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20.06.2013

11:26 Uhr

Katar lockt Investoren

Die Strategie der Scheichs

VonMathias Brüggmann

Es sind nicht nur klangvolle Namen aus Industrie und Bankenwelt der westlichen Industrieländer, die die Staatsfonds vom Golf auf Einkaufstour locken. Katar will auch bedeutende Investoren ins eigene Land holen.

Skyline: Doha, die Hauptstadt Katars. dpa

Skyline: Doha, die Hauptstadt Katars.

Doha, BerlinDer Golfstaat Katar investiert so viel wie möglich. Das kleine Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt der Welt reiht einerseits Beteiligungen an Firmen mit klangvollen Namen wie Kronjuwelen auf die immer länger werdende Kette. Andererseits investiert die Regierung in Doha in Firmen, die besonders für die eigene Binnenentwicklung wichtig sind. Dazu zählen vor allem Katars Anteil am Bau- und Technologiekonzern Hochtief und die gerade im Aufstocken befindliche Beteiligung beim deutschen Photovoltaik-Konzern Solarworld.

Qatar Solar Technologies (QSTec) heißt die Firma, die Katar in die Moderne katapultieren soll: QSTec ist ein Joint-Venture zwischen der Qatar Foundation (70 Prozent), SolarWorld (29 Prozent) und der Qatar Development Bank (1 Prozent Anteil). QSTec baut gerade in der katarischen Industriestadt Ras Laffan ein Polysilizium-Werk, das zunächst 8000 Tonnen dieses Grundstoffs für moderne Solarzellen herstellen soll. Die Kapazität könne auf dem 1,2 Millionen Quadratmeter großen Grundstück neben den weltgrößten Gasverflüssigungsanlagen auf 45.000 Tonnen erhöht werden.

Am Ende soll das Gemeinschaftsunternehmen mit den Deutschen die gesamte Photovoltaik-Kette vom Rohsilizium bis zum Solarkraftwerk abdecken, sagte Khalid Al-Hajri, Chairman und CEO von QSTec, kürzlich vor deutschen Journalisten in Doha. Denn die katarische Firma setze „auf einen deutschen Joint-Venture-Partner, deutsche Technik, also wird alles gut“, fügte er auf Deutsch hinzu: „Und das ist Teil der Qatar National Vision 2030‘.“

Diese Langfrist-Strategie beinhaltet nicht nur, dass der Golfstaat bei der Fußball-WM 2022 die Stadien mit Solarstrom herunter kühlen will. Mit dem Bau neuer Städte wie Lusail bei Doha soll die Einwohnerzahl des Emirats von 1,7 auf 2,3 Millionen steigen (davon 80 Prozent Gastarbeiter). An dem 45 Milliarden Dollar umfassenden Projekt ist auch die Düsseldorfer Beratungsfirma Dorsch beteiligt. Und mit Solarstrom soll auch Katar erblühen, das für sich mit dem Spruch „der einzige echte Wüstenstaat der Welt" wirbt: Bisher werden 93 Prozent der Lebensmittel importiert, das solle halbiert werden und auch Katars gigantischer Bedarf an Meerwasser-Entsalzungsanlagen künftig mit Sonnenstrom versorgt werden. „Die Wasser- und  Lebensmittelversorgung ist eine Frage der nationalen Sicherheit, Unabhängigkeit und Existenz“, sagte Fahad al-Attiya, Chef des Nationalen Ernährungssicherheitsprogramms QNFSP, dem Handelsblatt.

Kommentare (6)

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pendler

20.06.2013, 11:46 Uhr

Stimmt es eigentlich, dass die Anti-Fracking Bewegung von den Ölmulties bezahlt werden?

vandale

20.06.2013, 12:39 Uhr

Das wäre sehr unklug als das Fracking lediglich eine Verfahrensvariante der Erdöl/Erdgasförderung darstellt.

Der Eine, oder Andere Oekogläubige könnte sich informieren, obwohl der Glaube dazu dient das Nachdenken zu vermeiden, dann ggf. die Oel/Gasförderung als solche in Frage stellen

Vandale

vandale

20.06.2013, 12:50 Uhr

...QSTech baut gerade in der katarischen Industriestadt Ras Laffan ein Polysilizium-Werk, das zunächst 8000 Tonnen dieses Grundstoffs für moderne Solarzellen herstellen soll....
Es gibt bereits heute grosse Ueberkapazitäten bei der Polysiliziumherstellung. Man möge hierzu einen Blick in die Berichte der Fa. Wacker werfen. Entweder sind die Herrscher Khatars extrem illusioniert worden, oder es handelt sich lediglich um eine Absichtserklärung?

Solarstrom ist in Khatar so wertlos* und hoffnungslos unwirtschaftlich** wie im Rest der Welt. Insofern stellt sich auch zu den diesbezüglichen Aussagen die Frage was hinter dem Bericht steckt.

Insofern erscheint der Artikel etwas skurril.

Vandale

*Die Solarstromerzeugung erfolgt in Khatar entsprechend dem Sonnenstand. Am Mittag ist die Stromerzeugung am höchsten, am frühen Abend wenn das Verbrauchsmaxima ist, 0. Solarstrom kann lediglich Brennstoffkosten einsparen.
**Aufgrund des günstigen Erdgases liegen die Brennstoffkosten in Khatar nahe 0

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