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03.06.2014

17:21 Uhr

Katar

Kleines Land ganz groß am Golf

VonStefan Kaufmann

Katar beglückt die Deutsche Bank als Großaktionär. Katar organisiert den Tausch von Guantanamo-Häftlingen. Katar könnte bei der Fußball-WM-Vergabe geschmiert haben. Wer zieht die Strippen in dem widersprüchlichen Land?

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Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank: Scheich-Dollars für künftige Krisen

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DüsseldorfKatar steigt mit Milliarden bei der Deutschen Bank ein, das Scheichtum übernimmt eine Beteiligung von sechs Prozent. Katar überschüttet den Fußball-Profiklub PSG Paris mit Geld. Dank der Finanzspritzen der Investorengruppe QSI schießt nun ein Star wie Zlatan Ibrahimovic seine Tore in Frankreich. Katar organisiert den Tausch eines von den Taliban festgehaltenen US-Soldaten gegen afghanische Häftlinge aus Guantanamo. Katar – der Zwergenstaat am Golf führt auf den großen Spielfeldern dieser Welt Regie: Wirtschaft, Politik, Sport.

Umso ärgerlicher ist für Scheichs die Kritik an der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft, die 2022 im Golfstaat ausgetragen werden soll. Nach Debatten über miese Arbeitsbedingungen für Gastarbeiter und den Sinn, Hochleistungssport in der Wüste auszutragen, kommen nun noch Korruptionsvorwürfe. Derzeit untersucht eine Fifa-Kommission unter Leitung des ehemaligen amerikanischen Staatsanwalts Michael Garcia, ob bei der WM-Vergabe Schmiergeld floss. „Wenn der Untersuchungsbericht Bestechung nachweist, also, dass das Votum durch Zahlungen beeinflusst worden ist, dann könnte die Vergabe nichtig sein“, sagte Domenico Scala jüngst dem Handelsblatt. Der Schweizer leitet die neue Audit- und Compliance-Kommission der Fifa.

Fußball-WM 2022: Katar und seine Probleme

Das Problem

Fünf Millionen Dollar. Das ist die Summe, die der ehemalige katarische Spitzenfunktionär Mohammed bin Hammam eines Berichts der britischen Zeitung „Sunday Times“ zufolge an Schmiergeldern an Offizielle des Fußball-Weltverbandes gezahlt haben soll.

Der Ermittler

Belege für den Stimmenkauf - teilweise schon ein Jahr vor dem Zuschlag für Katar im Dezember 2010 - sollen von der Zeitung an FIFA-Chefermittler Michael Garcia gehen. Der frühere FBI-Direktor untersucht die WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar.

Der Bericht

Seine Untersuchungen will er bis zum 9. Juni abgeschlossen haben. Sein ursprünglich für September 2013 vorgesehener Bericht soll dann sechs Wochen später fertig sein. Garcia bereist alle Kandidatenländer und wurde zuletzt unabhängig von den neuen Enthüllungen zu Gesprächen mit den Katarern in Oman erwartet.

Im Visier

Als FIFA-Vize und Mitglied des Exekutive gehörte der Katarer Mohammed bin Hammam zum engsten Machtzirkel des Fußball-Weltverbandes. Die Aussage des WM-Komitees, bin Hammam stünde in keiner offiziellen oder inoffiziellen Verbindung zu Katars WM-Bewerbung, ist absurd. Selber abstimmen durfte er bei der Vergabe 2010 zwar nicht, der heute 65-Jährige war aber maßgeblicher Strippenzieher.

Zweifelhafte Karriere

Als Beauftragter für das FIFA-Entwicklungsprogramm Goal verteilte er gerade in armen Ländern immer wieder legale Finanzspritzen des Weltverbandes. Gestürzt wurde bin Hammam 2011 über Bestechungsvorwürfe im Rahmen seiner Kandidatur als FIFA-Präsident gegen Amtsinhaber Joseph Blatter. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hob eine lebenslange Sperre auf, später wurde bin Hammam wegen Verfehlungen in seiner Zeit als Chef der asiatischen Föderation erneut von der FIFA mit einem Bann belegt.

