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21.06.2011

13:56 Uhr

Kaufkraftstandard

Schere in EU öffnet sich - Griechen verarmen

Die gefühlte Ungerechtigkeit ist auch eine reale, wie eine EU-Statistik jetzt zeigt: Die Griechen verarmen im EU-Vergleich und verdienen deutlich weniger als der Durchschnitt in Europa.

Ein griechischer Demonstrant mit einer Fahne um die Schultern. Quelle: dapd

Ein griechischer Demonstrant mit einer Fahne um die Schultern.

LuxemburgIn der Krise sind die Griechen im EU-Vergleich verarmt. Nach einer neuen EU-Statistik verfügten die Menschen in Griechenland 2010 über deutlich weniger Geld als der europäische Durchschnittsbürger. Laut Europäischem Statistikamt Eurostat kamen die Griechen im vergangenen Jahr nur noch auf 89 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Kopf der 27 EU-Staaten - ein Jahr zuvor waren es noch 94 Prozent gewesen. Dieser Rückgang beim relativen Lebensstandard sei der stärkste in der Staatengemeinschaft, meldeten die Statistiker am Mittwoch in Luxemburg.

Die Schere in der EU öffnet sich. Auch in der Wirtschaftskrise verteidigten die Luxemburger ihren Platz als reichste EU-Bürger. Die Einwohner des Großherzogtums sind im Schnitt fast dreimal so vermögend wie der europäische Normalbürger - ein Jahr zuvor lag der Abstand erst bei zweieinhalb Mal.

Auf Platz zwei landeten die Niederlande, gefolgt von Dänemark, Irland und Österreich gleichauf. Am unteren Rand der Skala steht nach wie vor Bulgarien als ärmstes Land der EU. Dort haben die Menschen weniger als halb so viel Geld wie der EU-Durchschnittsbürger.

Eurostat untersucht das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in den 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie in anderen Ländern Europas. Die Statistiker nutzen den Kaufkraftstandard (KKS). Dabei kommt der Normalbürger auf genau 100 Prozent. Luxemburg erreicht 283 Prozent, EU-Schlusslicht Bulgarien nur 43 Prozent. Deutschland liegt mit 119 Prozent unverändert über dem EU-Mittelwert - und auf Platz sieben in der EU-Rangliste.

Der Kaufkraftstandard ist eine Kunstwährung, welche die Unterschiede zwischen den nationalen Preisniveaus ausgleicht. Mit einem KKS kann man in allen Ländern die selbe Menge Waren und Dienstleistungen kaufen. Das hohe Niveau des BIP pro Kopf in Luxemburg geht laut Eurostat zum Teil auf die vielen Ausländer zurück, die in Luxemburg arbeiten. Sie tragen zwar zur Wirtschaftsleistung bei, zählen aber nicht zur Wohnbevölkerung, auf deren Grundlage das BIP pro Kopf berechnet wird.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Kackwurst

21.06.2011, 15:06 Uhr

Dass die Griechen verarmen, haben sie vor allem ihrem aufgeblähten Staatsapparat zu verdanken. Jede politische Partei hat Wahlgeschenke propagiert und hinterher mit neuen Schulden bezahlt. Das ist die Blaupause dafür, was uns in Deutschland noch bevorsteht!

Hexe

21.06.2011, 15:09 Uhr

Der Kaufkraftstandard sollte übrigens die Messlatte für die Beteiligung an dem ganzen Eurorettungsscheiß sein. Da würde der Juncker aber ziemlich dämlich aus der Wäsche gucken. Pro Kopf wäre das für die Luxemburger deutlich mehr als das bisschen, was denen zugemutet wird. Auch denen sollte es wehtun.
Aber Juncker interessiert sich nur für sein Großherzogtum, dass den größten Profit aus der EUSSR zieht. Da sitzt das Politbüro!

WFriedrich

21.06.2011, 17:33 Uhr

Eine verarmte Bevölkerung wäre der Gau. Armut belebt keine Wirtschaft. Bisher hat noch niemand die Frage beantwortet, wie Griechenlands Wirtschaft leistungsfähig wird, wie seine Handelsbilanzdefizite verringert werden. Ohne Antwort wird sich Hilfspaket an Hilfspaket reihen - oder die Konkursmeldung kommt. Zurzeit glaubt man (leider) noch, dass das rigorose Sparprogramm wie eine innere Abwertung wirken könnte. Statt sich dieser Illusion zu verschreiben sollte die griechische Regierung die realistische Alternative wählen: Hohe Einfuhrzölle (auch für EU-Importe), die zeitweilig vor dem übermächtigen Wettbewerb schützen, aber schrittweise im Zuge der Erholung wieder abgebaut werden. Die Erträge aus Einfuhrzöllen sollten für den Schuldendienst genutzt werden. So, nun kann mir jeder zürnen. Aber ich gehe davon aus, dass mein Vorschlag aufgegriffen wird, weil alle anderen politischen Vorstellungen nicht bzw. nicht kurzfristig zur Wirkung gebracht werden können. Der Schutz des Marktes vor dem übermächtigen Wettbewerb mittels temporärer Zollschranken könnte den Verbleib in der Euro-Zone ermöglichen. W.R.

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