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12.03.2013

11:32 Uhr

Kardinal Ouellet

Konservativer mit Draht nach Südamerika

Der 68-jährige Kardinal Ouellet ist wegen seiner erzkonservativen Haltung in seiner Heimat Québec in Kanada nicht beliebt. Doch er hat einflussreiche Ämter im Vatikan inne und in Lateinamerika ist er populär.

Kardinal Ouellet aus Kanada ist in seinem Heimatland nicht sonderlich beliebt. Foto: dpa

Kardinal Ouellet aus Kanada ist in seinem Heimatland nicht sonderlich beliebt. Foto: dpa

TorontoPapst zu sein „wäre ein Albtraum“ für ihn, sagte der kanadische Kardinal Marc Ouellet vor zwei Jahren. Er muss es wissen, denn er war enger Vertrauter der letzten beiden Päpste.

Seine herausgehobene Position als Präfekt der Bischofskongregation, seine streng konservative Haltung, seine Jahre in Lateinamerika und seine Arbeit in Rom als Vorsitzender der päpstlichen Lateinamerikakommission machen Ouellet zu einem der Favoriten für die Nachfolge von Benedikt XVI. Der 68-Jährige wäre der erste Papst vom amerikanischen Kontinent.

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„Dom Odilo“ sind in Brasilien auch bitterarme Gegenden nicht fremd. Relativ jung, hochgebildet und weltgewandt: Kardinal Scherer gilt als geeigneter Kandidat für das Papstamt.

Doch genau die Eigenschaften, die in Lateinamerika - der Region mit der weltweit größten katholischen Bevölkerung - zu seiner Popularität beitragen, machen ihn in seiner traditionell liberalen Heimat Québec unbeliebt. Äußerungen, in denen er Abtreibungen sogar im Fall einer Vergewaltigung verurteilte, stießen dort auf heftige Kritik.

Die „Lobbys“ im Konklave

„DIPLOMATEN“

Kardinäle, die von Papst Johannes Paul II. ernannt worden waren und sich um Kardinalsdekan Angelo Sodano gruppieren. Der 85-Jährige, der als Kardinal-Staatssekretär lange in der Funktion des „Regierungschefs“ und zuvor als diplomatischer Vertreter des Vatikans im Ausland tätig war, nimmt selbst zwar nicht an der Papst-Wahl teil. Aus seinem Umfeld wird vor allem der Argentinier Leonardo Sandri als „papabile“ (papsttauglich) genannt.

„BERTONIANER“

Kardinäle, die von Papst Benedikt XVI. ernannt worden sind und Tarcisio Bertone, dem derzeitigen Kardinal- Staatssekretär und Camerlengo, nahestehen. Sie rivalisieren mit der alten Garde um Sodano. Zu ihnen zählen die Italiener Antonio Maria Vegliò, Giuseppe Versaldi und Giuseppe Bertello. Bertone selbst zählt nicht zu den Favoriten, hat aber großen Einfluss.

BENEDIKT XVI.

Der emeritierte Papst nimmt zwar nicht am Konklave teil, spielt aber dennoch eine große Rolle. Er hat mehr als die Hälfte der stimmberechtigten Kardinäle ernannt und einige von ihnen auch öffentlich gelobt. Es heißt, sein Favorit sei der Italiener Angelo Scola, den er zum Erzbischof von Mailand, der wichtigsten Erzdiözese des Landes, ernannt hatte.

ITALIENISCHE BISCHÖFE

Sie sind nach italienischen Medienberichten gespalten in Nord und Süd. Die aus dem Norden sympathisieren demnach mit Angelo Scola und dem Erzbischof von Genua, Angelo Bagnasco, der zugleich Vorsitzender der italienischen Bischofskonferenz ist. Die aus dem Süden sollen an Einfluss verloren haben, seit Crescenzio Sepe nicht mehr Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker ist. Papst Benedikt XVI. hatte Sepe zum Erzbischof von Neapel ernannt.

OPUS DEI

Die vom Spanier Josemaría Escrivá de Balaguer gegründete Laienorganisation ist im Konklave durch den Erzbischof von Perus Hauptstadt Lima, Juan Luis Cipriani, vertreten, der von einigen zu den „papabile“ (papsttauglichen) gezählt wird. Das „Werk Gottes“ ist in Spanien, Italien und Lateinamerika stark verwurzelt. Dem Opus Dei gehört auch der emeritierte Kurienkardinal Julián Herranz an, den der Papst mit der Untersuchung der „Vatileaks“-Affäre betraut hatte.

SPIRITUELLE BEWEGUNGEN

Der chilenische Kardinal Francisco Javier Errázuriz Ossa vertritt im Konklave die Schönstatt-Bewegung, der Erzbischof von Mailand Angelo Scola ist im Konklave der höchste Repräsentant der Bewegung Comunione e Liberazione (Gemeinschaft und Befreiung). Scola gilt als einer der Favoriten auf die Papst- Nachfolge.

ORDENSGEMEINSCHAFTEN

Unter den Papst-Wählern sind vier Salesianer (Angelo Amato, Tarcisio Bertone, Raffaele Farina und Óscar Andrés Rodríguez Maradiaga), drei Franziskaner (Carlos Amigo Vallejo, Claudio Hummes und Wilfried Fox Napier), zwei Dominikaner (Dominik Duba y Christoph Schönborn) und ein Jesuit (Jorge Mario Bergoglio).

Einige Beobachter befürchten, dass die Wahl eines weiteren konservativen, intellektuellen Papstes nach Benedikt XVI. eine Kirche zusätzlich beschädigen könnte, die wegen Missbrauchsskandalen und zunehmendem Säkularismus in Europa und Nordamerika ohnehin mit Mitgliederschwund zu kämpfen hat. Doch in Afrika und Lateinamerika wächst die Zahl der Gläubigen.

Kardinal Angelo Scola: Der Hoffnungsträger

Kardinal Angelo Scola

Der Hoffnungsträger

Der 71-jährige Kardinal Scola gilt als einer der führenden Anwärter auf das Pontifikat. Der konservative Geistliche setzt sich für einen Dialog mit dem Islam ein.

Besonders geachtet ist Ouellet unter Kardinälen aus Lateinamerika, wo 40 Prozent der weltweit 1,2 Milliarden Katholiken leben. Wenn sich die lateinamerikanischen Kardinäle auf keinen Kandidaten aus ihren Reihen einigen können, hätte möglicherweise Ouellet eine Chance, denn er verbrachte immerhin elf Jahre in Kolumbien. Spekulationen darüber, dass er eines Tages Papst werden könnte, gibt es, seit ihn Papst Johannes Paul II. 2003 zum Kardinal ernannte.

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