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30.06.2017

20:29 Uhr

Katar

Emirat fordert in Krise aktivere Rolle der USA

Katar wird von seinen Nachbarn am Golf zunehmend unter Druck gesetzt. In seiner Not ruft das isolierte Emirat die USA um Hilfe. Zuspruch kommt aber erstmal von den Vereinten Nationen.

Das Emirat am Persischen Golf ist derzeit von seinen direkten Nachbarn diplomatisch abgeschnitten. Reuters

Katar

Das Emirat am Persischen Golf ist derzeit von seinen direkten Nachbarn diplomatisch abgeschnitten.

Doha/GenfDas von mehreren Golfstaaten isolierte Emirat Katar fordert eine aktivere Rolle der Vereinigten Staaten bei der Lösung der Krise. „Die amerikanische Rolle ist wichtig, da alle Parteien des Konflikts Verbündete Washingtons sind“, erklärte Außenminister Mohammed bin Abdulrahman al-Thani am Freitag. Die USA müssten weiterhin Druck auf alle Konfliktparteien ausüben, um eine Lösung zu erreichen. US-Präsident Donald Trump sprach am selben Tag mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan über die Krise.

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten hatten Anfang Juni die Beziehungen zu Katar gekappt. Sie warfen dem gasreichen Golfstaat offiziell Terrorfinanzierung vor. Katars Außenminister Al-Thani sagte, Trump hätte wissen können, dass dies eine falsche Behauptung sei. Dafür habe Trump nur seine Ministerien nach Katars Rolle im Kampf gegen Terroristen fragen müssen, fügte Al-Thani hinzu.

Der Konflikt in Katar

Warum ist das Emirat Katar so wichtig?

Das Land hat nur rund 270.000 Staatsbürger - ist aber weltweit der größte Produzent von flüssigem Erdgas und teilt sich ein gewaltiges Unterwasser-Gasfeld mit dem Iran. Außerdem werden vom Luftstützpunkt Al-Udeid aus Angriffe der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition gegen die Terrormiliz im Irak und in Syrien geflogen.

Die Rolle der Medien

Zudem ist in Katar das Nachrichten-Netzwerk Al-Dschasira ansässig, das in Verhandlungen mit Gruppierungen, von denen sich viele Regierungen lieber fernhalten, oft eine größere Rolle spielt. So half das Netzwerk beispielsweise dabei, Mitglieder der Herrscherfamilie aus einer Geiselnahme zu befreien. Außerdem sicherte Al-Dschasira die Freilassung von Geiseln im syrischen Bürgerkrieg.

Warum steht Katar im Konflikt mit den mächtigsten arabischen Ländern?

Spannungen zwischen Katar und Saudi-Arabien sind bereits vor zwei Wochen an die Oberfläche getreten. Katar gab an, dass die staatlich geführte Nachrichtenagentur und der offizielle Twitter-Account des Landes gehackt worden seien, um eine Falschnachricht zu verbreiten. Darin soll der katarische Emir, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, den Iran eine „regionale und islamistische Macht, die nicht ignoriert werden kann“ genannt haben.

Kampagne in den Medien

Medien auf der arabischen Halbinsel ignorierten das Dementi Katars und verbreiteten weiterhin den Kommentar, während Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten den Zugang zu Al-Dschasira und mit dem Netzwerk verbundenen Seiten blockierten. Saudische Medien starteten eine aggressive Kampagne, die Katar vorwarf, Terrorgruppen mit Verbindungen zu Al-Kaida und der Terrormiliz Islamischer Staat zu unterstützen - und damit die Region zu destabilisieren und Verbündeten in den Rücken zu fallen. Weitere Medien schienen sogar einen Machtwechsel in Katar zu befürworten und warfen dem Emir vor, ein Geheimtreffen mit den Kommandeur der Iranischen Revolutionsgarde, Kassem Soleimani, abgehalten zu haben.

Vorwurf der Unterstützung der Muslimbruderschaft

Die Vereinigten Arabischen Emirate schienen wegen Katars Unterstützung von Islamisten in der Golf-Region und Libyen schon länger verärgert zu sein. Saudi-Arabien und Ägypten werfen Katar zudem vor, die als Bedrohung eingestufte Muslimbruderschaft zu unterstützen. Saudi-Arabien hält Katar außerdem vor, vom Iran gestützte Terroristengruppen in seiner Provinz Katif und dem angrenzenden Bahrain sowie Rebellen im Jemen zu fördern. Auch westliche Regierungen haben Katar vorgeworfen, sunnitische Extremisten wie den Al-Kaida-Zweig in Syrien zu dulden oder sogar zu fördern. Das Land unterstützt außerdem die Hamas im Gazastreifen.

Was sind die Konsequenzen des Streits?

Die Kappung der Verbindungen könnte für Katar längerfristige wirtschaftliche Konsequenzen haben - die sich wiederum auf Millionen von Wanderarbeitern und Auswanderern übertragen würden. Ein Großteil der Nahrungsmittel für Katar kommt aus Saudi-Arabien über die einzige Festland-Grenze Katars, die Saudi-Arabien nun aber geschlossen hat.

