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30.05.2016

14:29 Uhr

Kampf um Falludscha

Irakische Truppen dringen in IS-Hochburg ein

Das irakische Militär ist in Falludscha eingedrungen und beginnt mit der Rückeroberung. Die Dschihadistenmiliz IS leistet Widerstand, ein Häuserkampf droht. Die Folgen für die Zivilbevölkerung wären verheerend.

Das irakische Militär befindet sich auf dem Vormarsch. Eliteeinheiten drangen am Montagmorgen aus drei Richtungen in Falludscha ein. dpa

Kampf gegen den IS

Das irakische Militär befindet sich auf dem Vormarsch. Eliteeinheiten drangen am Montagmorgen aus drei Richtungen in Falludscha ein.

BagdadDie Rückeroberung der IS-Hochburg Falludscha hat begonnen: Nach Angaben des irakischen Militärs drangen Eliteeinheiten am Montagmorgen aus drei Richtungen in die bislang von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) kontrollierte Stadt ein. Unterstützung erhielten die Elitetruppen aus der Luft von der internationalen Militärkoalition, erklärte der für den Einsatz verantwortliche Kommandeur Abdelwahab al-Saadi. Der IS leiste Widerstand.

Elitesoldaten der Einheit CTS, Polizeikräfte und irakische Regierungstruppen hätten Falludscha gegen 04.00 Uhr nachts (03.00 Uhr MESZ) aus drei Richtungen angegriffen, sagte al-Saadi. CTS-Sprecher Sabah al-Norman bestätigte die Angaben. Die CTS-Einheit zählt zu den am besten ausgebildeten Soldaten der irakischen Streitkräfte.

In der Stadt droht den Soldaten ein gefährlicher Häuserkampf. 2004 war Falludscha schon einmal Schauplatz blutiger Kämpfe, als die US-Truppen dort eine ihrer schwersten Schlachten sei dem Vietnam-Krieg führten. Vor der Offensive am Montag eroberten die irakischen Truppen die Umgebung der Stadt. Eine führende Rolle spielte dabei die vom Iran unterstützte schiitische Miliz Hasched al-Schaabi, die nach Armeeangaben auch am Montag im Nordwesten in der Region Saklawija kämpfte.

Zehntausende Bewohner saßen weiter in der belagerten Stadt fest. Zwar gelang am Freitag hunderten Bewohnern die Flucht, die meisten von ihnen Frauen und Kinder, doch leben nach Angaben von Helfern noch immer rund 50.000 Zivilisten in Falludscha. „Wir erwarten größere Fluchtwellen, je heftiger die Kämpfe werden“, warnte der Irak-Direktor der Norwegischen Flüchtlingshilfe (NRC), Nasr Muflahi. Die Lage in den Flüchtlingslagern sei „sehr angespannt“. Je mehr Menschen sich auf die Flucht begäben, desto schwieriger werde die Trinkwasserversorgung.

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Im syrischen Dschableh und Tartus kam es zu mindestens sieben Anschlägen. Dabei sollen mehr als 120 Menschen getötet worden sein. Der IS bekannte sich zu den Anschlägen und verbreitete im Internet eine Erklärung.

In Amrijat al-Falludscha, einer von der Regierung kontrollierten Stadt südlich von Falludscha, trafen auch am Montag Flüchtlinge ein – viele von ihnen entkräftet. „Ich habe beschlossen, alles zu riskieren“, sagte der 40-jährige Ahmad Sabih in einem NRC-Lager. „Ich hatte die Wahl – meine Kinder zu retten oder mit ihnen zu sterben.“

Neben Falludscha ist die Millionenmetropole Mossul die letzte irakische Großstadt in der Hand des IS. Eine Rückeroberung Mossuls dürfte aber noch einige Zeit auf sich warten lassen. Im neuen „Spiegel“ wird der Chefberater von US-Präsident Barack Obama für den Krieg gegen die IS-Miliz, Brett McGurk, mit den Worten zitiert: „Wir sind noch nicht an dem Punkt, dass der Vorstoß auf Mossul beginnen kann.“

In der Region Bagdad wurden bei drei Bombenanschlägen am Montag mindestens elf Menschen getötet. Zu mindestens einem der Anschläge bekannte sich der IS.

Von

afp

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