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22.05.2011

21:36 Uhr

Kandidat für Chefposten

Mexiko fordert in IWF-Streit Europa heraus

In Europa hat man auf einen internen Konkurrenz-Kampf um den IWF-Chefposten gehofft. Die Pläne macht nun Mexiko zunichte. Die Lateinamerikaner schicken einen eigenen Kandidaten ins Rennen.

Mexikos Antwort auf Christine Lagarde: Agustin Carstens, Chef der mexikanischen Zentralbank, steigt ins Rennen um den IWF-Spitzenposten ein. Quelle: Reuters

Mexikos Antwort auf Christine Lagarde: Agustin Carstens, Chef der mexikanischen Zentralbank, steigt ins Rennen um den IWF-Spitzenposten ein.

DüsseldorfMexiko will seinen Zentralbank-Chef Agustin Carstens ins Rennen um den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds (IWF) schicken. Das mexikanische Finanzministerium teilte am Sonntag mit, dass Carstens offiziell als Kandidat für die Position vorschlagen werden solle.

Carstens habe die nötigen Fähigkeiten und Qualifikationen, um den Fonds führen zu können. Finanzminister Ernesto Cordero hatte erst am Donnerstag erklärt, Carstens wäre der beste Kandidat für die Nachfolge des wegen Vergewaltigungsvorwürfen zurückgetretenen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn. Carstens war bereits drei Jahre stellvertretender IWF-Chef, bevor er 2006 Finanzminister wurde. Seit Januar 2010 leitet er die mexikanische Notenbank.

Nach dem Rücktritt des Franzosen Strauss-Kahn rütteln führende Schwellenländer wie China und Brasilien an dem traditionellen Anspruch Europas auf den IWF-Chefposten. Auch die mexikanische Regierung hatte öffentlich gefordert, dass die Nationalität bei der Berufung des neuen IWF-Chefs nicht die Hauptrolle spielen sollte. Als Favoritin der Europäer kristallisiert sich zunehmend die französische Finanzministerin Christine Lagarde heraus.

Eine Abfuhr bekam die französische Kandidatin auch aus der Schweiz. Rene Weber, Vertreter der Eidgenossenschaft im vier Mitglieder zählenden IWF-Wahlgremium, sagte der Zeitung "Der Sonntag", für sein Land seien die fachliche Qualifikation, der Leistungsnachweis und die Verpflichtung zu stabilen Währungs- und Finanzbeziehungen ausschlaggebend. „Die Schweiz unterstützt nicht a priori einen Europäer“, sagte Weber. Auch überzeuge ihn das Argument nicht, dass ein europäischer Chef des Internationalen Währungsfonds stark in die Lösung der europäischen Schuldenkrise eingebunden sei. „Es könnte im Gegenteil besser sein, wenn ein Externer auf die ökonomischen Schwachstellen innerhalb der Eurozone hinweist“, sagte Weber.

Bis Ende kommenden Monats will der IWF einen Nachfolger für den zurückgetretenen Strauss-Kahn finden.

Der IWF und die Suche nach einem Chef

Wie das Stimmrecht im IWF verteilt wird

Das Kapital des IWF stellen die 187 Mitgliedsländer. Jedem Staat wird ein Kapitalanteil (Quote) zugeordnet. Je höher die Quote, desto mehr muss das Land einzahlen. Damit verbunden sind aber auch Stimmrechte. So haben die USA einen Stimmanteil von 16,7 Prozent, Japan von 6,25 Prozent und Deutschland von 5,8 Prozent. Zentrale Beschlüsse im IWF müssen mit einer Mehrheit von 85 Prozent getroffen werden. Die USA verfügen somit de facto über eine Sperrminorität.

