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19.02.2015

17:06 Uhr

Katar

Golfstaat will Bezahlung von Gastarbeitern regeln

Katar will die Bezahlung von Gastarbeitern gesetzlich regeln. Ein Gesetz ist offenbar bereits auf den Weg gebracht. Die Menschenrechtsorganisationen sind jedoch nur vorsichtig optimistisch.

Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani hat offenbar ein Gesetz gebilligt, wonach die Bezahlung von Gastarbeitern in Katar geregelt werden soll. ap

Scheich billigt Gesetz

Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani hat offenbar ein Gesetz gebilligt, wonach die Bezahlung von Gastarbeitern in Katar geregelt werden soll.

DohaNach Kritik von Menschenrechtsorganisationen will der Golfstaat Katar die Bezahlung von Gastarbeitern gesetzlich regeln. Emir Scheich Tamim bin Hamad al-Thani habe ein Gesetz gebilligt, wonach die Arbeiter mindestens einmal im Monat Lohn erhalten sollen, teilte das Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2022 in der Nacht zum Donnerstag mit. Die Bezahlung soll demnach per Bank-Überweisung erfolgen.

Wann das Gesetz in Kraft treten soll, blieb zunächst offen. Den Angaben zufolge soll den Arbeitgebern eine Frist von einem halben Jahr für die Umsetzung eingeräumt werden. Danach drohe ihnen bei Verstößen ein Monat Haft sowie eine Geldstrafe von bis zu 6000 Rial (1440 Euro).

Fußball-WM 2022: Katar und seine Probleme

Das Problem

Fünf Millionen Dollar. Das ist die Summe, die der ehemalige katarische Spitzenfunktionär Mohammed bin Hammam eines Berichts der britischen Zeitung „Sunday Times“ zufolge an Schmiergeldern an Offizielle des Fußball-Weltverbandes gezahlt haben soll.

Der Ermittler

Belege für den Stimmenkauf - teilweise schon ein Jahr vor dem Zuschlag für Katar im Dezember 2010 - sollen von der Zeitung an FIFA-Chefermittler Michael Garcia gehen. Der frühere FBI-Direktor untersucht die WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar.

Der Bericht

Seine Untersuchungen will er bis zum 9. Juni abgeschlossen haben. Sein ursprünglich für September 2013 vorgesehener Bericht soll dann sechs Wochen später fertig sein. Garcia bereist alle Kandidatenländer und wurde zuletzt unabhängig von den neuen Enthüllungen zu Gesprächen mit den Katarern in Oman erwartet.

Im Visier

Als FIFA-Vize und Mitglied des Exekutive gehörte der Katarer Mohammed bin Hammam zum engsten Machtzirkel des Fußball-Weltverbandes. Die Aussage des WM-Komitees, bin Hammam stünde in keiner offiziellen oder inoffiziellen Verbindung zu Katars WM-Bewerbung, ist absurd. Selber abstimmen durfte er bei der Vergabe 2010 zwar nicht, der heute 65-Jährige war aber maßgeblicher Strippenzieher.

Zweifelhafte Karriere

Als Beauftragter für das FIFA-Entwicklungsprogramm Goal verteilte er gerade in armen Ländern immer wieder legale Finanzspritzen des Weltverbandes. Gestürzt wurde bin Hammam 2011 über Bestechungsvorwürfe im Rahmen seiner Kandidatur als FIFA-Präsident gegen Amtsinhaber Joseph Blatter. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hob eine lebenslange Sperre auf, später wurde bin Hammam wegen Verfehlungen in seiner Zeit als Chef der asiatischen Föderation erneut von der FIFA mit einem Bann belegt.

Ein Schatten auf der WM

Die neue Vorwürfe kommen für die FIFA zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Sie werden mit Sicherheit den Kongress der 209 Mitgliedsverbände am 10. und 11. Juni kurz vor dem Eröffnungsspiel in Sao Paulo beschäftigen. Auf der offiziellen Tagesordnung gibt es aber keinen Programmpunkt Katar. Blatter will den Kongress nutzen, um sich als Präsidentschaftskandidat küren zu lassen.

Dauer-Debatte

Das Turnier am Zuckerhut selbst wird durch die Dauer-Debatte um Katar wohl keine Kratzer abbekommen. Die Erfahrung zeigt: Wenn der Ball einmal rollt, rückt der Sport in den Fokus und hohe Wellen schlägt das Thema hauptsächlich in England, Australien und Japan, die alle in den jüngsten WM-Vergaben unterlegen waren, und Deutschland.

Dilemma

Prinzipiell kann die FIFA die Austragungsrechte wieder aberkennen. Zuständig wäre der Kongress als höchste Instanz. Allerdings müssten zunächst Beweise für klare Verstöße gegen die Bewerbungsrichtlinien vorliegen. Und Katar bliebe der Rechtsweg offen. Ein juristischer Streit könnte für die FIFA lang und sehr, sehr teuer werden.

Neue Ausschreibung

Lieber heute als morgen hätte FIFA-Präsident Joseph Blatter das Problem vom Tisch. Doch eine endgültige Lösung ist nicht in Sicht. Legt der Garcia-Bericht eine Neu-Ausschreibung nahe, ist mit einem Gang durch alle Instanzen der Sport- und Zivilgerichtsbarkeit zu rechnen. Bleiben die Vorwürfe ohne Beleg und Konsequenz wird ohnehin weiter über die Katar-WM debattiert werden.

Menschenrechte

Mit Argusaugen beobachten Menschenrechtsorganisationen die umstrittenen Arbeitsbedingungen für Bau- und Gastarbeiter am Golf. Und: Noch ist nicht geklärt, wie die FIFA den durch die extreme Hitze notwendigen Winter-Termin gegen den Widerstand der Top-Ligen in Europa durchsetzen kann.

Die Menschenrechtsorganisation Humans Rights Watch (HRW) begrüßte die Ankündigung, blieb aber zurückhaltend. „Das ist ein positiver Schritt, solange er richtig umgesetzt wird“, sagte HRW-Experte Nicholas McGeehan der Nachrichtenagentur AFP. Er könnte zahlreichen Arbeitern nützen, nicht nur im Baugewerbe.

Ähnlich äußerte sich Mustafa Kadri von Amnesty International. Dies sei eine „willkommene Entwicklung“, sagte er. Die angekündigten Schritte müssten jedoch als „Beginn der Reformen“ begriffen werden, „nicht als Ende“.

McGeehan kritisierte, dass die Neuregelungen nicht auch das Problem der sogenannten „Kafala“ beträfen. Hierbei handelt es sich um ein höchst umstrittenes System, bei dem Arbeiter nicht ohne das Einverständnis ihres Arbeitgebers das Land verlassen oder den Job wechseln dürfen. Menschenrechtsgruppen und die Spieler-Organisation Fifpro haben bereits an Katar appelliert, dieses System abzuschaffen.

Eine Studie hatte im Jahr 2013 offengelegt, dass etwa jeder fünfte Gastarbeiter in Katar sein Gehalt „manchmal, selten oder nie“ bekommt. Neben der oftmals ausbleibenden Bezahlung gibt es auch Kritik an anderen Missständen, unter denen Arbeiter in dem Golfstaat leiden. So kritisieren Aktivisten regelmäßig, dass Arbeiter ihre Pässe abgeben müssen, kein Ausreisevisum bekommen oder eine Rekrutierungsgebühr zahlen müssen.

Von

afp

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