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02.05.2014

09:04 Uhr

Kanzlerin in Washington eingetroffen

USA erwarten von Merkel mehr Härte gegen Putin

Kurz vor Merkels Ankunft in Washington kritisiert der einflussreiche US-Senator John McCain sie scharf. Ihre fehlende Führungsstärke sei ihm "peinlich." Viele Amerikaner fordern von der Kanzlerin mehr Härte gegen Putin.

Der frühere republikanische Präsidentschaftskandidat und einflussreiche US-Senator John McCain: Für Merkels Haltung in der Ukraine-Krise hat er kein Verständnis. Reuters

Der frühere republikanische Präsidentschaftskandidat und einflussreiche US-Senator John McCain: Für Merkels Haltung in der Ukraine-Krise hat er kein Verständnis.

WashingtonBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihren mit Spannung erwarteten Besuch in den USA begonnen. Ihr Regierungsflieger landete am Donnerstagabend (Ortszeit) auf dem internationalen Flughafen der Hauptstadt Washington. Unmittelbar nach ihrer Ankunft am Donnerstag (Ortszeit) traf Merkel mit US-Senatoren zusammen.

Am Freitag kommt sie mit US-Präsident Barack Obama zusammen, zudem stehen eine Pressekonferenz und ein Mittagsessen an. Danach will Merkel vor Unternehmern für das transatlantische Freihandelsabkommen werben. Zum Abschluss des knapp 24-stündigen Besuchs spricht sie mit Christine Lagarde, der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Insider in Washington warnen vor hohen Erwartungen an die Gespräche. Merkel werde die Spionageaffäre erneut ansprechen, doch Obama dürfte auf deutsche Forderungen und Vorschläge für Konsequenzen kaum eingehen. Stimmen aus der eigenen Partei raten der Kanzlerin allerdings, die leidige Frage hinter sich zu lassen.

Merkel und Obama dürften auch versuchen, das wegen der Spionageaffäre um den US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) belastete deutsch-amerikanische Verhältnis wieder zu verbessern. Merkel ist selbst betroffen - die NSA hatte bis 2013 auch ihr Handy abgehört. Die US-Regierung hat weitreichende deutsche Vorschläge für Konsequenzen aus der Affäre bislang zurückgewiesen.

„Die fehlende Führungsstärke in Berlin ist peinlich“

US-Regierungssprecher Jay Carney betonte, fraglos sei die Situation in der Ukraine „im Fokus der Gespräche“. Vor allem von Kongressmitgliedern kommen immer wieder Forderungen, Merkel sollte sich für schärfere Sanktionen einsetzen. Aber es gebe auch andere Themen. „Dies eine sehr wichtige Freundschaft und Beziehung“, sagte Carney.

Die deutsche Abhängigkeit von russischem Gas und Öl

Gas

Deutschland kann aus eigenen Quellen gut zehn Prozent seines Bedarfs decken. Der Rest wird überwiegend aus Norwegen (gut ein Viertel) und den Niederlanden (knapp ein Fünftel) geliefert. In unterirdischen Speichern wird im Regelfall der Bedarf für mindestens zwei Monate vorgehalten. Russland ist somit größter Lieferant beider Brennstoffe für Deutschland. Beim Gas bezieht auch die EU insgesamt rund ein Viertel ihres Verbrauchs aus Russland.

Gastransport

Die Hälfte des russischen Gases nimmt den Weg über die Ukraine. Da beide Länder schon häufig über Preise, Transitgebühren und Lieferungen stritten und zeitweise die Versorgung unterbrochen war, wurden in Europa Alternativen gesucht. So wurde die Pipeline Nord Stream, die von Russland über den Ostseegrund direkt nach Deutschland führt, gebaut. Sie ist nicht ausgelastet und könnte weiteres Gas aufnehmen, sollte über die Ukraine nicht mehr geliefert werden. Daneben strömt ein großer Teil des Brennstoffes auch über die Jamal-Pipeline über Weißrussland und Polen nach Deutschland.

Ein weiterer Weg wäre der Import von flüssigem Erdgas etwa aus dem Nahen Osten über Tanker nach Deutschland. In der Bundesrepublik gibt es aber kein Terminal zum Entladen. Auch eine Einfuhr etwa über Rotterdam spielt kaum eine Rolle.

