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27.03.2013

06:38 Uhr

Kapitalflucht aus Zypern

Das Geld ist schon woanders

Vor der Schließung der Banken sollen große Mengen Geld aus Zypern abgeflossen sein. Auch zyprische Beamte sollen ihre Konten leer geräumt haben. Ziel der Überweisungen könnte ein anderes EU-Land sein.

Trotz eingefrorener Konten

Kapitalflucht in Zypern

Trotz eingefrorener Konten: Kapitalflucht in Zypern

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Nikosia/BrüsselAnleger in Zypern haben vor der Bankenschließung möglicherweise im großen Stil Geld abgezogen. Der zyprische Parlamentspräsident Giannakis Omirou will den Verdacht prüfen, wonach es ungewöhnlich hohe Geldüberweisungen ins Ausland sowie größere Bargeld-Abhebungen gegeben haben soll.

Omirou soll eine Liste mit Überweisungen der vergangenen Wochen angefordert haben. Zudem untersucht die Regierung in Nikosia, ob auch hohe Summen ins Ausland transferiert wurden, als die Banken bereits geschlossen hatten und das Online-Banking gesperrt war.

Der Abfluss von Kapital soll zuerst bei der Europäischen Zentralbank (EZB) aufgefallen sein: Zyprische Banken forderten demnach viel mehr Geld an als ihre Kunden sich von Geldautomaten holten.

Wie die Laiki-Bank abgewickelt wird

Einlagen eingefroren

Die Laiki Bank wird sofort abgewickelt – und zu Teilen der Bank of Cyprus zugeschlagen.. Einlagen über 100.000 Euro und Mittel aus Aktien und Anleihen werden dabei eingezogen. Nur die unversicherten Einlagen über 100.000 Euro werden eingefroren, bis eine Rekapitalisierung erreicht wurde.

Bad Bank

Laiki wird in eine "Bad Bank" und eine "Good Bank" aufgeteilt. Die "Bad Bank" wird langfristig abgewickelt. Die "Good Bank" wird Teil der Bank of Cyprus (BoC). Dabei werden neun Milliarden Euro an offenen Notkrediten bei der Zentralbank eingebracht.

EZB

Die EZB wird der BoC Liquidität bereitstellen.

Rekapitalisierung

Die Rekapitalisierung der BoC erfolgt durch eine Umwandlung der Einlagen über 100.000 Euro in Aktien. Dabei werden die bisherigen Aktionäre und Anleihen-Besitzer voll einbezogen.

Umwandlung

Die Umwandlung erfolgt in der Form, dass bis zum Ende des Programms eine Eigenkapitalquote von neun Prozent erreicht wird.

Versicherte Einlagen

Alle versicherten Einlagen in allen Banken genießen den vollen Schutz der entsprechenden EU-Richtlinien.

Hilfsgelder

Die Hilfsgelder von bis zu zehn Milliarden Euro werden nicht verwendet werden, um die Laiki Bank und die BoC zu rekapitalisieren.

Der zyprische Parlamentspräsident will auch prüfen, ob hohe Beamte ihr Geld ins Ausland geschafft haben, die in Entscheidungszentren der Notenbank oder im Präsidialgebäude sitzen und von der bevorstehenden Entscheidung zur Schließung der Banken am 16. März wussten. Zyprische Medien berichteten ohne Quellenangabe, es seien „Unmengen“ von Geld abgehoben worden.

Schon vor Wochen empfahlen zyprische Wirtschaftskanzleien ihren ausländischen Kunden, die auf Zypern eine Firma unterhalten, ein Konto auf Malta. Der Trend habe stark zugenommen, seit die ersten Spekulationen über eine Beteiligung von Spareinlagen an der Bankenrettung aufkamen, sagte ein Insider dem Handelsblatt.

Internationale Kanzleien mit Sitz in Texas schickten gezielt E-Mails an zyprische Firmen. "Malta besitzt einen starken Finanzsektor, eine gute Wachstumsrate und niedrige Staatsschulden", hieß es darin. Bemühungen, die bisher nach Zypern fließenden Gelder aus Russland, der Ukraine, Großbritannien und dem Libanon anzuziehen, gibt es nach Angaben von Insidern auch von Kanzleien auf der Isle of Man und aus Lettland.

Bürger demonstrieren in Nikosia

Video: Bürger demonstrieren in Nikosia

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Die Banken sollen am Donnerstag nach fast zwei Wochen wieder öffnen. Die Regierung fürchtet Chaos. Unklar waren zunächst Details zu Kapitalbeschränkungen, mit denen Zypern nach Öffnung der Banken massive Geldabflüsse verhindern will. Möglicherweise gelten sie für einige Wochen. Es wird erwartet, dass Bankkunden künftig nur bestimmte Höchstbeträge pro Tag und Monat abheben dürfen. Das Limit für Geldautomaten war am Sonntag je nach Bank auf 100 bis 120 Euro reduziert worden.

Kommentare (53)

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milo

27.03.2013, 07:34 Uhr

Logisch dass das grosse Geld schon weg ist, wer hat denn etwas anderes erwartet. Solange Banke gerettet werden indem man den Steuerzahler direkt oder indirekt zur Kasse bittet, die Sparprogramme nichts anderes kennen als erst mal die Renten der Leute zu kuerzen, die einmal dafuer gearbeitet haben und keine Chance mehr haben noch mal etwas hinzuverdienen zu koennen, solange wird das Kapital nicht zur Rechenschaft gezogen. Erkenntnis, Politik vergreift sich immer an denen, die sich nicht wehren koennen, das Kapital kann sich wehren, in vielfaeltigster Hinsicht. keine Spenden an die Parteien mehr, keine lukrativen Jobs mehr nach der Politikkarriere, oder mehr direkt, kein Geld im Koffer mehr fuer Herrn Schaeuble. Um diese Wohltaten zu erhalten, wird das grosse Kapital rechtzeitig gewarnt, und es wird auch mal illegal geholfen, man kennt sich ja.

Wuestenfuchs

27.03.2013, 07:37 Uhr

Oasen gibt es, wo Wüsten sind. Der Hund liegt hier in Deutschland begraben.

Account gelöscht!

27.03.2013, 07:56 Uhr

"Fitch droht mit Herabstufung"

Bleibt endlich in eurem Dollarparadies und leckt weiter den Speichel eurer Tycoons. Mit Herabstufung zu drohen, wenn sowieso das Kapital schon weg ist, ist wirklich keine Kunst, geschweige denn wert bezahlt zu werden.

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