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12.01.2007

14:28 Uhr

„Kauf“ geplant

Venezuela will für Telekom-Verstaatlichung zahlen

Anders als in der Energiebranche will die venezolanische Regierung für die Verstaatlichung des landesweit größten Telekommunikationsunternehmens CANTV bezahlen: Die Aktionäre, darunter der US-Telekommunikationskonzern Verizon, sollen ihre Anteile gegen Bares abtreten.

Öffentliche Telefone des venezoelanischen Marktführers CANTV. Foto: ap ap

Öffentliche Telefone des venezoelanischen Marktführers CANTV. Foto: ap

HB CARACAS. Die Regierung werde die volle Kontrolle über CANTV übernehmen, sagte Telekommunikationsminister Jesse Chacon am Donnerstag. Die Übernahme werde aber durch einen Kauf erfolgen. Investoren des größten Telekommunikationsunternehmens des Landes sagten, niemand habe bislang Kontakt mit ihnen aufgenommen.

Es sei noch nicht entschieden, wie hoch der Staatsanteil sein werde, sagte Chacon weiter. Die Mobilfunksparte werde jedoch ebenfalls unter die Kontrolle der Regierung kommen. „Telekommunikation ist der große Katalysator, um den primitiven Menschen von heute zu verändern, den selbstsüchtigen Menschen von heute in einen neuen Menschen, den wahren humanistischen Menschen“, sagte Chacon.

CANTV ist seinen Worten zufolge das einzige Unternehmen der Branche, das verstaatlicht werden solle. Damit stellte die Regierung erstmals klar, wie weit ihre Nationalisierungspläne in der Telekommunikation gehen. Der Stromsektor soll vollständig nationalisiert werden. Die Regierung hat angekündigt, die Unternehmen zu beschlagnahmen.

Der links-populistische Präsident Hugo Chavez will mit den Verstaatlichungen seine sozialistische Revolution vorantreiben. Sie soll die Erträge aus dem Ölgeschäft gerechter verteilen. Obwohl Venezuela einer der größten Erdölexporteure der Welt ist, lebten 2005 nach Angaben der Vereinten Nationen 37,1 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.

Bei einem Besuch in Nicaragua kündigte Chavez an, in dem befreundeten Land eine Öl-Raffinerie zu bauen. Damit könnten die Energie-Probleme Nicaraguas gelöst werden, sagte er in der Hauptstadt Managua. Nicaragua zählt zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas und deckt 80 Prozent seines Strom-Bedarfs über Öl und Benzin. Die hohen Öl-Preise hatten zuletzt zu einer Energie-Krise in dem Land geführt.

Der scharfe US-Kritiker Chavez hält sich seit Mittwoch zur Amtseinführung des neuen Präsidenten und ehemaligen marxistischen Rebellen Daniel Ortega in Nicaragua auf. Ortega sucht nach eigenen Worten gute Beziehungen zu den USA, will aber auch eine eng mit Chavez zusammenarbeiten.

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