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28.01.2011

19:11 Uhr

Kanzlerin in Davos

Merkel warnt vor einem Abrutschen Europas

VonDaniel Goffart

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat davor gewarnt, sich nach der Krise jetzt einfach zurückzulehnen. Beim Weltwirtschaftsforum sprach sich Merkel deshlab für eine viel engere Zusammenarbeit in der Euro-Zone aus.

dpa

Davos. "Es liegt noch ein gewaltiges Stück Arbeit vor uns, denn eine Krise kann sich durchaus wiederholen", sagte Merkel beim Weltwirtschaftsforum in Davos. "Wir brauchen noch mehr Regulierung und wir haben noch keine international abgestimmte Antwort auf die Frage, was wir tun, wenn wieder ein grosses Bankhaus zusammenbricht", mahnte die Kanzlerin. Der Steuerzahler dürfe die Rechnung nicht wieder alleine zahlen. Merkel appellierte an die Manager, nicht alle Kraft darauf zu verwenden, notwendige Regulierung zu verhindern oder zu umgehen.

Mit Blick auf die Weltwirtschaft sagte Merkel, dass die Wechselkurse durchaus die jeweilige wirtschaftliche Situation widerspiegeln würden. Allerdings dürften die Ungleichgewichte nicht noch weiter zunehmen. Die größte Sorge aber sei, dass es jetzt nach der Krise wieder Tendenzen von Protektionismus gebe, warnte die Kanzlerin. "Wir sind bei der Wiederaufnahme der Doha-Runde nur Meter vor dem Ziel, aber das leider schon seit zehn Jahren", so Merkel. Sie unternehme jetzt gemeinsam mit mit Großbritannien, Indonesien, Indien und der Türkei einen neuen Anlauf, um die Welthandelsrunde wieder in Gang zu bringen. Dabei müsse jeder auf einen Teil seiner Forderungen verzichten, forderte die Kanzlerin. "Wenn es diesmal nicht gelingt, wird es wieder viele Jahre dauern."

Merkel kündigte im Rahmen der G 20 auch an, die Spekulationen mit Rohstofen einzuschränken. "Wir brauchen mehr Transparenz und gerechter Zugang zu Rohstoffen", verlangte Merkel, "besonders beim Thema seltene Erden".

Bei der Bewältigung der Krise müsse jede Region ihre Hausaufgaben machen, sagte die Kanzlerin. "Europa hat die Krise gut gemeistert, aber die Folge ist eine Schuldenkrise. Das darf aber nicht mit einer Krise des Euro verwechselt werden", betonte Merkel. Der Weg zurück zu Stabilität gehe nur über nachhaltige Finanzpolitik und den Verzicht auf weitere Schuldenpolitik. So habe die Haushaltssanierung Deutschland nicht geschadet, denn auch die Binnenkonjunktur ziehe wieder an.

"Der Euro ist ein Friedenswerk. Wir werden den Euro verteidigen und wieder stabilisieren", betonte Merkel wie am Tag zuvor schon der französische Staatspräsident Nikolas Sarkozy. Das Problem liege in der hohen Verschuldung einiger Länder und im fehlenden Vertrauen der Märkte. "Die Verschuldung ist die größte Gefahr fuer die Prosperität Europas", sagte die Kanzlerin. Deshalb müssten die Euro-Länder wettbewerbsfähiger werden. Dazu gehöre eine engere wirtschaftspolitische Koordinierung. Man könne nicht eine gemeinsame Währung haben und weit auseinanderklaffende Sozialsysteme. Angleichungen muüsse es auch bei Bildung und Forschung geben, so Merkel. "Der Maßstab ist dabei die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit." Solidarität und Wettbewerbsfähigkeit in Europa seien zwei Seiten der gleichen Medaille.

Kommentare (39)

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Thomas Melber, Stuttgart

28.01.2011, 20:25 Uhr

"Mit blick auf die Weltwirtschaft sagte Merkel, dass die Wechselkurse durchaus die jeweilige wirtschaftliche Situation widerspiegeln würden."

Aha. Für den europäischen Währungsraum gilt dies eben nicht, und genau dies ist das Problem, Frau Merkel!

Lutz

28.01.2011, 20:45 Uhr

"...sich nach der Krise jetzt einfach zurückzulehnen." ???

Lebt diese Frau auf einer einsamen insel? Wir sind mittendrin.

minburi

28.01.2011, 23:23 Uhr

@ Thomas Melber
Was wollen Sie sagen ? Vermutlich, daß einige Staaten der Eurozone eine eigene Währung brauchen um durch Abwertung wieder konkurrenzfähig zu werden.
Obwohl dies zwar eine Möglichkeit wäre, ist es eben nicht die einzige und noch nicht einmal die nächstliegende Lösung.
Nächstliegend ist nämlich, daß die Löhne sinken. Wenn ein Land wie Griechenland wegen jahrelang hoher Lohnzuwächse nicht mehr wettbewerbsfähig ist, dann ist es doch normal, daß dort Löhne sinken. Die beste Möglichkeit wäre natürlich die Produktivität zu erhöhen, aber das ist langwieriger Prozess, deshalb sind zunächst Lohnkürzungen erforderlich. Dann wird auch der Urlaub in Griechenland wieder billiger, auch ohne zurück zur Drachme.
Griechenland ist auf dem besten Weg, allerdings müssen sich die Griechen ein paar Jahre mit einer Nullrunde abfinden, während in Deutschland endlich die Löhne stärker steigen dürfen.

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