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24.11.2015

12:39 Uhr

Kampfjet abgeschossen

Die Allianz der Kriegsherren bekommt Risse

VonOzan Demircan

Beim G20-Gipfel ließ sich Gastgeber Erdogan dafür feiern, Kremlchef Putin und die Machthaber des Westens an einen Tisch gebracht zu haben. Mit dem Abschuss dürfte sich das Verhältnis zu Russland abkühlen. Ein Kommentar.

Eskalation an syrisch-türkischer Grenze

Türkische Luftwaffe hat russischen Kampfjet über Syrien abgeschossen

Eskalation an syrisch-türkischer Grenze: Türkische Luftwaffe hat russischen Kampfjet über Syrien abgeschossen

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Noch vor einer Woche zeigte ein schwammig gewordenes Foto, wie US-Präsident Barack Obama und Kremlchef Wladimir Putin beim G20-Gipfel in einer Hotellobby reden und vermutlich über den gemeinsamen Kampf gegen den Terror sprechen. Gastgeber war die Türkei, die sich ebenfalls im Kampf gegen IS und Bürgerkrieg in Syrien engagiert.

Heute zeigte das türkische Fernsehen live, wie das eigene Militär einen russischen Kampfjet zu Boden bringt. Auf den Bildern ist zu sehen, wie die Maschine vom Typ SU24 brennend senkrecht zu Boden fällt. Die beiden Piloten segeln an Fallschirmen in einigem Abstand zum Wrack auf eine Bergregion zu.

Der türkische Staatschef Erdogan ließ sich in der Türkei noch selbst dafür feiern, Obama und Putin an einen Tisch gebracht zu haben. Jetzt lässt er über hohe Beamte im türkischen Präsidentenpalast durchsickern, dass Sicherheitskräfte offenbar ohne zu zögern ein russisches Flugzeug vom Himmel holen lassen.

Ozan Demircan ist Handelsblatt-Korrespondent in Istanbul.

Der Autor

Ozan Demircan ist Handelsblatt-Korrespondent in Istanbul.

Mit dem Abschuss dürfte sich das Verhältnis zu Russland erheblich abkühlen. Außerdem zeigt der Fall: Die Interessen sind nicht so eng beieinander, wie die Fotos vom Putin-Obama-Gespräch vermuten lassen. Russland bekämpft alle Oppositionsgruppen inklusive den IS und stützt damit die Regierungstruppen von Syriens Präsident Assad. Die Türkei und der Westen wiederum stellen sich gegen die Regierungstruppen sowie den IS, indem sie Oppositionsgruppen unterstützen.

Russisches Militär hatte in den vergangenen Tagen Dörfer im Nordwesten Syriens angegriffen, in denen viele Turkmenen leben. Das türkisch-stämmige Volk bildet eine Minderheit in dem Bürgerkriegsland und kämpft seit Jahren für mehr Autonomie. Im Kampf gegen Assad stellen sich die Turkmenen auf die Seite der Opposition und kämpfen ebenfalls gegen die Regierungstruppen.

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Türkei schießt russisches Militärflugzeug ab

Türkische Militärs haben ein Kampfflugzeug an der Grenze zu Syrien abgeschossen. Der russische Jet soll den Luftraum der Türkei verletzt haben. Kremlchef Putin nennt die Türkei „Helfershelfer von Terroristen“.

Die Offensive des russischen Militärs passte der Türkei überhaupt nicht. Sie beriefen eine Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrates ein. Außerdem kündigte Regierungschef Ahmet Davutoglu an, jegliches Fehlverhalten fremder Militärs sofort zu vergelten. Die Drohung war offenbar ernst gemeint.

Das klingt nicht nach trauter Einigkeit, sondern nach einem Nebenkriegsschauplatz. Anstatt dem gemeinsamen Feind, der Terrororganisation IS, Einhalt zu gebieten, streiten sich die beiden Länder um eine kleinere Volksgruppe. Der Abschuss macht deutlich, wie wichtig eine gemeinsame Resolution geworden ist. Anstatt den sicher unschönen Angriff auf eine Bevölkerungsminderheit im Nordwesten Syriens zu verurteilen, sollte der Uno-Sicherheitsrat mit einem robusten Beschluss endlich die Fronten in dem Konflikt klären. Dann müssten auch keine Flugzeuge mehr von denjenigen Kriegsparteien abgeschossen werden, die Obama, Erdogan und Europa eigentlich zu den Verbündeten zählen wollen.

