Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.03.2013

11:20 Uhr

Kardinal Odilo Pedro Scherer

„Dom Odilo“ - geradlinig, konservativ, nahbar

„Dom Odilo“ sind in Brasilien auch bitterarme Gegenden nicht fremd. Relativ jung, hochgebildet und weltgewandt: Kardinal Scherer gilt als geeigneter Kandidat für das Papstamt.

Kardinal Odilo Pedro Scherer. Foto: dpa

Kardinal Odilo Pedro Scherer. Foto: dpa

TheleyIn der saarländischen Gemeinde Theley verfolgen die Menschen die anstehende Wahl des neuen Papstes ganz genau. Denn nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. könnte ein Mann neues Oberhaupt der katholischen Kirche werden, dessen Vorfahren aus dem 3300-Einwohner-Ort stammen. Der brasilianische Kardinal Odilo Pedro Scherer gehört derzeit zu den Top-Kandidaten für den Stuhl Petri - und er fühlt sich Theley verbunden. Der 63-Jährige aus São Paolo spricht einen alten saarländischen Dialekt, hat noch Freunde im Ort und war dort schon mehrfach zu Besuch.

Die sechs deutschen Papstwähler im Konklave

Paul Josef Cordes (78):

Paul Josef Cordes (78) ist im Ruhestand kann auf eine lange Karriere in der Römischen Kurie zurückblicken. Der Erzbischof leitete viele Jahre als Präsident den Päpstlichen Rat Cor Unum. Damit war er für die kirchliche Not- und Katastrophenhilfe und die Caritas zuständig. Er wurde deshalb auch der „karitative Arm des Papstes“ genannt.

Walter Kasper (80):

Walter Kasper (80) ist im Ruhestand, gilt als bescheiden und einflussreich. Als „Ökumene-Minister“ machte er in der Kurie in Rom Karriere wie nur wenige Deutsche, zuvor war er Bischof von Rottenburg. Mit dem zurückgetretenen Benedikt XVI. lag er mitunter über Kreuz. Trotzdem war er den Päpsten gegenüber meist linientreu.

Karl Lehmann (76):

Karl Lehmann (76) ist der wohl prominenteste Katholik in Deutschland und nimmt zum zweiten Mal an einem Konklave teil. Der Bischof von Mainz mit der barocken Figur und dem dröhnenden Lachen ist über Konfessions- und Parteigrenzen hinweg beliebt. Fast 21 Jahre lang stand er an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz.

Reinhard Marx (59):

Reinhard Marx (59) ist Erzbischof von München-Freising und meldet sich als Fachmann für die katholische Soziallehre immer wieder pointiert zu Wort. Er kann auf Menschen zugehen. Zwischen dem Vatikan und dem durchaus machtbewussten Kirchenmann gab es hin und wieder Differenzen. Dabei gilt Marx nicht einmal als progressiv.

Joachim Meisner (79):

Joachim Meisner (79) gilt als profiliertester konservativer Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland. Der langjährige Kölner Erzbischof macht mit provokanten Thesen immer wieder Schlagzeilen. Aus seiner Sicht darf die Kirche ihre Lehre nicht an den Zeitgeist anpassen. Zuletzt vollzog er eine Kehrtwende bei der „Pille danach“.

Rainer Maria Woelki (56):

Rainer Maria Woelki (56) gehört zu den jüngsten Papstwählern im Konklave. Der Berliner Erzbischof legte in der katholischen Kirche eine steile Karriere hin. Vor zwei Jahren war er noch Weihbischof in Köln, dann kam der Ruf nach Berlin und im Februar 2012 die Ernennung zum Kardinal. Woelki gilt als eher konservativer Kirchenmann.

„Er ist ein sehr bescheidener, frommer und froher Mensch“, sagt Mathilde Ludwig, die Scherer schon oft in ihrem Gästehaus „Casa do Brasil“ (Brasilien-Haus) in Theley beherbergt hat. Wie viele Nachfahren von Auswanderern aus dem Ort habe Scherer den Wunsch, „das Land seiner Väter zu besuchen und nach seinen Wurzeln zu suchen“, erzählt die 83-Jährige.

Zuletzt war Scherer 2003 zu Besuch, als er bereits Weihbischof in São Paolo war. „Da hat er in unserer Dorfkirche auch die Messe gefeiert“, sagt Ludwig. Zu Weihnachten im vergangenen Jahr kam dann noch eine Karte von ihm.

Kardinal Angelo Scola: Der Hoffnungsträger

Kardinal Angelo Scola

Der Hoffnungsträger

Der 71-jährige Kardinal Scola gilt als einer der führenden Anwärter auf das Pontifikat. Der konservative Geistliche setzt sich für einen Dialog mit dem Islam ein.

Es war Scherers Ururgroßvater, der um 1880 als „Ackerer und Wagenbauer“ in den Süden Brasiliens in den heutigen Bundesstaat Rio Grande do Sul ausgewanderte. So wie er waren im 19. Jahrhundert wegen Hungers und Armut rund 140 Familien aus Theley vor allem nach Brasilien gegangen. Der damalige König von Portugal und Kaiser von Brasilien, Pedro II., hatte jeder deutschen Familie 23 Hektar Land geschenkt, um die Flächen zu bevölkern.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Mazi

12.03.2013, 16:59 Uhr

Ein Kardinal mit deutschen Wurzeln.

Seine Vorfahren wanderten um 1850 aus dem heutigen Saarland nach Brasilien aus. Es wird berichtet, dass er bei der Suche nach den Wurzeln seinen Vorfahren des öfteren deren Heimatort besuchte. Er soll nicht nur deutsch sondern auch noch den Hunsrücker Dialekt sprechen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×