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10.10.2014

16:24 Uhr

Kampf um Kobane

Syrien-Sondergesandter warnt vor Blutbad

Kobane steht kurz vor davor zu fallen. Doch noch immer halten sich Hunderte Zivilisten in der umkämpften Stadt auf. Der UN-Sondergesandte für Syrien erinnert an den Balkankrieg – und warnt vor einem ähnlichen Blutbad.

Zwischen 500 und 700 Zivilisten, überwiegend alte Menschen, seien derzeit noch in Kobane, sagte Staffan de Mistura, der UN-Sondergesandte für Syrien. dpa

Zwischen 500 und 700 Zivilisten, überwiegend alte Menschen, seien derzeit noch in Kobane, sagte Staffan de Mistura, der UN-Sondergesandte für Syrien.

Genf Der UN-Sondergesandte für Syrien hat vor einem Massaker an Zivilisten in der umkämpften Stadt Kobane gewarnt. Zwischen 500 und 700 Zivilisten, überwiegend alte Menschen, seien derzeit noch in Kobane, sagte Staffan de Mistura am Freitag in Genf. Sollte die syrische Kurdenstadt an der Grenze zur Türkei in die Hände von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) fallen, drohe ein Blutbad. Neben den Menschen in der Stadt befänden sich zwischen 10.000 und 13.000 Menschen im Grenzgebiet zwischen Syrien und der Türkei, die ebenfalls gefährdet seien.

De Mistura erinnerte an die Massaker während des Balkankrieges – besonders in Srebrenica, wo 1995 etwa 8000 Menschen getötet wurden. „Dort ist Srebrenica“, sagte er mit Blick auf die Situation in Kobane. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon habe ausdrücklich klargemacht, dass jeder, der etwas zum Schutz der Zivilisten tun könne, dies auch tun müsse. Dies sei auch von einer entsprechenden UN-Resolution gedeckt.

Die Grenzstadt Kobane

Warum ist Kobane für Kurden so wichtig?

Die syrischen Kurden haben den Bürgerkrieg im Land zum Aufbau eigener regionaler Machtstrukturen in den mehrheitlich von ihnen bewohnten Gebieten genutzt. Nachdem sich die Truppen des Regimes von Baschar al-Assad 2012 zurückgezogen hatten, übernahmen sie die Kontrolle und gründeten später im Norden des Landes drei „autonome Kantone“. An der türkischen Grenze kontrollierten sie wichtige Enklaven: im Nordwesten um die Stadt Afrin, im Nordosten um die Städte Hasaka und Al-Kamischli sowie im Norden um Kobane. Eine Übernahme Kobanes durch die Terrormiliz IS wäre nicht nur der Verlust einer strategisch wichtigen Versorgungsroute, sondern auch psychologisch eine schwere Niederlage.

Wer sind die kurdischen Kämpfer, die sich den Dschihadisten entgegenstellen?

Die etwa 5000 Milizionäre gehören vor allem den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) an. Sie sind mit der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) verbunden. Volksschutzeinheiten und PYD stehen der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die in der Türkei verboten ist. Im Kampf gegen den IS werden offenbar auch Selbstmordattentäter eingesetzt: Kurdische Aktivisten meldeten am Wochenende, dass eine Kämpferin mit einem Selbstmordanschlag Dutzende Extremisten getötet habe. Experten gehen davon aus, dass PKK-Kämpfer die syrischen Kurden unterstützen. Die kurdischen Milizionäre in Syrien sind nicht zu verwechseln mit den kurdischen Peschmerga-Kämpfern, die im Irak gegen den IS im Einsatz sind.

Wie ist die Lage der Zivilisten vor Ort?

Nach kurdischen Angaben ist die überwiegende Mehrheit der verbliebenen Zivilisten an die türkischen Grenze in Sicherheit gebracht worden. Kobane wurde von den Volksschutzeinheiten zur „Militärzone“ erklärt. Laut türkischer Regierung sind mehr als 185 000 Menschen in die Türkei geflohen.

Warum greift die Türkei nicht ein?