Kommentare (14)

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Herr Vinzz Queri

24.11.2015, 12:37 Uhr

>> Die Zweckgemeinschaft bekommt Risse >>


Was sind die Interessen der Türken....?

- Die Grenzregionen in Syrien mit dort besiedelten Turkvölkern gehört zu Interessensphäre der Türkei

- Die Vernichtung der Kurden, die eine Abspaltung von der Türkei anstreben, gehöret zu Interessen der Türkei

- Der Bezug von billigem Öl von dem IS ( 10 bis 20 $/Barrel ) zum Weiterverkauf für 40 $/Barrel gehört zu Interessen der Türkei

- Der Waffenverkauf an den IS, Al-Kaida und sonstigen Militärgruppierungen gehört zu Interessen der Türkei

- Die Erpressung der EU mit der Flüchtlingswelle gehört zu Interessen der Türkei

Was wollen die Russen.....?

- Die Vernichtung des IS gehört zu Interessen der Russen

- Die Unterbindung der Finanzströme des IS ( Öleinnehmen mittels Ölverkauf an die Türkei ) gehört ebenso dazu

- Stützung des Assad-Regimes, das den Boykott des Gas-Pipline-Baus zum Gasexport aus Qatar nach Europa über die Türkei gewährleistet ist auch von Interesse der Russen ( Schutz der Gasprom-Liefer-Interessen ), sowie Beibehaltung der einzigen Militärbasis in der Mittelmeerregion

- Großmachtbestrebungen mit Vorführung des Militärpotentials auf internationaler Bühne als Neue Ideologie sind den Russen auch willkommen

Die Russen haben aber einen GRUNDFEHLER zum Erreichen ihrer Interessen eingebaut :

Bombardierung eines Volkes aus der Luft mit all den Gräueltaten an der Zivilbevölkerung, die so ein Bombardement mit sich bringt. Das wird mittel- und langfristig alle ihre Interessen zu Nichte machen !

Die Türken haben beim Erreichen ihrer Interessen AUCH einen Grundfehler eingebaut : ihnen ist das Schicksal der Syrer absolut sekundär und sie nehmen den Völkermord der NATO, der in der Region veranstaltet wird, lächelnd in Kauf.

Diese Strategie wird auch scheitern !

Beim Zerwürfnis werden Beide Einbußen hinnehmen müssen .
Die Russen machen einen nicht unerheblichen Touristenstrom in der Türkei aus, die Türken haben immer größere Aufträge in der Baubranche gehabt.

Herr C. Falk

24.11.2015, 12:39 Uhr

Man kann nun wirklich nicht behaupten, dass Erdogan ein vollwertiges Mittglied
in der Anti-IS Koalition ist ,genau so wenig wie Saudi-Arabien.

Die geopolitischen Interessen der Türkei snd andere als die Frankreichs oder der EU.

Für Erdogan war der IS immer Mittel zum Zweck. Der Zweck hieß und heißt der Sturz Assads. Durch Ölgeschäfte des IS mit der Türkei hat Erdogan ganz selbstverständlich und offen die ökonomische Basis des IS gestärkt und sogar erst ermöglicht.

Auch das Umleiten der Flüchtlingsströme Richtung Europa und vor allem Deutschland ist eine Trumpfkarte Erdogan, die er jetzt in den Verhandlungen mit Frau Merkel auszuspielen gedenkt.

In diesem Spiel hängt alles mit allem zusammen Sich hier einen umfassenden Überblick zu verschaffen, wäre notwendig, ob dazu die deutschen Analysten, die letzendlich auch Regierungspolitik beeinflussen dazu in der Lage sind, erscheint fraglich.

Account gelöscht!

24.11.2015, 12:42 Uhr

Russland will Syrien kontrollieren um damit ein Bein im Nahen- und Mittleren Osten bzw. auch im Mittelmeerraum zu haben. Darum wird sich Putin auch nicht von so einen Zwischenfall (dem Abschuss eines Kampffluges) nicht aus der Ruhe bringen lassen.
Russland verfolgt eine langfristige Strategie mit Syrien.
Gelingt es Putin in Syrien für Ruhe und Ordnung zu sorgen und das Land unter Kontrolle zu bringen, hat Putin alles richtig gemacht.

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