Gaseinsatz und -preis

Gas wird in Deutschland zum Heizen, für die Industrie und die Stromherstellung gebraucht. Letztere hat im Zuge der Energiewende an Bedeutung verloren, da die Kraftwerke durch Ökostrom-Anlagen verdrängt werden.

Daran ändert auch der Druck auf die Gaspreise weltweit nichts. Zwar steigt der Energiehunger in China und Indien. Auf der anderen Seite aber hat der Boom der Schiefergas-Gewinnung, dem sogenannten Fracking, die USA von Importen unabhängig gemacht. Das Land will nun sogar Gas ausführen. Auch die Ukraine wollte das Potenzial von Schiefergas nutzen und sich unabhängiger von Russland machen. Das erste Projekt zur Schiefergasförderung wurde Anfang 2013 zwischen der ukrainischen Regierung, dem Konzern Royal Dutch Shell und dem ukrainischen Partner Nadra geschlossen. Es geht um eine Fläche von der Größe des Saarlands. Der russische Gasmonopolist Gazprom hatte sich angesichts der Fracking-Konkurrenz zuletzt verstärkt bemüht, den Absatz nach Westeuropa zu sichern.

Öl

Russland ist auch Deutschlands größter Öllieferant. An Position zwei und drei liegen Großbritannien und Norwegen mit jeweils um die zehn Prozent. Auch Libyen, Nigeria und Kasachstan spielen ein Rolle. Gespeichert wird in Deutschland Öl für den Bedarf von mindestens 90 Tagen.

Transport

Der größte Teil des russischen Öls kommt über die Pipeline Druschba (Freundschaft) über Weißrussland und Polen ins brandenburgische Schwedt. Ein zweite Leitung führt über das Gebiet der Ukraine.

Öleinsatz und -preis

Öl wird als Treibstoff, für die Chemie, aber auch in vielen anderen Grundstoff-Industrien benötigt. Auch als Heizöl wird es in Deutschland oft eingesetzt. Der Preis ist nach jahrelangem Anstieg auf dem Weltmarkt etwas zurückgegangen. Die EU und Deutschland versuchen sich über den Einsatz von Biokraftstoffen und Elektroautos langfristig unabhängiger von Erdöl zu machen. Die Abhängigkeit bleibt aber für die kommenden Jahrzehnte hoch.

Kurz vor dem Eintreffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Washington übte der einflussreiche US-Senator John McCain scharfe Kritik an der Ukraine-Politik der deutschen Regierung geübt. Die fehlende Führungsstärke in Berlin sei ihm "peinlich", sagte McCain am vor Journalisten im Kongress. Der republikanische Politiker erklärte, er werde Merkel am Rande ihres Besuchs in der US-Hauptstadt treffen und ihr dies dann auch so sagen.

Kommentare (18)

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02.05.2014, 07:55 Uhr

Die "NSA-Schnüffler-Nation" erwarten mehr Härte ? Gerade die.

Sie sind doch diejenigen die die Ukraine dahin gehetzt hat wo sie heute ist, durch Finanzierung der Putschisten und Aufstachelung der Natoverbündeten.

Sie, - die USA und auch der Westen und Nato generell veranstalten nur eines: Volksverhetzung !

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02.05.2014, 07:58 Uhr

Blabla fürs tumbe Volk.....
Eigentlich sind Obama, Merkel & Co. schlechte Schauspieler.
Aber gemessen an der Naivität und Dummheit der Menschen sind es wohl gute.....

Account gelöscht!

02.05.2014, 08:00 Uhr

Kanzlerin in Washington eingetroffen, USA erwarten von Merkel mehr Härte gegen Putin!
Warum fliegt die abgehörte Kanzlerin überhaupt nach Washington?
Solange die NSA-Affäre nicht gelöst ist, braucht sie nicht in die USA fliegen.
Alles was zu sagen ist, kann sie am roten Telefon besprechen, oder ist dies wider ein weiterer unterwürfigkeits Besuch der Kanzlerin?
Wenn die USA-Krieg mit Russland wollen, sollen sie dies ohne deutsche Beteiligung tun, niemand auf der Welt will eine Weltregierung, nur die USA.
Nein, nein, nein!!!

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