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06.10.2014

07:31 Uhr

Kampf um Kobane

Selbstmord-Attentäterin tötet Dutzende IS-Kämpfer

Die Terrormiliz verstärkt ihre Kräfte südlich der syrischen Stadt Kobane. Bisher scheiterten die Extremisten an der kurdischen Verteidigung. Eine kurdische Selbstmord-Attentäterin tötete zahlreiche IS-Kämpfer.

Türkische Soldaten haben sich in der Nähe der türkisch-syrischen Grenze postiert. dpa

Türkische Soldaten haben sich in der Nähe der türkisch-syrischen Grenze postiert.

KobaneAn der Grenze zur Türkei weitet die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ihre Angriffe auf die nordsyrische Stadt Kobane aus. Die Dschihadisten zogen nach Medienberichten im Kampf um die Kurden-Stadt Verstärkung aus den eigenen Reihen hinzu. Am Wochenende waren nach unbestätigten Angaben 86 IS-Extremisten getötet worden. Auf Seiten der kurdischen Einheiten starben demnach 17 Kämpfer. Die USA und ihre arabischen Verbündeten hätten die Kurden mit insgesamt sieben Luftangriffen bei Kobane unterstützt, teilte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Eine kurdische Kämpferin soll bei einem Selbstmord-Anschlag südlich von Kobane Dutzende Extremisten des Islamischen Staates (IS) getötet haben. Die Frau sei Mitglied der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) gewesen, sagte der YPG-Kommandant in Kobane nach Angaben der kurdischen Nachrichtenseite Welati. Die Kämpferin habe einen Sprengsatz gezündet.

Wer den Kampf gegen IS anführt

USA

Als federführende Macht im Bündnis haben die USA bereits Dutzende Luftangriffe auf IS-Ziele im Irak und in Syrien geflogen. Washington schickte zudem Militärberater, Versorgungsgüter und humanitäre Hilfe, um irakischen und kurdischen Truppen im Kampf gegen die Extremisten unter die Arme zu greifen.

Die Golfstaaten

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain haben sich an Luftangriffen auf IS-Stellungen in Syrien beteiligt. Ein vierter Akteur, Katar, hat laut Pentagon eine unterstützende Rolle inne. Die Emirate und Katar haben ihre Luftwaffenbasen zudem als Rampe für die Anti-IS-Offensive zur Verfügung gestellt. Ebenfalls beteiligte US-Marineschiffe wurden der im Bahrain stationierten Fünften Flotte der Navy zugeteilt. Saudi-Arabien hat sich zudem als Gastgeberland für die Ausbildung moderater syrischer Rebellen angeboten.

Jordanien

Jordanien hat schon selbst Luftangriffe gegen IS-Stellungen geflogen. Anhaltende Grenzverletzungen hätten diesen Schritt nötig gemacht, teilte Regierungssprecher Mohammed Al-Momani mit. Details über die Operationen gab das Königreich zwar nicht preis. Doch hieß es, die Luftangriffe sollen Jordaniens Sicherheit gewährleisten.

Ägypten

Eine konkrete Beteiligung an den Luftangriffen gegen die IS-Miliz hat Kairo zwar bislang nicht in Aussicht gestellt. Doch bekräftigte Präsident Abdel-Fattah al-Sisi kürzlich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP die „umfassende Bereitschaft zur Unterstützung“ der Anti-IS-Koalition. „Wir werden alles tun, was erforderlich ist“, versprach er.

Israel

Das Land hilft vor allem im Verborgenen: Die USA erhielten von Israel geheimdienstliche Einschätzungen und konkrete Erkenntnisse über die IS-Miliz, sagt ein Gewährsmann im Verteidigungsministerium. Dies sei Teil der anhaltenden bilateralen Geheimdienstkooperation. Im Übrigen sei Israel nicht um einen Beitrag gebeten worden, der darüber hinausginge.

