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06.10.2017

18:39 Uhr

Katalonien-Konflikt

Madrid erhöht den Druck

Die spanische Regierung lehnt weiter jeden Dialog mit der Führung Kataloniens ab. Jetzt will sie die Region wirtschaftlich ausbluten – und macht besorgten Unternehmen und Geldhäusern den Abzug leichter.

Plenarsaal: Am Donnerstag hatte das oberste spanische Gericht die Sitzung des Regionalparlaments untersagt. Für Polizeigewalt im Zusammenhang mit den Ausschreitungen beim Unabhängigkeitsreferendum entschuldigt sich nun die spanische Regierung. dpa

Katalonien

Plenarsaal: Am Donnerstag hatte das oberste spanische Gericht die Sitzung des Regionalparlaments untersagt. Für Polizeigewalt im Zusammenhang mit den Ausschreitungen beim Unabhängigkeitsreferendum entschuldigt sich nun die spanische Regierung.

Madrid/BarcelonaDie spanische Regierung erhöht im Katalonien-Konflikt den wirtschaftlichen Druck auf die nach Unabhängigkeit strebende Region. Am Freitag verabschiedete sie in Madrid ein Dekret, das Firmen und Banken den Weggang aus Katalonien erleichtert. Spanische Medien sprachen von einer „salida exprés“ – einem Weggang im Eilverfahren. Demnach reicht für einen Ortswechsel künftig eine Entscheidung des Aufsichtsrats – eine Gesellschafterversammlung muss nicht mehr einberufen werden.

„Es ist nicht die Schuld der Unternehmen, wenn eine unverantwortliche Politik Unsicherheit und Unruhe verbreitet“, sagte der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos am Nachmittag vor Journalisten. Die Entscheidung wurde angesichts der drohenden Unabhängigkeitserklärung der Region gefällt.

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Wenige Stunden später kündigte der Energieriese Gas Natural Fenosa an, seinen traditionellen Hauptsitz in Barcelona aufzugeben und nach Madrid umzuziehen. Bereits am Donnerstag hatte die fünftgrößte Bank des Landes, Banco Sabadell, erklärt, sie werde nach Alicante abwandern.

Es wird erwartet, dass dank des Dekrets schnell weitere Geldhäuser und Firmen folgen könnten. So überlegt etwa auch die Großbank La Caixa, ihren Sitz in Mallorcas Hauptstadt Palma zu verlegen. Auch Freixenet, einer der größten Cava-Produzenten Spaniens, könnte Katalonien den Rücken kehren.

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„Wenn es wirklich zu einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung kommen sollte, dann werden viele Firmen aus Katalonien abziehen, was großen Schaden anrichten wird“, zitierte die Zeitung „La Vanguardia“ Freixenet-Chef José Luis Bonet. Eine Abspaltung sei „kein Scherz“, sondern „eine echte Katastrophe“.

Die Katalanen hatten sich am Sonntag bei einem umstrittenen und von der Justiz untersagten Referendum mit deutlicher Mehrheit für eine Abspaltung der bisher wirtschaftsstarken Region von Spanien ausgesprochen. Die Regierung in Madrid unter Führung von Mariano Rajoy hatte wochenlang mit allen Mitteln versucht, die Volksabstimmung zu verhindern. Bislang lehnt sie jeden Dialog mit der Regionalregierung ab.

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