Ein Schatten auf der WM

Die neue Vorwürfe kommen für die FIFA zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Sie werden mit Sicherheit den Kongress der 209 Mitgliedsverbände am 10. und 11. Juni kurz vor dem Eröffnungsspiel in Sao Paulo beschäftigen. Auf der offiziellen Tagesordnung gibt es aber keinen Programmpunkt Katar. Blatter will den Kongress nutzen, um sich als Präsidentschaftskandidat küren zu lassen.

Dauer-Debatte

Das Turnier am Zuckerhut selbst wird durch die Dauer-Debatte um Katar wohl keine Kratzer abbekommen. Die Erfahrung zeigt: Wenn der Ball einmal rollt, rückt der Sport in den Fokus und hohe Wellen schlägt das Thema hauptsächlich in England, Australien und Japan, die alle in den jüngsten WM-Vergaben unterlegen waren, und Deutschland.

Dilemma

Prinzipiell kann die FIFA die Austragungsrechte wieder aberkennen. Zuständig wäre der Kongress als höchste Instanz. Allerdings müssten zunächst Beweise für klare Verstöße gegen die Bewerbungsrichtlinien vorliegen. Und Katar bliebe der Rechtsweg offen. Ein juristischer Streit könnte für die FIFA lang und sehr, sehr teuer werden.

Neue Ausschreibung

Lieber heute als morgen hätte FIFA-Präsident Joseph Blatter das Problem vom Tisch. Doch eine endgültige Lösung ist nicht in Sicht. Legt der Garcia-Bericht eine Neu-Ausschreibung nahe, ist mit einem Gang durch alle Instanzen der Sport- und Zivilgerichtsbarkeit zu rechnen. Bleiben die Vorwürfe ohne Beleg und Konsequenz wird ohnehin weiter über die Katar-WM debattiert werden.

Menschenrechte

Mit Argusaugen beobachten Menschenrechtsorganisationen die umstrittenen Arbeitsbedingungen für Bau- und Gastarbeiter am Golf. Und: Noch ist nicht geklärt, wie die FIFA den durch die extreme Hitze notwendigen Winter-Termin gegen den Widerstand der Top-Ligen in Europa durchsetzen kann.

Plötzlich steht für die Scheichs der Höhepunkt ihrer breit angelegten Imageoffensive auf der Kippe. Tamim bin Hamad bin Khalifa Al Thani, seit 2013 Emir und somit Staatsoberhaupt von Katar, will den Golfstaat aus dem Schatten des prominenteren Nachbarn Dubai rücken. „Der jetzige Machthaber setzt den Fokus wieder auf Wirtschaft und Innenpolitik und hält sich außenpolitisch zurück“, sagt Anna Sunik vom German Institute of Global and Area Studies (Giga). „Zu dieser Rückbesinnung passt auch, dass die Rivalität zu Dubai wieder deutlicher zu Tage tritt.“

Denn nur wenige Hundert Kilometer entfernt sieht der Emir, wie es einem anderen Golfstaat gelungen ist, weltweit Aufmerksamkeit zu erregen. „Dubai ist längst zur Marke geworden, das Land ist als Urlaubsziel, Finanzhauptstadt, Flughafen-Hub etabliert“, sagt Sunik. „Da kann Katar bislang nicht mithalten.“ Qatar Airways hinkt Emirates hinterher. Und: „Doha hat noch nicht die Strahlkraft wie Dubai oder auch Abu Dhabi.“

Die Fußball-WM ist ein Pfund, mit dem die Scheichs in den nächsten Jahren wuchern könnten, um Katar weltweit zu vermarkten. „Aus diesem Grund wäre es ein enormer Imageschaden, sollte die Fifa Katar die Fußball-WM 2022 entziehen“, sagt Sunik.

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