Großbritannien

Über dem Irak operieren britische „Tornado“-Jagdbomber, unterstützt von Tankflugzeugen und Signalaufklärung, teilte die Regierung in London mit. Britischen Medien zufolge stehen zudem auf Zypern sechs Kampfjets in Bereitschaft. Angaben über deren Zahl will das Militär jedoch nicht nennen. Die „Tornado“-Jets erweiterten die Fähigkeit der Anti-IS-Koalition, bewegliche Ziele ins Visier zu nehmen, erklärt Ben Goodland. Zudem stehen den Briten zwei Langstreckenwaffensysteme zur Verfügung: Tornado-Marschflugkörper vom Typ Storm Shadow sowie U-Boot-gestützte Tomahawk-Geschosse.

Frankreich

Seit dem Eintritt in die Anti-IS-Koalition am 19. September hat das französische Militär zweimal Luftangriffe im Irak geflogen. Dabei feuerten Rafale-Kampfjets lasergesteuerte Bomben auf Munitionslager und Militärgerät ab, zunächst nahe Mossul und am Donnerstag unweit von Falludscha. Koordiniert wird das Ganze von einem französischen Luftwaffenstützpunkt in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus. Auf der Basis sind 750 Militärangehörige und sechs Rafale-Kampfjets stationiert.

Deutschland

Eine deutsche Beteiligung an den Luftangriffen gegen die IS-Miliz soll es nicht geben. Allerdings unterstützt die Bundesregierung die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im irakischen Erbil mit Waffen. Einige von ihnen werden in Deutschland von der Bundeswehr ausgebildet. In Erbil schulen zudem deutsche Soldaten die Peschmerga-Kämpfer im Umgang mit Waffen.

Belgien

Das Land will sechs F-16-Mehrzweckkampfjets und ein Hilfsteam mit 120 Personen, darunter acht Piloten, in Jordanien stationieren. Sie haben ein Mandat für einmonatige Operationen im Irak. Eine Verlängerung wäre bei Zustimmung des belgischen Parlaments möglich.

Dänemark

Kopenhagen hat sieben F-16-Kampfjets, Piloten und Hilfspersonal im Kampf gegen die Dschihadisten versprochen. Ihre Einsatzzeit beträgt zwölf Monate. Washington bat Dänemark auch um die Entsendung von Militärausbildern in den Irak gebeten. Dort sollen sie irakische und kurdische Sicherheitskräfte im Bodenkampf gegen die IS-Milizen schulen.

Kanada

Ottawa hat rund 70 Elitesoldaten abgestellt, die kurdische Truppen im Nordirak beraten sollen. Noch diese Woche will das Kabinett von Premierminister Stephen Harper zudem eine US-Bitte um Teilnahme an den Luftangriffen gegen IS-Stellungen prüfen. Kanada hat bereits zwei Militärfrachtflugzeuge beigesteuert, die Waffen für die kurdischen Kämpfern geladen hatten.

Australien

Ein Luftwaffenkontingent, darunter acht F/A-18-Kampfjets vom Typ Hornet und zwei Unterstützungsflugzeuge, hat Canberra bereits in die Vereinigten Arabischen Emirate geschickt. Mit dabei sind auch 600 Soldaten, die meisten von ihnen Mitglieder der Luftwaffe. Es wird erwartet, dass die australischen Kampfjets an Einsätzen gegen die IS-Miliz im Irak teilnehmen. Die Regierung von Premierminister Tony Abbott hat sich jedoch noch nicht auf eine Kampfrolle festgelegt.

Auch im benachbarten Irak gingen die Kämpfe gegen Einheiten der IS weiter. 20 Kämpfer der Extremisten seien bei Luftangriffen der von den USA angeführten Koalition westlich der nordirakischen Stadt Mossul ums Leben gekommen, berichteten Augenzeugen der Nachrichtenagentur dpa. Zwölf weitere Extremisten seien bei Gefechten mit der irakischen Armee nahe Baidschi getötet worden, hieß es aus den Sicherheitskräften.

