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07.11.2016

14:52 Uhr

Kampf um Mossul

Peschmerga-Kämpfer greifen IS-Stellungen an

Der Marsch auf Mossul geht weiter. Die Koalition aus irakischer Armee, Peschmerga und schiitischer Milizen griff den IS in der Stadt Baschika an und lieferte sich mit den rund 100 Islamisten heftige Gefechte.

Die Befreiungstruppen rücken immer weiter auf die IS-Hochburg Mossul vor. Am Wochenende griffen Peschmerga-Kämpfer IS-Stellungen in Baschika, 15 Kilometer nordöstlich von Mossul, an, um die Islamisten aus der strategisch wichtigen Stadt zu vertreiben. dpa

Schritt für Schritt Richtung Mossul

Die Befreiungstruppen rücken immer weiter auf die IS-Hochburg Mossul vor. Am Wochenende griffen Peschmerga-Kämpfer IS-Stellungen in Baschika, 15 Kilometer nordöstlich von Mossul, an, um die Islamisten aus der strategisch wichtigen Stadt zu vertreiben.

BaschikaIrakische Sicherheitskräfte ziehen die Schlinge um die IS-Hochburg Mossul im Norden des Landes immer enger. Kurdische Peschmerga-Kämpfer eroberten am Montag nach eigenen Angaben eine der letzten Bastionen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Umland Mossuls. Sie seien bis ins Zentrum des Ortes Baschika vorgedrungen und hätten das Rathaus eingenommen, sagte Kommandeur Asis Wisi.

Iraks Armee, kurdische Peschmerga und Milizen hatten vor drei Wochen eine Großoffensive auf Mossul begonnen. Mit der Einnahme Baschikas schließen die Angreifer eine der letzten Lücken an der Front östlich der Großstadt. Mossul gilt als Zentrum der IS-Miliz im Irak. Sollte die Stadt befreit werden, wäre der IS in dem Land militärisch weitestgehend besiegt.

Reporter meldeten am Nachmittag noch Schusswechsel in Baschika. Auch Artilleriefeuer war zu hören. Peschmerga-Kommandeur Wisi sagte, einige wenige IS-Kämpfer hätten sich in Gebäuden versteckt. Mehrere Extremisten seien gefangen genommen worden. Seit Beginn der Mossul-Offensive kam es auch in eroberten Orten immer wieder zu Gefechten, da sich IS-Kämpfer häufig in Tunneln verstecken.

Islamistische Terrorgruppen

Islamischer Staat

Der sogenannte Islamische Staat ging aus einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida hervor. Im Irak-Krieg 2003 kämpfte die Gruppe gegen die US-Armee, 2013 setzte sie auf Expansion. Als „Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis)“ griff sie im syrischen Bürgerkrieg ein. Sie wurde stärker und lieferte sich Machtkämpfe mit anderen Islamisten, darunter Al-Kaida. In eroberten Gebieten in Syrien und im Irak riefen die Dschihadisten – nun als Islamischer Staat (IS) – ein Kalifat aus, in dem sie brutal gegen Gegner vorgehen. Dschihadisten in anderen Ländern schworen dem IS ihre Treue. Seit einiger Zeit verübt die Terrormiliz auch Anschläge außerhalb Syriens und des Irak.

Ansar Beit Al-Makdis

Die ägyptische Organisation ist eine der Gruppen, die sich dem IS angeschlossen haben. Seit Ende 2014 bezeichnet sich Ansar Beit al-Makdis („Unterstützer Jerusalems“) als „Provinz Sinai“ des IS. Laut ägyptischem Innenministerium gehören der Zelle rund 2000 Kämpfer an. Die Islamistentruppe verübt vor allem auf der Sinai-Halbinsel und in Kairo Anschläge.

Taliban

Die 2001 in Kabul gestürzten radikalislamischen Taliban haben weiterhin in großen Teilen Afghanistans Einfluss. Seit dem Auslaufen des Nato-Kampfeinsatzes bemüht sich die afghanische Führung verstärkt um Friedensgespräche mit ihnen. Weiterhin verüben die Taliban aber verheerende Anschläge in allen Teilen des Landes und nehmen Gebiete ein. Pakistans Grenzgebiet zu Afghanistan ist ein Rückzugsgebiet für die Taliban und Al-Kaida. Dort sind Gruppen wie die Tehrik-E-Taliban Pakisten (TTP) oder das Haqqani-Netzwerk aktiv. Auch die Gruppe Laschkar-E-Taiba („Armee der Reinen“) agiert von Pakistan aus auf dem Subkontinent.

Al-Kaida

1988 gründeten Dschihadisten in Afghanistan das Terrornetzwerk Al-Kaida („Die Basis“). Später richteten sich dessen Angriffe gegen die USA und Westeuropa. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war Al-Kaida-Chef Osama bin Laden bis zu seinem Tod der meistgesuchte Terrorist der Welt. 2011 tötete eine US-Spezialeinheit Bin Laden im pakistanischen Abbottabad. Seit 2001 setzt das Terrornetzwerk zunehmend auf Regionalisierung.

