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01.10.2016

17:57 Uhr

Kampf um Aleppo

Russland warnt USA vor Angriffen auf syrisches Militär

In Aleppo setzen Assads Soldaten ihre Offensive gegen Rebellenviertel fort. Erneut sind Bomben auf eine Klinik gefallen. Ein US-Vorgehen gegen das syrische Militär würde schlimme Folgen haben, warnt der Kreml.

Sturm auf Aleppo

Brutales Vorgehen der syrischen Armee

Sturm auf Aleppo: Brutales Vorgehen der syrischen Armee

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AmmanRussland hat die USA vor Angriffen auf das syrische Militär in dem Bürgerkriegsland gewarnt. Jedwede Attacke werde Auswirkungen auf die gesamte Region haben, zitierten russische Nachrichtenagenturen am Samstag die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa. Sie sagte, ein Regierungswechsel in Syrien würde ein Vakuum erzeugen, das „Terroristen jeglicher Couleur“ sofort füllen würden. Unterdessen nahmen syrische Regierungstruppen einen Hügel am Rande der Stadt Aleppo ein.

Die Spannungen zwischen den USA und Russland wegen des Bürgerkriegs in Syrien haben sich drastisch verschärft seit dem Ende der Waffenruhe, die beide Länder gemeinsam ausgehandelt hatten. Washington und Moskau geben sich dafür gegenseitig die Schuld.

Kampfflugzeuge der US-geführten Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat hatten kürzlich einen Militärstützpunkt der syrischen Armee in von dem IS gehaltenen Gebiet beschossen. Auch das hatte die Spannungen erhöht, obwohl die USA von einem Versehen sprachen.

Wer kämpft gegen wen im Norden Syriens?

Idlib

Die Provinz im Nordwesten des Landes wird von dem Rebellenbündnis Dschaisch al-Fatah kontrolliert, das aus verschiedenen moderaten bis radikalen Gruppen besteht. Darunter die dschihadistische Miliz Fatah al-Scham. Das syrische Regime fliegt mit seinen Verbündeten – zu denen unter anderem Russland gehört – Luftangriffe auf Stellungen der Aufständischen. Einige der islamistischen Rebellen sollen Saudi-Arabien und Katar nahestehen.

Aleppo

Die einstige Handelsmetropole ist seit Jahren zwischen Regime und verschiedenen Rebellengruppen geteilt. Die Regierung kontrolliert den Westteil der Stadt. Die Aufständischen im Osten gehören einem weiten Spektrum zwischen extremistisch, islamistisch bis hin zu moderat an. Einige werden auch von den USA unterstützt. Das gilt auch für die kurdischen Kämpfer, die einige Viertel im Norden der Stadt kontrollieren. Westlich und südwestlich Aleppos herrscht das Bündnis Dschaisch al-Fatah, das auch die Provinz Idlib kontrolliert.

Grenzregion bei Dscharablus

Nach der Invasion der türkischen Armee zusammen mit Rebellengruppen am Mittwoch eroberten die Kräfte westlich des Euphrat die Grenzstadt Dscharablus von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Dschihadisten halten immer noch einige Gebiete an der Grenze zur Türkei, darunter die Stadt Al-Bab.

Die Kurdenmiliz YPG hatte die strategische Stadt Manbidsch vor wenigen Wochen vom IS befreit und war vom Osten her weit in das Gebiet der Extremisten vorgerückt. Dies ist der Türkei ein Dorn im Auge, weil die Kurdenmiliz YPG der bewaffnete Arm der Kurdenpartei PYD in Syrien ist. Bei der PYD wiederum handelt es sich um den Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei.

Der Nordosten

Die Kurden unter Führung ihrer Partei PYD haben im östlichen Teil der Provinz Aleppo sowie den Landesteilen Al-Rakka und Hasaka eine zusammenhängendes Gebiet unter ihrer Kontrolle geschaffen. In dem mehrere hundert Kilometer langen Streifen an der türkischen Grenze haben sie eine Selbstverwaltung ausgerufen. Die Kurden schienen sich trotz zeitweiser Gefechte mit Regimetruppen in zwei Enklaven arrangiert zu haben. Allerdings kam es zuletzt zu ungewöhnlich heftigen Kämpfen, die erst mit einer Waffenruhe eingedämmt werden konnten.

Syrische Regierungstruppen haben mit Hilfe russischer Kampfflugzeuge eine Offensive gegen von Rebellen gehaltene Teile der nordsyrischen Stadt Aleppo gestartet. Am Samstag setzten sie diese fort. Wie das Staatsfernsehen meldete, nahmen sie den strategisch gelegenen Hügel Um al-Schukif ein. Dieser liegt am nördlichen Stadtrand von Aleppo.

Unterdessen meldete die mächtige ultrakonservative militante Gruppe Ahrar al-Scham, Rebellen hätten am Samstag die Kontrolle über mehrere Stellungen zurückgewonnen, die sie zuvor im Viertel Bustan al-Bascha von Aleppo verloren hätten.

Die Aktivistengruppen Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die Örtlichen Koordinationskomitees berichteten, Luftangriffe in Aleppo hätten eine Klinik im von Rebellen gehaltenen Stadtviertel Sachur im Osten der Stadt getroffen, wodurch der Betrieb dort eingestellt worden sei. Eine Person sei ums Leben gekommen. Die Klinik im Nordosten der Stadt sei von mindestens zwei Fassbomben getroffen worden, erklärte ein Mediziner am Samstag. Aktivisten berichteten von weiteren Angriffen. Die Rettungshelfer der Weißhelme meldeten, das Krankenhaus sei nun völlig außer Betrieb. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, bei den Angriffen auf das Viertel der Klinik sei ein Zivilist getötet worden. Mehrere Menschen wurden demnach verletzt. Frankreich verurteilte den Angriff als Kriegsverbrechen.

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