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17.10.2014

13:07 Uhr

Kampf um Kobane

Islamischer Staat auf dem Rückzug

Seit Wochen ist die syrische Stadt Kobane umkämpft. Kurden und Islamisten liefern sich unerbittliche Straßenkämpfe. Dank der Hilfe durch internationale Luftschläge konnte die Terrormiliz IS zurückgedrängt werden.

Ein kurdischer Mann sitzt an der Grenze zu Syrien und schaut auf Kobane. Die Terrormiliz Islamischer Staat konnte wieder aus der Stadt gedrängt werden. AFP

Ein kurdischer Mann sitzt an der Grenze zu Syrien und schaut auf Kobane. Die Terrormiliz Islamischer Staat konnte wieder aus der Stadt gedrängt werden.

KobaneNach tagelangen Luftschlägen und andauernden Angriffen kurdischer Kämpfer ist die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus großen Teilen der von ihr eroberten Gebiete in der nordsyrischen Stadt Kobane vertrieben worden. Der Vize-Sprecher für auswärtige Angelegenheiten in Kobane, Idris Nassan, sagte der Nachrichtenagentur dpa am Freitag, die Dschihadisten hätten noch 15 bis 20 Prozent des Ortes unter Kontrolle. Vor einer Woche war von etwa 40 Prozent die Rede. Im Westirak bereitet sich die Stadt Ramadi auf einen Großangriff der Dschihadisten vor.

Die dortigen Behörden verhängten eine Ausgangssperre, wie das Nachrichtenportal „Sumaria News“ berichtete. Es sei noch unklar, wie lange die seit Mitternacht geltende Maßnahme andauern werde. Zuvor habe es Geheimdienstinformationen über bevorstehende Angriffe der Dschihadisten auf Sicherheitskräfte und Bürger der Stadt gegeben.

Die Grenzstadt Kobane

Warum ist Kobane für Kurden so wichtig?

Die syrischen Kurden haben den Bürgerkrieg im Land zum Aufbau eigener regionaler Machtstrukturen in den mehrheitlich von ihnen bewohnten Gebieten genutzt. Nachdem sich die Truppen des Regimes von Baschar al-Assad 2012 zurückgezogen hatten, übernahmen sie die Kontrolle und gründeten später im Norden des Landes drei „autonome Kantone“. An der türkischen Grenze kontrollierten sie wichtige Enklaven: im Nordwesten um die Stadt Afrin, im Nordosten um die Städte Hasaka und Al-Kamischli sowie im Norden um Kobane. Eine Übernahme Kobanes durch die Terrormiliz IS wäre nicht nur der Verlust einer strategisch wichtigen Versorgungsroute, sondern auch psychologisch eine schwere Niederlage.

Wer sind die kurdischen Kämpfer, die sich den Dschihadisten entgegenstellen?

Die etwa 5000 Milizionäre gehören vor allem den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) an. Sie sind mit der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) verbunden. Volksschutzeinheiten und PYD stehen der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die in der Türkei verboten ist. Im Kampf gegen den IS werden offenbar auch Selbstmordattentäter eingesetzt: Kurdische Aktivisten meldeten am Wochenende, dass eine Kämpferin mit einem Selbstmordanschlag Dutzende Extremisten getötet habe. Experten gehen davon aus, dass PKK-Kämpfer die syrischen Kurden unterstützen. Die kurdischen Milizionäre in Syrien sind nicht zu verwechseln mit den kurdischen Peschmerga-Kämpfern, die im Irak gegen den IS im Einsatz sind.

Wie ist die Lage der Zivilisten vor Ort?

Nach kurdischen Angaben ist die überwiegende Mehrheit der verbliebenen Zivilisten an die türkischen Grenze in Sicherheit gebracht worden. Kobane wurde von den Volksschutzeinheiten zur „Militärzone“ erklärt. Laut türkischer Regierung sind mehr als 185 000 Menschen in die Türkei geflohen.

Warum greift die Türkei nicht ein?

Die türkische Regierung hat den Kurden in Kobane Unterstützung zugesagt, zugleich aber klargemacht, dass sie damit in unmittelbarer Zukunft keinen Einsatz von Bodentruppen meint. Zwar hat das Parlament der Regierung ein Mandat für Militäreinsätze in Syrien und im Irak für ein Jahr erteilt. Allerdings verlangt Ankara für einen Einsatz von Bodentruppen eine umfassende internationale Strategie, die auch den Sturz des Assad-Regimes in Damaskus beinhaltet. Zugleich befürchtet Ankara, dass die Kurden an der türkischen Südgrenze die Keimzelle für einen eigenen Kurden-Staat legen könnten, sollte es ihnen gelingen, die Terrormiliz IS zurückzuschlagen.