Die IS-Dschihadisten hatten am Sonntag erneut die größte Ölraffinerie des Irak angegriffen, seien jedoch zurückgeschlagen worden. Die Anlage rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad ist seit Monaten umkämpft. Im Juni hatten Extremisten die Raffinerie kurzzeitig erobert, waren dann jedoch von der irakischen Armee wieder vertrieben worden. Seitdem hat die IS-Miliz mehrmals Baidschi angegriffen.

In Syrien versuchen IS-Dschihadisten seit Tagen verstärkt, die Stadt Kobane (arabisch: Ain al-Arab) einzunehmen. Angesichts der Flüchtlingskatastrophe an der syrisch-türkischen Grenze forderte die Grünen-Politikerin Claudia Roth ein stärkeres deutsches Engagement. „Die humanitäre Situation ist dramatisch“, sagte die Bundestagsvizepräsidentin nach einem Besuch im Grenzgebiet. „Die Türkei braucht sofortige internationale humanitäre Unterstützung.“ Auch Deutschland sei dabei gefordert.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) verlangt ein Notprogramm der EU für die Flüchtlinge im Nordirak. „Ich bitte den neuen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker inständig, die Hilfe für die Menschen, die vor den IS-Terroristen fliehen, zu seinem ersten Topthema zu machen.

Er muss einen Not-Flüchtlingskommissar beauftragen, sofort eine Flüchtlingssondermilliarde aus bestehenden Töpfen bereitstellen“, sagte Müller der „Welt“. Der CSU-Politiker hatte sich in der vergangenen Woche auf einer Reise in die Kurden-Stadt Erbil einen Eindruck von der Lage vor Ort verschafft. Wenn nicht schnell etwas geschähe, würden „Tausende diesen Winter hier nicht überleben“, sagte Müller.

Kommentare (6)

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Herr Teito Klein

06.10.2014, 08:43 Uhr

Kurdische Kämpferin tötete Duzende IS-Terroristen
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Diese kommen jetzt nicht in den Himmel und erhalten auch keine 72 Jungfrauen, da sie von einer Frau getötet wurden.

Eine kurdische Kämpferin soll bei einem Selbstmord-Anschlag südlich von Kobane Dutzende Extremisten des Islamischen Staates (IS) getötet haben. Die Frau sei Mitglied der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) gewesen, sagte der YPG-Kommandant in Kobane nach Angaben der kurdischen Nachrichtenseite Welati. Die Kämpferin habe einen Sprengsatz gezündet.

Herr Hans Kammerer

06.10.2014, 08:47 Uhr

Erdogan hat doch früher nicht so zimperlich reagiert, wenn eine Granate in der Türkei eingeschlagen ist. Seltsam, jetzt, da völlig klar ist, dass diese Mörsergranaten nur von der IS abgefeuert sein können -meines Wissens nach haben die Kurden diese Waffen nicht- stört ihn das nicht so besonders. Dass dabei auch noch ein türkischer Polizist verletzt wurde, ändert nichts daran.
Ich finde die Haltung der Türkei unter Erdogan sehr grenzwertig ! Und um ehrlich zu sein bin ich bitter enttäuscht !

Sergio Puntila

06.10.2014, 09:57 Uhr

Und jetzt mal political hard Stuff:

Das bezahlte Selbstmordattentat als politisch wirken wollendes Revival wieder aus der Klamottenkiste hervorkramen zu wollen - und es zu tun.

Das dürfte ungfefähr ein Bild von der politischen Fantasielosigkeit wie eines der politischen Schwachbrüstigkeit zeugen, mit der in solchen Regionen Politik gemnacht zu werden scheint.

Da noch Waffen hineinzuliefern kann man getrost als Verantwortungslos bezeichnen, um nicht zu sagen, mit Fug und Recht als Brandstifterei bezeichnen.

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