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06.06.2011

17:39 Uhr

Kampf um Golanhöhen

Israel erhebt Vorwürfe gegen Syrien

Israel wirft Syrien vor, die palästinensischen Grenzstürmer für die eigenen Interessen zu missbrauchen. Der jüdische Staat fürchtet, die Aktionen an der israelischen Grenze könnten in Zukunft eine regelmäßige Form des Protests werden.

Palästinenser betrauern ihre Toten nach dem Angriff auf die Golanhöhen. Quelle: dapd

Palästinenser betrauern ihre Toten nach dem Angriff auf die Golanhöhen.

JerusalemNach der versuchten Erstürmung der von Israel besetzten Golanhöhen durch hunderte Palästinenser mit vielen Toten erhebt die Regierung in Jerusalem schwere Vorwürfe gegen Syrien. Nach Ansicht von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat Damaskus die palästinensischen Demonstranten missbraucht, um von den Unruhen im eigenen Land abzulenken. Syrien habe nicht „sein Gewicht eingesetzt, um das Geschehene zu verhindern“, sagte er. Israel will deshalb offiziell Beschwerde bei den Vereinten Nationen einlegen. Bei dem Versuch, die israelischen Sperranlagen auf den Golanhöhen von Syrien aus zu überrennen, waren am Sonntag mehr als 20 Menschen getötet und über 300 weitere verletzt worden.

In Berlin warnte Außenminister Guido Westerwelle angesichts der Ereignisse vor einer neuen „Spirale der Gewalt“ im Nahen Osten. Die anhaltenden Spannungen bereiteten ihm „größte Sorgen“, sagte der FDP-Politiker. „Diese explosive regionale Lage zeigt, wie wichtig es ist, den Friedensprozess im Nahen Osten wiederzubeleben.“ Der israelische Vize-Außenminister Danny Ajalon warf dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad vor, die pro-palästinensischen Demonstranten als „Kanonenfutter“ gegen Israel einzusetzen. Israel habe das Recht und die Pflicht, seine Souveränität zu verteidigen, sagte er dem israelischen Rundfunk.

Am Montag blieb es an der Grenze zu Syrien weitgehend ruhig, obwohl Demonstranten sich weiter in der Nähe aufhielten. Die israelische Armee blieb in erhöhter Alarmbereitschaft. Am Sonntag waren nach syrischen Berichten 23 Menschen getötet und 350 weitere verletzt worden. Bei den Toten handelt es sich nach Angaben der Aktivisten um 17 Palästinenser und 6 syrische Sympathisanten, die zum Teil aus weit entfernten Ortschaften stammen. Darunter waren den Angaben zufolge auch eine Frau, ein zwölfjähriger Junge und ein Journalist. In mehreren palästinensischen Flüchtlingslagern in Syrien wurden die Toten am Montag unter großer
Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.

Mit der Protestaktion am sogenannten Naksa-Tag wollten die Palästinenser an die Eroberung des Westjordanlands, des Gazastreifens, Ost-Jerusalems und auch der Golanhöhen durch Israel während des Sechstagekriegs von 1967 erinnern. Naksa bedeutet Rückschlag. Das von den Muslimbrüdern und der noch jungen Demokratiebewegung bedrängte syrische Regime hatte die dramatischen Szenen, die sich auf den Golanhöhen abspielten, am Sonntag offensichtlich ausgeschlachtet.

Das syrische Staatsfernsehen strahlte eine Dokumentation mit dem Titel „Der Golan in meinem Herzen“ aus. Das Assad-Regime soll Gerüchten zufolge Demonstranten für die Teilnahme an dem Grenzerstürmung bezahlt haben. Syrische Bauern hätten 1.000 Dollar bekommen, Familien von Todesopfern sollten sogar 10.000 Dollar, hieß es in einer Mitteilung der oppositionellen syrischen Reformpartei, die sich auf
Geheimdienstinformationen berief.

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