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23.05.2015

16:06 Uhr

Kampf um Ramadi

Irakische Truppen beginnen Offensive gegen IS

Kampf gegen den IS: Schiitische Milizen und irakische Regierungssoldaten beginnen eine gemeinsame Gegenoffensive um Ramadi. Aus der vom IS eingenommenen Stadt flohen zuletzt zehntausende Bewohner.

Der IS soll auf seinem Vormarsch gestoppt werden: Irakische Regierungssoldaten und schiitische Milizen wollen die Stadt Ramadi zurückerobern. ap

Irakische Sicherheitskräfte nahe Ramadi

Der IS soll auf seinem Vormarsch gestoppt werden: Irakische Regierungssoldaten und schiitische Milizen wollen die Stadt Ramadi zurückerobern.

BagdadEine Woche nach der Einnahme von Ramadi durch die Extremistenmiliz Islamischer Staat haben irakische Truppen und schiitische Milizen mit einer Gegenoffensive zur Rückeroberung der strategisch wichtigen Stadt begonnen. Hunderte schiitische Milizionäre rückten von einem Flugplatz in der Nähe von Ramadi aus auf Ortschaften in der Umgebung der Provinzhauptstadt vor, berichtete der Abgeordnete im Provinzparlament, Assal Obaid.

Ein Sprecher der Schiitenmiliz sprach von 2000 Kämpfern, denen es gelungen sei, eine Verbindungsstraße in Richtung Falludscha zu kontrollieren. Die Stadt ist ebenfalls unter Kontrolle des IS. „Heute gibt es taktische Operationen, die den Weg für die Befreiung Ramadis ebnen“, sagte der Milizensprecher.

Der Islamische Staat hatte Ramadi vor wenigen Tagen erobert. Die Einnahme war die größte militärische Niederlage irakischer Truppen seit rund einem Jahr. Wie bereits in Falludscha flohen Soldaten massenhaft vor den anrückenden IS-Milizionären und zerstörten schwere Waffen und zahlreiche Fahrzeuge nicht, sondern überließen sie dem Feind – darunter ein halbes Dutzend Panzer. Militärs rechnen deshalb mit schweren Kämpfen bei der Rückeroberung der Provinzhauptstadt. Mehr als 50.000 Menschen sind nach UN-Angaben seit dem Einmarsch des IS aus der Stadt geflohen.

Glossar – der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

… gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

… von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit „Islamismus“ solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

… bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

… dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

… sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels – der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

… haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

… ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

… bedeutet wörtlich „Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz“ für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem „großen Dschihad“ als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen „inneren Schweinehundes“ und dem „kleinen Dschihad“, dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als „Gotteskrieger“ verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.

Mit der Eroberung Ramadis hat der IS seine Herrschaft über die Wüstenprovinz Anbar ausgebaut. Dort werden noch kleine Enklaven von Regierungstruppen gehalten. Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi entsandte nach der Flucht der Regierungstruppen schiitische Milizen in den Kampf.

Offenbar versuchten die IS-Extremisten auch, die Lücke zwischen den Städten Ramadi und Falludscha zu verringern, um ein geschlossenes Herrschaftsgebiet nahe der Westgrenze zur Hauptstadt Bagdad zu errichten. Auch die USA und ihre Verbündeten griffen am Samstag verstärkt in die Kämpfe ein.

Nach Angaben aus dem US-Verteidigungsministerium flogen Kampfjets vier Luftangriffe in der Umgebung Ramadis. Auch nahe Falludscha wurde bombardiert. Auch in Syrien hat der IS erhebliche Geländegewinne gemacht und Palmyra erobert. In der Weltkulturerbe-Stadt hissten die Extremisten am ihre Flagge über einer historischen Zitadelle.

Von

rtr

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