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08.06.2017

09:17 Uhr

Katar-Krise

Türkei baut militärische Zusammenarbeit mit Katar aus

Die Türkei wird weitere Truppen im Emirat stationieren und baut so die militärische Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten aus. Das betreffende Abkommen war jedoch schon vor Beginn der Krise auf den Weg gebracht worden.

Das türkische Parlament stimmte dem Abkommen zu und wird sowohl zusätzliche Truppen in Katar stationieren als auch Sicherheitskräfte des Emirats ausbilden. dpa

Ankara

Das türkische Parlament stimmte dem Abkommen zu und wird sowohl zusätzliche Truppen in Katar stationieren als auch Sicherheitskräfte des Emirats ausbilden.

IstanbulInmitten der diplomatischen Krise um Katar am Persischen Golf baut die Türkei die militärische Zusammenarbeit mit dem Emirat aus. Das Parlament in Ankara ratifizierte am Mittwochabend ein Abkommen, wonach die Türkei zusätzliche Truppen in Katar stationieren und Sicherheitskräfte des Emirats ausbilden wird, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete.

Das Abkommen sehe auch gemeinsame Übungen der Streitkräfte beider Länder vor. Die Türkei unterhält bereits eine Militärbasis in Katar. Um wie viele Soldaten die dortigen Truppen nun verstärkt werden sollen, blieb zunächst unklar.

Katar: Aufstieg eines Zwergs

Größe

Das Emirat Katar im Osten der arabischen Halbinsel ist geografisch zwar nur etwa halb so groß wie Hessen, gewinnt international aber sowohl politisch als auch wirtschaftlich immer mehr an Bedeutung. Große Vorkommen an Erdöl und Erdgas machten Katar zu einem der reichsten Länder der Erde. Das Land ist 2022 Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft.

Viele Ausländer

Rund 2,2 Millionen Menschen leben in Katar, von denen der Großteil aus dem Ausland kommt und als Gastarbeiter beschäftigt ist. Das Land hat zahlreiche Beteiligungen an europäischen Unternehmen, darunter etwa Anteile am VW-Konzern und an der Baufirma Hochtief. Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira hat seinen Sitz in Katar.

Öl und Geopolitik

Katar ist Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und hat unter anderem zusammen mit Saudi-Arabien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten den Golfkooperationsrat mitgegründet, der eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik in der Region als Ziel hat. Südlich der Hauptstadt Doha befindet sich der größte Stützpunkt der US-Armee in der arabischen Welt.

Schelte

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisiert Katar für die Ausbeutung von Gastarbeitern und eingeschränkte Meinungsfreiheit.

Das Abkommen war bereits vor der Krise zwischen den arabischen Staaten am Golf auf den Weg gebracht worden. Die türkische Basis in Katar ist Teil eines Verteidigungsabkommens, das Ankara und Doha im Jahr 2014 schlossen. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist ein enger Verbündeter der Führung Katars, pflegt allerdings auch gute Beziehungen zu anderen Golfstaaten. Erdogan hatte sich kritisch zu den Sanktionen Saudi-Arabiens und anderer arabischer Staaten gegen Katar geäußert.

Von

dpa

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