Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2007

14:36 Uhr

Kandidat für Präsidentschaftswahl

Frankreichs Konservative stehen zu 100 Prozent hinter Sarkozy

Mit einem Traumergebnis ist Nicolas Sarkozy am Sonntag offiziell zum Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im April nominiert worden. Doch während die Deligierten der französischen Regierungspartei UMP hinter dem als Law-and-Order-Mann bekannt gewordenen Sarkozy stehen, sieht das in der Bevölkerung ganz anders aus.

Nicolas Sarkozy konnte auf dem Sonderparteitag alle Deligierten für sich gewinnen. Foto: ap ap

Nicolas Sarkozy konnte auf dem Sonderparteitag alle Deligierten für sich gewinnen. Foto: ap

HB PARIS. 70 000 Parteimitglieder feierten den Innenminister im Parc des Expositions in Paris. In einer Urabstimmung erhielt Sarkozy 100 Prozent der Stimmen – er war der einzige Kandidat.

Nachdem ein Störfeuer von Sarkozys Rivalen, Premierminister Dominique de Villepin und Staatspräsident Jacques Chirac, die vergangenen Tage geprägt hatte, bemühte sich Sarkozy um die Einheit der Partei. „Ich brauche jeden hier“, sagte der Kandidat zum Auftakt des Sonderparteitages. Er begrüßte Villepin demonstrativ herzlich, der Premier verließ den Parteitag jedoch nach einer halben Stunde wieder. Chirac, der sich die Möglichkeit einer eigenen Kandidatur noch offen hält, blieb der Veranstaltung ganz fern.

Für Sarkozy ist die Nominierung ein Wendepunkt: „Nach dem 14. Januar werde ich frei sein“, sagte er im Sommer, als der parteiinterne Machtkampf noch nicht gewonnen war. In den vergangenen Tagen schlugen sich wichtige Vertraute Chiracs, wie Ex-Premier Alain Juppé und Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie, auf seine Seite. „Nicolas, Du kannst auf mich zählen“, rief Alliot-Marie am Sonntag unter dem Jubel der Massen.

Als offizieller Kandidat will Sarkozy sein Image vom Law-and-Order-Innenminister abmildern und sich als Integrator zeigen. „Ich habe mich verändert, weil ich verstanden habe, dass ich durch Eure Wahl nicht mehr der Mann einer Partei bin, sondern ganz Frankreichs“, sagte er. Die Liebe zu seinem Land stellte er in den Mittelpunkt seiner Rede.

Franzosen misstrauen Sarkozy

Seine aggressive Art, mit der er die eigene Partei überzeugt hat, ist vielen Landsleuten suspekt. In einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage gaben 51 Prozent an, Sarkozy „beunruhige“ sie. Die sozialistische Kandidatin Ségolène Royal, mit der Sarkozy in Umfragen Kopf-an-Kopf liegt, sammelt dagegen durch ihre ruhige und charmante Art viele Pluspunkte.

Das 3,5 Mill. Euro teure mediale Großereignis mit gigantischen Leinwänden ließ Sarkozy, der auch Parteichef ist, im Geheimen vorbereiten. In der Messehalle im Süden von Paris gründete Chirac 1975 die gaullistische Sammlungsbewegung RPR, 20 Jahre später startete er dort seine erfolgreiche Präsidentschaftskampagne. In Bussen und Sonderzügen wurden die UMP-Mitglieder aus ganz Frankreich herbeigebracht, um Sarkozy Rückenwind für das Rennen um den Élysée-Palast zu geben. Die riesige Bühne war in die Parteifarben rot und blau getaucht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×