Warum schaffen es die USA und ihre Partner nicht, den IS mit Luftangriffen militärisch lahmzulegen?

Die IS-Kämpfer passen sich schnell und geschickt an die Luftschläge an. Sie verlassen Ziele, die von den USA ins Visier genommen werden und bringen Waffen und Geiseln an neue Stützpunkte. Zudem mischen sich die Kämpfer unter die Zivilbevölkerung und lassen auch viele ihrer schwarzen Flaggen wieder verschwinden. Weil Angriffe auf die IS-Infrastruktur schwieriger werden, hat sich auch das Tempo der Luftschläge verlangsamt, sagt David Schenker vom Washington Institute for Near East Policy. Die US-Regierung hat mehrfach betont, dass der IS nicht allein aus der Luft besiegt werden kann. Dem unabhängigen US-Instituts CSBA zufolge hat der Kampf bereits zwischen 780 und 930 Millionen Dollar (620 bis 740 Millionen Euro) verschlungen.

Ramadi liegt 100 Kilometer westlich von Bagdad in der von einer sunnitischen Mehrheit bewohnten Provinz Anbar. Die Stadt befindet sich auf einer wichtigen Versorgungsroute der Extremisten, die von Syrien bis kurz vor Bagdad reicht. Viele Gebiete in Anbar sind bereits unter IS-Herrschaft.

Auch in Kobane gab es laut kurdischen Aktivisten Offensiven der sunnitischen Extremisten. Der kurdische Aktivist Farhad Schami sagte der dpa, dass es in der Nacht neue IS-Angriffe auf kurdische Kämpfer im Osten und Süden der Stadt gegeben habe, die jedoch zurückgeschlagen worden seien. Seinen Angaben nach flog das Anti-IS-Bündnis zwischen Mitternacht und dem frühen Freitagmorgen sechs Angriffe auf Stützpunkte der Dschihadisten im Osten der Stadt. Die IS-Miliz hatte Anfang September ihren Vormarsch auf die Kurdenenklave Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) begonnen.

Nach Angaben der oppositionsnahen syrischen Menschenrechtsbeobachter rüsten sich die Dschihadisten in Aleppo nun auch für Einsätze mit Kampfflugzeugen. Ehemalige irakische Armeeoffiziere bildeten IS-Kämpfer derzeit aus, hieß es. Drei Kampfflugzeuge - vermutlich ältere MiG 21 und 23 aus russischer Fertigung - sollen sich auf einem Militärflugfeld der nördlichen Provinz Aleppo befinden. Die Aktivisten berichten unter Berufung auf Einwohner der Region, dass mindestens ein solches Flugzeug gesehen wurde, als es in niedriger Höhe flog. Solche Meldungen sind von unabhängiger Seite nur schwer überprüfbar.

Die USA meldeten vorsichtig Fortschritte in Kobane. Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, erklärte, die Luftangriffe seien „sehr präzise“ gewesen. Die Sicherheitslage sei weiter prekär. Es scheine, dass der IS-Vormarsch verlangsamt worden sei. Die USA wüssten, dass sie den Dschihadisten Schaden zugefügt hätten. Die internationalen Angriffe gegen die Terrormiliz hatten am 8. August zunächst im Irak begonnen und wurden später auf Syrien ausgeweitet. Der internationale Einsatz trägt nun den offiziellen Namen Operation „Inherent Resolve“, übersetzt etwa „Natürliche Entschlossenheit“.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Vittorio Queri

17.10.2014, 13:23 Uhr

>> Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, erklärte, die Luftangriffe seien „sehr präzise“ gewesen. <<

Propaganda-Floskeln. Die Amis vernichten die komplette Infrastruktur in Kobane mit ihren Alibi-Luftschlägen, die nichts bringen.

In Kobane sollen angeblich noch 12.000 Zivilisten sein...nach Flucht von über 200.000 Zivilisten aus dieser Stadt.

Man sollte die 12.000 auch zur Flucht verhelfen und das unsinnige Bombardement einstellen, damit die Menschen nach Abzug der IS-Truppen wieder ihre Existenzgrundlagen haben.

Die Amis verursachen nur Elend in der Region.

Herr Peter Spiegel

17.10.2014, 13:31 Uhr

In jedem guten alten AMI-Film kommt irgendwann die Kavallerie.

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