Risiko des Konflikts

Nach Angaben des Risiko-Beratungsunternehmens Eurasia Group ist die Gefahr eines Staatsstreiches erheblich gestiegen. Eine Änderung in der Regierung Katars könnte auch Fragen über die Zukunft des US-Luftstützpunktes aufwerfen und die Hamas ihren bisher größten Gönner kosten.

USA als Schlichter

US-Außenminister Rex Tillerson rief die Parteien dazu auf, ihre Streitigkeiten beizulegen. Saudi-Arabien hat den sich im Land aufhaltenden Katarern eine Frist von 14 Tagen gegeben, um das Land zu verlassen. Zudem sollen Saudis Katar weder bereisen oder sich dort ansiedeln. Katar zog seine Truppen aus der von Saudi-Arabien angeführten Koalition im Bürgerkriegsland Jemen zurück. Ägypten und Saudi-Arabien schlossen den Luft- und Seeraum für Katar - was vor allem die Fluglinie Qatar Airways betrifft, einen der größten Passagierbeförderer der Region. Die saudische Fluglinie Ethihad Airways, FlyDubai und die größte Fluggesellschaft im Nahen Osten, Emirates, stellten Flüge nach Katar ein.

Gibt Katar nach?

Katar bestreitet seine Unterstützung für Terroristengruppen in Syrien und anderen Länder. Und das, obwohl dem Land vorgeworfen wird, sunnitische Rebellengruppen zu fördern, die die syrische Regierung des Amtes entheben wollen. Offenbar ging katarisches Geld auch an Gruppen wie die Muslimbruderschaft. Die katarischen Herrscher zeigen sich von dem Konflikt bisher jedoch unbeeindruckt. Medien des Landes verbreiteten eine Karikatur, die sich darüber lustig machte, dass der saudische König Salman Fake News verbreite.

Katar gegen Saudi-Arabien

In der vergangenen Woche hatte Katars Emir den iranischen Präsidenten Hassan Ruhani angerufen, um ihm zu Wiederwahl zu gratulieren - eine klare und offene Widerlegung saudischer Bemühungen, Katar auf Linie zu bringen. Der Emir Katars könnte sein Land aus dem Golf-Kooperationsrat zurückziehen.

Wie geht es weiter?

Bereits vor drei Jahren hatten mehrere Golfstaaten wegen Katars Unterstützung für die Muslimbruderschaft ihre Botschafter für neun Monate aus Katar abgezogen. Details des Abkommens, das den Konflikt damals löste, wurden nie offiziell bekannt - aber darunter waren Zusagen Katars, die Förderung der Bruderschaft einzustellen. Die aktuellen Forderungen an Katar sind derzeit noch verschwommen, es könnte jedoch zu einem ähnlichen Ablauf wie vor drei Jahren kommen - oder beide Seiten könnten sich noch mehr in ihre Positionen verbeißen.

Trump hatte Katar in den vergangenen Wochen mehrmals als langjährigen finanziellen Unterstützer von Terrorismus gebrandmarkt. Sein Außenminister Rex Tillerson äußerte sich dagegen deutlich gemäßigter und rief Saudi-Arabien und die anderen Staaten auf, die Blockade zu beenden.

Das Weiße Haus teilte am Freitag mit, Trump habe mit Erdogan über Wege gesprochen, wie die Auseinandersetzung gelöst werden könne, und man zugleich gewährleisten könne, dass alle Länder daran arbeiteten, die Finanzierung von Terrorismus einzustellen. Die Türkei ist ein enger Verbündeter Katars. Erdogan hatte das Vorgehen gegen das Land wiederholt kritisiert und den saudischen König Salman gebeten, den Konflikt beizulegen.

Devisen: Britische Banken stoppen Handel mit Katars Landeswährung

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Die Katar-Krise verschärft sich weiter und schlägt jetzt auf den Devisenmarkt durch. Führende britische Banken haben den Handel mit der katarischen Landeswährung eingestellt. Zuvor gab es schon starke Kursschwankungen.

Am Montag soll nach arabischen Medienberichten ein Ultimatum der Anti-Katar-Koalition an das Emirat auslaufen. Die Staaten hatten von Katar unter anderem gefordert, binnen zehn Tagen seine Beziehungen zum Iran einzuschränken, die türkischen Soldaten aus dem Land zu schicken und den Nachrichtensender Al-Dschasira zu schließen.

Letzteres stieß auf Kritik der Vereinten Nationen. Dies sei ein „inakzeptabler Angriff auf das Recht der freien Meinungsäußerung“, sagte Rupert Colville, Sprecher des UN-Menschenrechtskommissars, am Freitag in Genf. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten sollten einfach eine öffentliche Debatte darüber anstrengen, falls sie Probleme mit ausländischen TV-Sendern hätten, betonte Colville vor Reportern weiter.

Von

dpa

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