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03.06.2011

08:10 Uhr

Kandidatur für das Weiße Haus

Der Stachel im Fleisch von Mitt Romney

VonMarkus Ziener

Mitt Romney ist aktueller Favorit der Republikaner für die US-Präsidentschaftswahlen 2012. Doch sein eigentlicher Gegner ist nicht Amtsinhaber Obama, sondern eine unberechenbare Konkurrentin aus den eigenen Reihen.

Mitt Romney gibt sich gerne volksnah. Quelle: dapd

Mitt Romney gibt sich gerne volksnah.

Washington/StrathamDieser Mann kann nicht aus seiner Haut. Auch wenn er es noch so sehr will. Mitt Romney, 64 Jahre alt, Ex-Gouverneur, und steinreicher Geschäftsmann möchte so gerne sein, was er nicht ist: lässig und authentisch. Also hat er Jackett und Krawatte weggelassen, sich den Hemdkragen aufgeknöpft und die Ärmel hochgekrempelt. Romney will locker wirken, volksnah, geerdet. Doch als er schließlich spricht, klingen seine Sätze nur gut gelernt und sein Lachen sieht aus wie einstudiert. Dabei ist er doch der aktuelle Favorit unter den republikanischen Bewerbern um die Spitzenkandidatur ihrer Partei, der mögliche Herausforderer von Barack Obama im Jahr 2012. Und der sollte eigentlich souverän sein, gelassen, echt.

Doch das ist dieser Mitt Romney nicht, zumindest nicht an diesem Mittag in Stratham in New Hampshire, wo er auf einem improvisierten Podium steht. Was die rund 300 Zuschauer erleben ist vielmehr der Auftritt eines Menschen, der im Grunde schon alles erreicht hat in seinem Leben. Und bei dem man sich fragt, warum er glaubt, nun ausgerechnet auch noch nach der Krone in der Politik greifen zu müssen, der US-Präsidentschaft. Howard Fineman, bekannter Journalist und jetzt Blogger für die Huffington Post wird hinterher über Romneys offiziellen Wahlkampfbeginn schreiben, dass dieser an diesem Tag in Stratham so wirkt, als müsse er einen Punkt auf seiner To-Do-Liste abarbeiten. Und er hat Recht: Leidenschaft sieht anders aus.

Dabei hat Romney, der sich bereits 2008 um den Spitzenjob bewarb und am Ende nur knapp gegen John McCain verlor, alles richtig gemacht. Er wählte New Hampshire für den Start seiner Kampagne, weil der Bundesstaat im Norden ganz am Anfang der Vorwahlen im nächsten Jahr steht und enorm wichtig für den weiteren Verlauf ist. Er suchte sich für den Auftakt die Farm von Doug Scamman, dem langjährigen republikanischen Abgeordneten im Repräsentantenhaus von New Hampshire und einem politischen Urgestein. Und er sagt all die Dinge, die Republikaner gerne hören: Er lobt Amerika, er verspricht Steuersenkungen, er schwärmt von seiner Frau und seiner Familie und er schilt Obama einen Versager.

Doch als er am Ende seiner 20minütigen Rede erklärt, dass er für das Amt des US-Präsidenten kandidieren wird, ist der Jubel nur kurz. Fast ein bisschen so, als  würden seine Anhänger, die in den abgelegenen Flecken gekommen sind, spüren, dass irgendetwas fehlt an Mitt Romney – und dass es am Ende wieder nicht klappen wird. So, als würden sie sehen, dass das offene karierte Hemd nicht zur teuren blauen Stoffhose und den feinen Lederschuhen passt. Dass man einfach nicht weiß, ob dieser Mitt Romney wirklich so ein netter Kerl ist, wie er vorgibt - oder eben vielleicht doch ganz anders. Und ob man eigentlich einen netten Kerl im Weißen Haus haben will – oder doch jemanden anderen. Vielleicht sogar jemanden wie Sarah Palin.

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