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23.03.2011

23:04 Uhr

Italienische Kampfflieger im Anflug auf Tripolis. Quelle: Reuters

Italienische Kampfflieger im Anflug auf Tripolis.

Tripolis/KairoDie internationale Allianz zur Durchsetzung des Flugverbots über Libyen hat ihre Angriffe auch in der fünften Nacht in Folge fortgesetzt.

Wie der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira am frühen Donnerstagmorgen aus Tripolis berichtete, waren etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht (Ortszeit) schwere Explosionen in der libyschen Hauptstadt zu hören. Das libysche Staatsfernsehen berichtete außerdem von nächtlichen Angriffen auf Jafar, knapp 100 Kilometer südwestlich von Tripolis.

Unklar war zunächst, was das Ziel der Attacken in der libyschen Hauptstadt war. Wie eine Al-Dschasira-Korrespondentin berichtete, erschütterten die Explosionen den Süden und Südosten der Stadt. Auf Fernsehbildern war Luftabwehrfeuer der Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi zu sehen.

Aus Misurata wurden schwere Kämpfe zwischen Gaddafis Soldaten und Aufständischen gemeldet. Bewohner berichteten dem US-Sender CNN, dass am Mittwochabend auch das Krankenhaus der Stadt angegriffen worden sei. Panzer hätten die Klinik beschossen, zwei Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein.

Die internationale Koalition kündigte an, die Angriffe auf die Gaddafi-Truppen bei Misurata und der ebenfalls heftig umkämpften Stadt Adschdabija zu verstärken. Gaddafis Truppen hätten ihre Attacken auf die Bevölkerung in beiden Städten verstärkt, um Rebellen auszuschalten, sagte US-Konteradmiral Gerard Hueber am Mittwoch. „Als ein Ergebnis setzen wir Gaddafis Kräfte unter Druck, die diese Zivilisten angreifen.“ Gaddafis Bodentruppen führten auch Angriffe „in einer Reihe“ anderer Städte durch und brächten dadurch unschuldige Zivilisten in „ernste Gefahr“, schilderte Hueber weiter.

Die Koalition konzentriere ihre Attacken unter anderem auf motorisierte Einheiten Gaddafis, Boden-Luft-Raketenstellungen und darauf, Kommunikationslinien zu kappen. Gaddafis Luftwaffe sei nicht mehr einsatzfähig. „Die libysche Luftwaffe ist keine kämpfende Kraft mehr“, hatte zuvor bereits der Kommandeur der britischen Luftstreitkräfte, Greg Bagwell, in einem Interview der BBC erklärt. Die Flugzeuge der Alliierten könnten nahezu ungestört im Luftraum über Libyen operieren und die Flugverbotszone überwachen. Angesichts der andauernden Kämpfe rief UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die libysche Führung erneut zum sofortigen Ende aller Gewalt im eigenen Land auf. Zugleich warnte er: „Alle, die in Libyen gegen das Völkerrecht und die Menschenrechte verstoßen, werden voll zur Rechenschaft gezogen“

Die Piloten der britischen Kampfflugzeuge konzentrierten nun sich zunehmend auf die Geschehnisse am Boden. „Wir haben ein Auge auf die unschuldigen Menschen in Libyen und stellen sicher, dass sie nicht angegriffen werden“, sagte Bagwell. „Wir halten die libyschen Bodentruppen unter ständiger Beobachtung und wir greifen sie an, wann immer sie Zivilisten bedrohen oder sich besiedelten Zentren nähern.“ Nach Bagwells Angaben haben die Alliierten in den vergangenen Tagen 300 Einsätze über Libyen geflogen und 162 Tomahawk-Marschflugkörper abgefeuert.

Einwohner der libyschen Hauptstadt Tripolis berichten am Mittwochabend von neuen Luftangriffen. Acht Explosionen seien zu hören gewesen, Rauch steige auf. Das Staatsfernsehen berichtet über Angriffe auf militärische und zivile Ziele.

Ein Arzt in der Stadt Misrata berichtete derweil, dass sich Panzer der Regierungstruppen seinem Krankenhaus nähern und das Areal beschießen.

Zu zivilen Verlusten gab es zuletzt widersprüchliche Angaben. Ein Sprecher des Rebellen-Rates sagte, beim Beschuss der Stadt Sintan durch Gaddafi-Truppen seien sechs Zivilisten getötet worden. In Misrata hätten Heckenschützen am Mittwoch 16 Leute getötet.

Nach den Angaben eines hochrangigen US-Offiziers gebe es jedoch keine Berichte über zivile Opfer durch die Luftangriffe auf libysche Städte. Der Schutz von Zivilisten habe höchste Priorität. Das sei auch die Grundlage der Zielauswahl und der Angriffspläne, sagte Konteradmiral Gerard Hueber auf dem Kommandoschiff „Mount Whitney“.

Kommentare (16)

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Torsten

23.03.2011, 17:37 Uhr

Wie sollten sie auch, sie sind ja in der Minderheit. Die Tatsache, dass die innere Front selbst unter schwersten Bombardements nicht broeckelt, sollte auch dem letzten Utopisten zeigen, dass in Libyen die Mehrheit des Volkes hinter dem derzeitigen Regime steht; die Senussi wurden 1969 ohne militaerischen Konflikt verjagt - trotz Unterstuetzung durch marodierende Banden sind die heute noch nicht einmal zur Verwaltung Bengasis in der Lage. Trotz massiver Luftunterstuetzung scheitern sie an der Eroberung von Staedten mit 10.000 Einwohnern und dann will der laufende Meter aus dem Elysee uns einreden, dass diese Tageloehner einen Millionen-Metropole wie Tripolis besetzen und Gadaffi wegjagen koennen ? Das wird fuer die NATO ein ganz zaeher Sumpf - und erst einmal mit Bodentruppen engagiert endet die story wie Mogadischou oder wie Dien Bien Phu.

aruba

23.03.2011, 20:27 Uhr

Guten Tag;.... Ich erlaube mir meine Meinung zu den Ereignissen zu sagen.... Die " Kaempfer " egal von welcher Seite wirken auf mich wie Amateure. Mit Feuersalven und Schuessen in die Luft wird der Drecksack sicherlich nicht verjagt. Auch habe Ich Bedenken im Bezug auf die kriegerischen Zusammenstoesse. Keine Sau weiss noch wer Freund oder Feind ist. Bei aller Freundschaft zu mir bekannten Araabern wirken die " Kaempfer " auf mich wie die zerschlagenen Arabischen Armeen 1967. Mit Allah-Geschrei ist die Sache nicht getan. Gott stehe ihnen bei. Aber den gibt es nicht. Also bleibt nur noch der Teufel... Besten Dank

alex

23.03.2011, 21:38 Uhr

Es kann in einem land nur eine Regierung geben. die putschisten sollten ihrem land einen gefallen tun und ihre kapitulation vorbereiten. Was sie jetzt tun ist ihr land ins Unglück zu stürzen.

glauben sie das gadaffi 1 Million waffen ausgibt wenn er angst vor seinem volk hätte das ihn stürzen will?

die "regierung" in bengasi kann sich doch mit ihren regierungstruppen nach frankreich absetzen - die wollten sie doch haben.

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