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13.03.2013

12:51 Uhr

Kardinäle setzen Konklave fort

Papam, habemus?

Tag zwei der Papstwahl in Rom: Die ersten beiden Abstimmungen waren erfolglos, heute Abend könnte es jedoch soweit sein: Gegen 19 Uhr soll wieder Rauch aufsteigen – und alle blicken auf einen Schornstein.

Heute treten die Kardinäle zu weiteren Wahlgängen an. dpa

Heute treten die Kardinäle zu weiteren Wahlgängen an.

RomIn der Sixtinischen Kapelle in Rom geht an diesem Mittwoch die Wahl eines neuen Papst weiter, nach den erfolglosen ersten beiden Abstimmung am Vorabend und Mittag ohne Ergebnis blieben. Die Kardinäle bestimmen den Nachfolger für den am 28. Februar zurückgetretenen Papst Benedikt XVI. Es wird damit gerechnet, dass die Kardinäle noch in dieser Woche einen neuen Kirchenführer der weltweit 1,2 Milliarden Katholiken bestimmen.

Möglicherweise sogar schon heute. Jeweils mittags und abends verkündet weißer oder schwarzer Rauch, wie die Wahlgänge bei diesem zweiten Konklave im 21. Jahrhundert ausgegangen sind. Erreicht ein Kandidat zwischen zwei Stimmabgaben eine Zweidrittel-Mehrheit, wird die erfolgreiche Wahl sofort durch weißen Rauch der Welt verkündet. Vieles hängt davon wie fruchtbar die Gespräche im Vorkonklave in der vergangenen Woche verlaufen sind. Ob sich die Mehrheit der Kardinäle dort schon insgeheim auf einen neuen Pontifex festgelegt hat.

Der Ablauf der Papstwahl

RAHMENBEDINGUNGEN DES KONKLAVES

Das Wort leitet sich vom lateinischen "cum clavis" ("mit Schlüsseln") ab. Es meint sowohl die Wahlversammlung als auch den von der Außenwelt abgeriegelten Bereich im Vatikan, in dem die Kardinäle ihre Entscheidung treffen. Konkret findet die Papstwahl in der wegen der Deckengemälde Michelangelos weltberühmtem Sixtinischen Kapelle statt. Das Eingeschlossensein soll die Kardinäle vor Einflüssen von außen schützen und eine möglichst schnelle Einigung ermöglichen. Zu Beginn der Versammlung verpflichten sie sich zu absoluter Geheimhaltung - Höchststrafe für den Bruch des Eids ist die Exkommunikation.

ZEITLICHER ABLAUF DER PAPSTWAHL

Das Konklave wurde mit einer Messe eröffnet. Die erste Wahlrunde sollte am Dienstagnachmittag stattfinden, in den Folgetagen gibt es morgens und nachmittags jeweils zwei Wahlrunden. Falls bis Freitag kein Papst gewählt ist, gibt es zur Besinnung am Samstag einen Ruhetag mit Gebeten.

WAHLVERFAHREN

Die Kardinäle stimmen in geheimer Wahl ab; eine Enthaltung ist nicht erlaubt. Nach einer von Benedikt XVI. erlassenen Änderung ist eine Zweidrittelmehrheit zwingend - egal, wie viele Wahlgänge angesetzt werden müssen. Früher konnten die Kardinäle nach erfolglosen Wahlgängen nur noch die absolute Mehrheit gelten lassen. Nach 34 Wahlgängen muss nur noch zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen des vorherigen Wahlgangs entschieden werden. Es gilt weiter eine Zweidrittelmehrheit. Die beiden Kardinäle wählen in diesem Fall nicht.

VERFAHREN NACH DER PAPSTWAHL

Der Kardinaldekan oder ein Stellvertreter fragt den Gewählten, ob er das Amt annimmt und welchen Namen er als Papst tragen möchte. Da der 85-jährige Sodano aus Altersgründen nicht mehr am Konklave teilnehmen darf, übernimmt die Aufgabe der 79-jährige Kardinalbischof Giovanni Battista Re als ranghöchster Kardinal im Konklave - vorausgesetzt, er wird nicht selbst zum Papst gewählt. Im sogenannten Raum der Tränen legt sich der neue Papst nach der Wahl allein die päpstlichen Gewänder an und kann dabei seinen Gefühlen noch einmal freien Lauf lassen. Im nächsten Schritt schwören die Kardinäle dem neuen Papst die Treue.

INFORMATION DER ÖFFENTLICHKEIT

Solange sich die Kardinäle nicht auf einen Papst einigen können, werden die Stimmzettel aus jedem Wahlgang mit einem chemischen Zusatz verbrannt, so dass schwarzer Rauch aus einem Rohr auf der Kapelle emporsteigt. Ist ein neuer Papst gewählt, steigt weißer Rauch auf, zudem läuten die Glocken der Peterskirche. Mit den Rauchfahnen ist jeweils gegen 12.00 und 19.00 Uhr zu rechnen. Wird der neue Papst in einer ersten Wahlrunde gewählt, kann bereits morgens gegen 10.30 oder 11.00 Uhr oder nachmittags gegen 17.30 oder 18.00 Uhr weißer Rauch aufsteigen.

VERKÜNDUNG DES NEUEN PAPSTES

Der Kardinalprotodiakon, derzeit der Franzose Jean-Louis Tauran, tritt später auf den Hauptbalkon der Peterskirche und verkündet: "Habemus Papam" ("Wir haben einen Papst"). Anschließend tritt der neue Papst auf den Balkon und spricht den Segen "Urbi et Orbi" ("Der Stadt und dem Erdkreis").

Trotz nasskalten Wetters strömten bereits am Dienstagabend tausende Menschen auf den Petersplatz und blickten zum Schornstein auf der Sixtinischen Kapelle empor. Auch im Fernsehen und auf den Riesenleinwänden auf dem Petersplatz war praktisch ständig das lange Kupferrohr eingeblendet, aus dem der Rauch steigt – ein Schornstein wird zum Quotenrenner.

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Die Kardinäle sind im Konklave völlig von der Außenwelt isoliert. In der Sixtinischen Kapelle sind Handys verboten, im nachgerüsteten Boden wurden Störsender eingebaut. Auch im Gästehaus Santa Marta, wo die Kardinäle übernachten, gibt es weder Fernsehen noch Radio noch Internet, kein Telefon und keine Zeitung. In den Twitter-Accounts der Purpurträger herrscht ebenfalls Ruhe.

Vatikan-Kenner haben den Kreis der Favoriten auf vier eingegrenzt, darunter der Mailänder Erzbischof Angelo Scola und der Brasilianer Odilo Pedro Scherer aus São Paulo.

Kommentare (6)

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Zuschauer

13.03.2013, 07:58 Uhr

Und das Kasperltheater geht in die zweite Runde. Na dann viel Spaß.
Ich gehe lieber in den wirklichen Zirkus, da bekomme ich mehr geboten! Artisten, die was können und keine Altherrenclowns.

ThePrayer

13.03.2013, 08:04 Uhr

Der Vatikan kommuniziert immer noch mit "Rauchzeichen".

Selbst die Indianer benutzen heute schon modernere Kommunikationsmittel.

Account gelöscht!

13.03.2013, 08:21 Uhr

Die Welt hat sich auch ohne Papst weitergedreht.

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