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06.05.2016

14:44 Uhr

Karlspreis für Papst Franziskus

Europas Mattheit und Gottes Beistand

VonThomas Ludwig

Den Empfang des Karlspreises nutzt Papst Franziskus für eine erneute Botschaft an Europas Staatenlenker. Er appelliert an die europäischen Ideale – und mahnt wiederholt eindringlich vor nationalem Egoismus.

Marcel Philipp (CDU), Oberbürgermeister der Stadt Aachen, verleit Papst Franziskus den Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen. Das Kirchenoberhaupt richtete in seiner Rede einige mahnende Worte an die politischen Spitzen in Europa. dpa

Karlspreis für Papst Franziskus

Marcel Philipp (CDU), Oberbürgermeister der Stadt Aachen, verleit Papst Franziskus den Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen. Das Kirchenoberhaupt richtete in seiner Rede einige mahnende Worte an die politischen Spitzen in Europa.

BrüsselPapst Franziskus nimmt kein Blatt vor den Mund, das ist bekannt. „Man kann nicht hinnehmen, dass das Mittelmeer zum Friedhof wird“, sagte er im November vergangenen Jahres vor den Abgeordneten des Europäischen Parlaments und warnte vor einem müden und gealterten Europa, dem die Kraft fehle zur Solidarität mit Armen, Schwachen und Flüchtlingen.

Heute nun legte er nach: Europa dürfe sich nicht verschanzen sondern müsse wieder stärker auf die Tat setzen, auf die Entwicklung neuer Dynamik, sagte er anlässlich der Auszeichnung mit dem Karlspreis der Stadt Aachen. Das katholische Kirchenoberhaupt erhielt die renommierte Auszeichnung für seine Verdienste um den Frieden und die Einigkeit des europäischen Kontinents.

Doch kann der Heilige Vater den Europäern den Mut und die Zuversicht geben, Europa wieder zu dem Traum zu machen, den so viele Bürger seit 60 Jahren zu träumen gewagt haben? Kann er dem wachsenden Unwohlsein etwas entgegen setzen, das mehr und mehr Bürger angesichts der Krisen ergreift?

Klartext – deutliche Worte von Papst Franziskus

Aufsehen mit ungewöhnlichen Äußerungen

Papst Franziskus hat mehrfach mit für den Vatikan ungewöhnlichen Äußerungen Aufsehen erregt. Einige Beispiele:

Familienplanung

„Manche Menschen glauben - entschuldigen Sie den Ausdruck -, dass sich gute Katholiken wie Karnickel vermehren müssen.“

Familienehre

„Wenn Dr. Gasbarri (der Reiseorganisator des Papstes), mein lieber Freund, meine Mama beleidigt, erwartet ihn ein Faustschlag.“

Flüchtlinge

„Wir sind eine Gesellschaft, die vergessen hat, wie man weint. Wir haben uns an die Leiden anderer gewöhnt. Es betrifft uns nicht, es interessiert uns nicht, es geht uns nichts an. (...) Die Wohlstandskultur macht uns unempfindlich für die Schreie der anderen und führt zur Globalisierung der Gleichgültigkeit.“

Oberflächlichkeit

„Und so vergeuden wir unsere gottgegebenen Geschenke, indem wir uns mit Schnickschnack beschäftigen; wir verschwenden unser Geld für Spiel und Getränke und drehen uns um uns selbst.“

Kurie

„Eine Kurie, die sich nicht selbst kritisiert, die sich nicht weiterentwickelt, die nicht versucht, sich zu verbessern, ist ein kranker Körper.“

Eitelkeit von Kardinälen

„Die Krankheit der Rivalität und der Eitelkeit. Wenn das Auftreten, die Farbe der Kleidung und die Insignien der Orden das erste Ziel im Leben werden.“

Tratsch

„Es ist die Krankheit der feigen Menschen, die nicht den Mut haben, direkt mit jemandem zu sprechen und hinter dem Rücken reden. (...) Brüder, schauen wir auf den Terrorismus des Geschwätzes!“

Immer dann, wenn Europa untereinander zerstritten war, habe es Unheil gegeben, betonte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz in seiner Laudatio. Einigkeit indes habe für die Europäer stets Gutes hervorgebracht.

Daran knüpfte Papst Franziskus an. „Was ist mit Dir los, du humanistisches Europa, du Heimat von Dichtern, Philosophen, Künstlern und Literaten, Mutter großer Männer und Frauen, die ihr Leben für Europa gegeben haben?“, fragte der Pontifex – und forderte die Gemeinschaft auf, sich ihrer Gründerväter und Ideale zu erinnern. „Sie hatten die Kühnheit, nicht nur von der Idee Europa zu träumen, sondern wagten, die Modelle, die bloß Gewalt und Zerstörung hervorbrachten, radikal zu verändern“, sagte das Kirchenoberhaupt: „Die Pläne der Gründerväter, jener Herolde des Friedens und Propheten der Zukunft, sind nicht überholt: Heute mehr denn je regen sie an, Brücken zu bauen und Mauern einzureißen.“

Kommentare (4)

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Herr Grutte Pier

06.05.2016, 14:57 Uhr

nur ein weiterer "Preis", den sich die unlegitimiert Herrschenden (an der Spitze Mutti Merkel, und die EU-DSSR-Granden Juncker, Schultz, Tusk - ausgenomen der Papst, denn ist ja von einer "höheren Macht" bestimmt) inzwischen immer gerne selbst gegenseitig "verleihen".

Wer auf diese Schmierentheater hereinfällt, ist selbst schuld....
So kann man seine Glaubwürdigkeit nicht "retten".

Account gelöscht!

06.05.2016, 15:48 Uhr

Gründerväter und Ideale@
Wenn der Gottesvertreter Adenauer und De Gaulle meint, sollte er über das Europa der Vaterländer nachdenken und nicht Preise der EU-Politmafia entgegen nehmen. Die Gründer der EWG waren Ehrenmänner und machten keine Angebote die man nicht ablehnen kann und schon gar nicht
waren muslemische Staaten gemeint als europäisch gemeint. Lügen haben kurze Beine auch vom lieben Gott.

Herr walter danielis

06.05.2016, 16:00 Uhr

Der Papst warnt vor einem gealterten und müden Europa dass keine Flüchtlinge aufnimmt.

Ich warne vor einem müden und gealteren Europa dass nicht in der Lage ist seine Außengrenzen wirksam zu schützen. Das ist der Punkt.

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