewisse Freunde der "gemäßgten Terroristen" sehen es halt nicht gerne wenn die von ihnen unterstützen Menschenschänder und verantwortlichen für die Flüchtlingsströme nun die Quittung bekommen, danken wir Herrn Putin und seiner harten Linie gegen diese Mörder, er allein hat nicht als "Ritter der Schwafelrunde" zugeschaut wie dort ein weiteres Land im Chaos versinkt, sondern den Kampf gegen diese Verbrecher aufgenommen.
Viele Freunde der Flüchtlinge hier sehen das natürlich anders, die Haupterwerbsquelle der Flüchtlingsindustrie könnte versiegen.

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