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19.09.2013

13:26 Uhr

Katastrophenkraftwerk

Regierung lässt übrige Fukushima-Reaktoren stillegen

Die Olympischen Spiele 2020 finden finden in Tokio statt. Sorgen machen den Verantwortlichen die Probleme rund um den Atomreaktor in Fukushima. Nun hat sich der Ministerpräsident selbst ein Bild gemacht – und reagiert.

Nach einer Inspektion des Katastrophenkraftwerks, lässt Japans Ministerpräsident Shinzo Abe auch die Reaktoren Nummer 5 und 6 stilllegen. AFP

Nach einer Inspektion des Katastrophenkraftwerks, lässt Japans Ministerpräsident Shinzo Abe auch die Reaktoren Nummer 5 und 6 stilllegen.

TokioDie japanische Regierung hat den Abriss der letzten beiden Reaktorblöcke des Atomkraftwerks Fukushima angeordnet. Ministerpräsident Shinzo Abe sagte am Donnerstag nach einem Rundgang über das Gelände der stark beschädigten Anlage, er habe den Kraftwerkbetreiber Tepco persönlich aufgefordert, einen Zeitplan für die Eindämmung von radioaktiv verseuchtem Wasser vorzulegen. „Damit sie sich darauf konzentrieren können, habe ich sie angewiesen, die Reaktoren Nummer 5 und 6 endgültig außer Betrieb zu nehmen“, fügte Abe hinzu. Mit dem Schritt will die Regierung auch ein Zeichen an das Internationale Olympische Komitee (IOC) senden, das erst kürzlich Tokio die Sommerspiele 2020 zugesprochen hatte.

„Ich werde hart arbeiten, um die Gerüchte über mangelnde Sicherheit von Fukushima aus der Welt zu schaffen“, sagte Abe nach dem Rundgang. Die Atomanlage Fukushima I (Daiichi) war bis zur Tsunami-Katastrophe im März 2011 eines der leistungsstärksten Kernkraftwerke des Landes und bestand aus sechs Reaktorblöcken. Durch Wasserstoffexplosionen und Kernschmelzen wurden vier Anlangen nach dem Tsunami zerstört. Die übrigen zwei Blöcke blieben intakt, waren seit der Katastrophe aber nicht mehr am Netz. Nach Angaben von Abe sagte Tepco-Präsident Naomi Hirose zu, das Grundwasserproblem in Fukushima bis spätestens März 2015 gelöst zu haben.

Fukushima in Zahlen

9,0

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 war das bisher schwerste in der Geschichte Japans.

260

Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

16.000

Beben und Flutwelle töteten rund 16.000 Menschen, 4000 gelten noch immer als vermisst.

130.000

Zehntausende mussten die Region verlassen. Zeitweise lebten 130.000 Menschen in Notquartieren. Zum Jahresende sollen immer noch Zehntausende auf eine Behelfsunterkunft angewiesen sein.

210 Milliarden

Mit einem gesamtwirtschaftlichen Schaden von 210 Milliarden US-Dollar (156 Milliarden Euro) handelt es sich nach Angaben des Rückversicherers Munich Re um die teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten.

2,1

Die japanische Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal so stark, dass die Experten ein Minus von 2,1 Prozent für 2011 erwarteten.

5,8 Milliarden

Von April bis September verbuchte der Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima einen Verlust von umgerechnet 5,8 Milliarden Euro.

2 Millionen

Mindestens zwei Millionen Menschen sind von den gesundheitlichen Spätfolgen der Atomkatastrophe betroffen.

8,4 Milliarden

Mindestens 8,4 Milliarden Euro will die Regierung dem Betreiber zur Verfügung stellen, um Opfer zu entschädigen.

Tepco ist wiederholt vorgeworfen worden, bei der Bewältigung der schwersten Atomkatastrophe seit Tschernobyl im Jahr 1986 überfordert zu sein. Zuletzt hatte die japanische Regierung Millionenhilfen für den Kampf gegen die gestiegene Strahlenbelastung vor Ort in Aussicht gestellt.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Rechner

19.09.2013, 13:47 Uhr

Soso.

Der Atom-Experte Abe hat sich die Sache selbst angeguckt, und dann auf Abriß entschieden.

Mit den olympischen Spielen hat sich Japan eine teure Bürde aufgehalst - denn jetzt muß es auch noch auf die ausländische Atomhysterie Rücksicht nehmen.

Sowas passiert eben, wenn man einen prinzipenlosen Populisten zum Regierungschef macht.

Armes Japan.

vandale

19.09.2013, 14:06 Uhr

Die Blöcke 5 und 6 des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi waren von den Reaktorunfällen nicht betroffen. Technisch gesehen sind diese wesentlich moderner als die verunfalltn Kraftwerke. Es ist eine rein politische Massnahme.

Der Satz "gestiegene Strahlenbelastung" entstammt genauso der Phantasie des Autors wie die "Strahlenverseuchung". Es handelt sich nicht um vermehrungsfähige Mikoorganismen, sondern um Partikel die radioaktiv zerfallen. Die Partikel werden grösstenteils durch den Regen in den Boden gewaschen, oder ins Meer gespült. Somit sinkt die radioaktive Belastung der Region und auch auf dem Kraftwerksgelände.

Vandale

Ingenieur

19.09.2013, 23:25 Uhr

Falsch, Vandale, nach den vorliegenden Infos haben sich mindestens 3 Cores durch den Druckbehälter und die Schutzhülle durchgefressen, befinden sich im Fundament oder gar schon im Erdreich und "spielen" längst höchst radioaktiver Geysir. Die 3 mal 60 Tonnen glühende radioaktive Lava verteilen sich in der Umgebung, ganz zu schweigen von den weiteren 1000 Tonnen hochaktivem Atommüll im einsturzgefährdeten Pool von Werk Nr. 3, die munter über 1 MW Nachzerfallshitze produzieren. In F. ist die Lage klar "out of control", die Realität liefert Stoff für eine ganze Ladung Horrorfilme!

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