Wie der IWF geleitet wird

Entscheidungen werden vom IWF-Stab unter Leitung des Geschäftsführenden Direktors vorbereitet und vom Exekutivdirektorium gebilligt. Dieses Führungsgremium besteht aus 24 Direktoren. Fünf von ihnen werden von den Mitgliedsstaaten mit den größten Quoten ernannt, die verbleibenden vertreten jeweils mehrere Mitgliedsländer, die in Stimmrechtsgruppen zusammengefasst sind. Die Direktoren wählen ihrerseits den Geschäftsführenden Direktor (Managing Director, kurz MD). Der MD hat eigentlich kein Stimmrecht, kann jedoch bei Stimmenparität mit seinem Votum den Ausschlag geben. Er ist für das Tagesgeschäft, die Organisation und die Personalpolitik des Fonds zuständig. Als Kontrollorgan fungiert das Exekutivdirektorium, das dem MD die Amtsführung entziehen kann. Grundsatzentscheidungen werden vom Gouverneursrat des IWF und vom International Monetary and Financial Committee getroffen, die bei den Herbst- und Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank zusammenkommen.

Wie die wichtigen IWF-Posten besetzt werden

Die großen Wirtschafts- und Währungsräume USA und Europa haben sich informell darauf verständigt, wichtige Posten untereinander aufzuteilen. Demnach stellen die USA traditionell den Direktor der Weltbank, während der Geschäftsführende Direktor des IWF von einem EU-Mitgliedsland gestellt wird. Diesen wichtigen Posten hatte auch der spätere deutsche Bundespräsident Horst Köhler von 2000 bis 2004 inne. Insbesondere die Schwellenländer dringen jedoch seit Jahren darauf, dass das informelle Abkommen gekippt und der Posten des
MD ausgeschrieben wird. Bei der Wahl von Strauss-Kahn hatten diese Staaten bereits die informelle Zusage erhalten, dass der nächste IWF-Chef nicht mehr nach der alten „Erbhof-Politik“ bestimmt werden soll. In den Statuten ist diese Änderung jedoch ebenso wenig wie die alte Regelung verankert.

Warum der IWF so wichtig ist

Was ist der IWF?

Der Internationale Währungsfonds (IWF), der zusammen mit den EU-Staaten zur Rettung der Staatsfinanzen der Euro-Wackelkandidaten einspringen soll, ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Er wurde zusammen mit der Weltbank im Juli 1944 bei der Währungskonferenz in Bretton Woods im US-Staat New Hampshire gegründet.

Wer sind die Mitglieder im IWF?

Dem IWF mit Hauptsitz in Washington (englisch: IMF für International Monetary Fund) gehören heute 186 Staaten an. Das Stimmrecht der Mitgliedsländer richtet sich nach ihrem Kapitalanteil. Dementsprechend zählen die USA (mit 16,77 Prozent), Japan (6,02 Prozent) oder auch Deutschland (5,88 Prozent) zu den Schwergewichten des IWF. Gambia hingegen kommt auf nur 0,03 Prozent und Haiti auf 0,05 Prozent.

Welche Aufgabe hat der IWF?

Hauptaufgabe ist die Wahrung einer stabilen Währungsordnung. Dazu zählt vor allem auch die Verhinderung von Finanzkrisen - wie etwa 1994/1995 in Mexiko oder 1997/1998 in Asien

Welchen Staaten hat der IWF in den letzten Jahren geholfen?

In der jüngeren Vergangenheit griff der IWF auf Ersuchen der jeweiligen Regierungen beispielsweise in der Ukraine, Island, Ungarn, Pakistan und eben auch im Euro-Staat Griechenland ein. Für die betroffenen Staaten ist das mit strengen Auflagen für die Sanierung ihrer Finanzen verbunden.

Wer leitet den IWF?

An der Spitze des Internationalen Währungsfonds steht traditionell ein Europäer. Dagegen wird die Weltbank von einem Amerikaner geführt. Bislang einziger deutscher IWF-Direktor war Horst Köhler. Er hatte das Amt inne, bevor er 2004 zum Bundespräsidenten gewählt wurde.


Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

22.05.2011, 22:17 Uhr

Lächerlich.

Mexico ist ein gescheiterter Staat. Außerdem hat ganz Lateinamerika weniger Beteiligung am IWF als Spanien. Also erst zahlen, dann Maul aufmachen.

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