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17.05.2012

13:00 Uhr

Karlspreis an Schäuble

Der letzte Europäer

VonJan Mallien

Wolfgang Schäuble gilt manchen als Hardliner, der mit seinen Sparforderungen an die Krisenländer den Euro aufs Spiel setzt. Doch er ist leidenschaftlicher Europäer. Deshalb hat er heute den Aachener Karlspreis erhalten.

DüsseldorfKein deutscher Politiker hat in Griechenland so viel Zorn auf sich gezogen wie Wolfgang Schäuble. Einst sprach er sich dafür aus, Griechenland unter das Kuratel eines Brüsseler Sparkommissars zu stellen. Jetzt gibt er wieder den Hardliner und schließt Nachverhandlungen über das Griechen-Hilfspaket aus. So manche griechische Tageszeitung hat ihn schon in Naziuniform abgebildet.

Doch grade Wolfgang Schäuble bekommt nun für seine Verdienste um die Stabilisierung der Währungsunion den Aachener Karlspreis. "Wenn Wolfgang Schäuble über Europa spricht, dann sind es beileibe nicht nur fiskal- und währungspolitische Probleme, die den Bundesfinanzminister umtreiben," heißt es in der Begründung des Direktoriums. Europa sei für Schäuble eine Herzensangelegenheit und innere Überzeugung.

"Seit ich ihn kenne, gibt es ein Thema, dass ihn besonders bewegt - und das ist Europa," sagte der CDU-Politiker Hans-Peter Repnik, ein langjähriger Freund Schäubles. Der Philosoph Jürgen Habermas bezeichnete ihn als "letzten profilierten Europäer im Kabinett.“

Die Leidenschaft für Europa hängt eng mit Schäubles Biografie zusammen. Er wurde während des Zweiten Weltkriegs in der Nähe der französischen Grenze geboren. Schon als junger Abgeordneter des Wahlkreises Offenburg leitete er 1979 die Arbeitsgemeinschaft Europäischer Grenzregionen.

Obwohl Schäuble in den Euro-Krisenländern als Hardliner gilt, befürwortet er eine stärkere europäische Integration. Mit seinen Vorschlägen hierfür ist er häufig weit über das hinaus gegangen, was Kanzlerin Merkel zu tun bereit war. Zum Beispiel forderte er vor zwei Jahren die Gründung eines Europäischen Währungsfonds – und wurde von der Kanzlerin zurückgepfiffen.

Karlspreis-Verleihung: Wolfgang Schäuble als „europäischer Patriot“ geehrt

Karlspreis-Verleihung

Schäuble, der „europäische Patriot“

In seiner Laudatio lobt Jean-Claude Juncker Schäuble als würdigen Preisträger.

Auch Eurobonds hat Schäuble für die Zukunft nicht ausgeschlossen. Vorraussetzung dafür seien aber Regeln für strikte Haushaltsdisziplin. Bald könnte Schäuble eine noch wichtigere Rolle bei der Lösung der Euro-Krise einnehmen als ohnehin schon.

Kommentare (59)

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hoppala

17.05.2012, 13:19 Uhr

Schäuble, ich kenne den Mann nichtmal persönlich, wozu auch.
Und warum auch.
Gleichwohl schwätzed er sehr europäisch. Das macht er überzeugend.
Bei uns zu Hause gilt eigentlich: wenn nichts mehr zu retten scheint, werden Preise verliehen: die Kohle ist sowieso gemmeinnützig und das Stück Blech nimmt keinen Platz weg.

Das Wort Preisverdächtig endlich mal mit Inhalt.

Wo gibts das schon?

Sternchen

17.05.2012, 13:23 Uhr

MikeM spring vom Schrank, dann geht es dir besser.
Scherz beiseite: Bitte, bitte liebe/r Schreiber/in:
Herr Schäuble hat den Preis nicht "bekommen", er wurde im VERLIEHEN! Soviel deutsche Idiomatik sollte zumindest bei einem solchen Anlass sein!
LG
Sternchen

pfui

17.05.2012, 13:27 Uhr

@MikeM

Sie sollten sich schämen für Ihre Einlassung folgenden Wortlauts: "Ich bedaure, dass das Attentat auf in nicht erfolgreich war. Das hätte diesem Land unermesslichen Schaden erspart."

Was Herrn Dr. Schäuble passiert war sollte man, allein schon aus Stil falls Ihnen jedwedes Empfinden von Mitmenschlichkeit abhanden gekommen sein sollte, nichteinmal seinem schlimmsten Feind wünschen.

Schämen Sie sich!

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