Die türkische Regierung hat den Kurden in Kobane Unterstützung zugesagt, zugleich aber klargemacht, dass sie damit in unmittelbarer Zukunft keinen Einsatz von Bodentruppen meint. Zwar hat das Parlament der Regierung ein Mandat für Militäreinsätze in Syrien und im Irak für ein Jahr erteilt. Allerdings verlangt Ankara für einen Einsatz von Bodentruppen eine umfassende internationale Strategie, die auch den Sturz des Assad-Regimes in Damaskus beinhaltet. Zugleich befürchtet Ankara, dass die Kurden an der türkischen Südgrenze die Keimzelle für einen eigenen Kurden-Staat legen könnten, sollte es ihnen gelingen, die Terrormiliz IS zurückzuschlagen.

Warum schaffen es die USA und ihre Partner nicht, den IS mit Luftangriffen militärisch lahmzulegen?

Die IS-Kämpfer passen sich schnell und geschickt an die Luftschläge an. Sie verlassen Ziele, die von den USA ins Visier genommen werden und bringen Waffen und Geiseln an neue Stützpunkte. Zudem mischen sich die Kämpfer unter die Zivilbevölkerung und lassen auch viele ihrer schwarzen Flaggen wieder verschwinden. Weil Angriffe auf die IS-Infrastruktur schwieriger werden, hat sich auch das Tempo der Luftschläge verlangsamt, sagt David Schenker vom Washington Institute for Near East Policy. Die US-Regierung hat mehrfach betont, dass der IS nicht allein aus der Luft besiegt werden kann. Dem unabhängigen US-Instituts CSBA zufolge hat der Kampf bereits zwischen 780 und 930 Millionen Dollar (620 bis 740 Millionen Euro) verschlungen.

An die Türkei appellierte De Mistura, die kurdischen Flüchtlinge über die Grenze einreisen zu lassen. Zudem sollte die Türkei erlauben, dass diejenigen, die von ihrem Menschenrecht auf Selbstverteidigung in Kobane Gebrauch machen wollten, dies auch ausreichend ausgerüstet tun könnten.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

10.10.2014, 19:37 Uhr

Syrien-Sondergesandter warnt vor Blutbad
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Die Welt hat lange zugeschaut und nicht gehandelt.

Die Welt hätte längst BASCHAR-AL-ASSAD nach DAN HAAG bringen sollen um ihn dort vor Gericht für seine taten zur Verantwortung zu ziehen .

Danach hätte es in Syrien keine weitere Legitimierungen gegeben indem oder hinter dessen sich etwa terroristische Gruppierungen hätten verstecken können um ihre terroristische Ziele zu erreichen.

Aber nichts geschah.

Selbst in wie weit der Abzug der Chemische Waffen aus Syrien sich befinden wird die gesamte Welt nicht einmal unterrichtet !

Stattdessen sieht sich die Welt in heutigen Tagen immer mehr in der Gefahr...überall vom Terrorismus weiteren Unheil angerichtet zu bekommen.

Man beachte dass seit der " RAF-Zeiten " in Deutschland man davon unterrichtet ist über die terror-neste in Somalia...aber man es weiterhin zuschaut und duldet ?

Dazu die absolute enttäuschende deutsche Handlungen dass etwa RAF-Terroristen sogar Urlaubszeiten haben in den Gefängnisse einsparen können um früher entlassen zu werden !

Man nahm und nimmt die gefahren von Terrorismus nicht wahr...

im Afghanistan sitzt man sogar schon mit der Taliban bei Verhandlungen am Tisch?

Dazu blieb der britischer Politiker BLAIR an der ganze Welt schuldig...DIE DORTIGE DROGENFELDER ABZUSCHAFFEN...um unsere Kinder vor dem Drogenhandel vor der eigene Haustür zu beschützen.

Stattdessen REFINANZIEREN SICH DIE TERRORISTEN AUS DEM DROGENHANDEL ?

Aber noch trauriger ist es wenn selbst innerhalb der EU...sich Nationen wie PORTUGAL sich einsetzen für die Legalisierung von Drogen anstatt sich dessen absolute Abschaffung zu bewegen.

Wozu also einerseits Scheinheilig sein und sich heuchlerisch benehmen...und anderseits der Weltbevölkerung erklären dass wir uns in einem Konflikt befinden wo gar niemanden Herr der Lage ist...

WEIL MAN GAR NICHT MIT ENTSPRECHENDE HÄRTE VORAN GEHEN WILL ?

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