AQAP

Zu den weitgehend unabhängig agierenden Al-Kaida-Ablegern zählt die 2008 aus der Vereinigung des jemenitischen mit dem saudi-arabischen Zweig entstandene Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Al-Qaeda in the Arabian Peninsula/AQAP). Die Terrorgruppe verübt seit Jahren immer wieder Anschläge. Der im Januar 2015 ermordete Redaktionsleiter des Satiremagazins „Charlie Hebdo“, Stéphane Charbonnier, stand auf einer „Fahndungsliste“ des Dschihad-Magazins „Inspire“, das von AQAP veröffentlicht wird. Die USA greifen im Jemen regelmäßig Lager der Gruppe mit Drohnen an.

AQMI

Die ursprünglich algerische Gruppe Alk-Kaida im islamischen Maghreb (AQMI) versucht, Tunesien, Marokko, Algerien, Mauretanien, Niger und Mali durch Anschläge und Entführungen zu destabilisieren. Sie hat auch Rückzugsgebiete in Libyen. Auch die aus Libyen stammende Organisation Ansar al-Scharia („Unterstützer des islamischen Rechts“) verübt Anschläge in Tunesien.

Ansar Dine

Anhänger der Gruppe besetzten 2012 gemeinsam mit Tuareg-Rebellen den Norden Malis. Ihr werden Verbindungen zu Al-Kaida im islamischen Maghreb nachgesagt. Dem Terrorregime der Ansar Dine fielen viele Menschen mit westlichem Lebensstil zum Opfer. Französische und afrikanische Truppen vertrieben die Extremisten weitgehend aus der Region. Es kommt aber weiterhin zu Gefechten und Anschlägen auf Sicherheitskräfte in Mali.

Boko Haram

Die islamistische Terrorgruppe führt in Nigeria einen blutigen Feldzug zur Errichtung eines sogenannten Gottesstaats. Boko Haram heißt so viel wie: „Westliche Bildung ist verboten“. Die sunnitischen Dschihadisten werden für viele Attentate und Angriffe verantwortlich gemacht. Schätzungen zufolge wurden seit 2009 mehr als 14.000 Menschen getötet. Die selbst ernannten „Gotteskrieger“ kontrollieren Teile Nordostnigerias und versuchen auch, Gebiete in den Nachbarländern Kamerun und Niger zu erobern. Die Gruppe schwor der IS-Miliz Gefolgschaft.

Al-Shabaab

Die radikale Miliz verbreitet in Somalia Angst und Schrecken und verübt auch in Nachbarländern wie Kenia Anschläge. Zwar vertrieben Regierungstruppen und Soldaten der Afrikanischen Union die Extremisten 2011 aus der Hauptstadt Mogadischu, Al-Shabaab beherrscht aber noch weite Teile Mittel- und Südsomalias. Die Organisation hat Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida und kooperiert mit den Extremisten von Boko Haram in Nigeria.

Jemaah Islamiyah

Die Anfang der 1990er Jahre von Indonesiern in Malaysia gegründete Terrorgruppe war bisher in Indonesien, Malaysia und im Süden der Philippinen aktiv. Sie will ein Kalifat in Südostasien errichten und steht Al-Kaida nahe. 2002 ermordeten Jemaah Islamiya-Terroristen bei Bombenanschlägen auf der indonesischen Ferieninsel Bali 202 Menschen, darunter mehr als 150 ausländische Touristen. Weitere Anschläge folgten.

Baschika liegt etwa 20 Kilometer von Mossul entfernt am Fuß eines gleichnamigen Berges. In dem Ort lebten früher vor allem Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden, die jedoch flohen, als IS-Extremisten das Gebiet vor mehr als zwei Jahren einnahmen. Die Einnahme Baschikas ist eine der letzten Etappen für die kurdischen Einheiten, da sie sich an den Kämpfen in Mossul selbst nicht beteiligen sollen. In der Region sind auch türkische Truppen stationier, die die Kurden im Kampf gegen den IS unterstützten.

Heftige Kämpfe zwischen von Kurden geführten Truppen und IS-Anhängern gab es am Montag auch im Nachbarland Syriens. Dort hatten die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) am Wochenende eine Offensive auf die IS-Hochburg Al-Rakka begonnen. SDF-Kämpfer und IS-Einheiten seien nahe dem Ort Ain Isa nördlich von Al-Rakka zusammengestoßen, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Bei den SDF handelt es sich um Einheiten, die von der Kurdenmiliz YPG angeführt werden. Diese sind in Syrien der wichtigste Verbündete der US-geführten internationalen Koalition im Kampf gegen den IS. Das US-Militär hatte zuletzt auf einen schnellen Angriff auf Al-Rakka gedrängt, weil in der Stadt nach Geheimdienstinformationen Terroranschläge in anderen Länder geplant werden sollen.

Die Türkei kritisierte die Offensive jedoch. Al-Rakka sei eine rein arabische Stadt, sagte der türkische Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus am Montag in Ankara. Es trage „in keinster Weise zum Frieden in der Region“ bei, wenn die Stadt „von nicht-arabischen Einheiten eingenommen und regiert“ werde.

Die Kurden kontrollieren im Norden Syriens bereits den größten Teil der Grenze zur Türkei. Die Regierung in Ankara will jedoch verhindern, dss die Kurden ihren Machtbereich in Syrien weiter ausdehnen. Die Türkei wirft der YPG vor, ein syrischer Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zu sein. Türkische Truppen haben die YPG in der Vergangenheit immer wieder beschossen.

Von

rtr

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